Rund 280 Stunden Live-TV : Mehr Fernseh-Olympia war noch nie

ARD und ZDF freuen sich auf die Olympischen Spiele in Rio - und fürchten 2018. Weil sie noch keine Übertragungsrechte haben

Michael Rossmann
Gerhard Delling (links) und Alexander Bommes übernehmen die Live-Berichterstattung im Ersten aus Rio
Gerhard Delling (links) und Alexander Bommes übernehmen die Live-Berichterstattung im Ersten aus RioFoto: dpa

Aus Rio de Janeiro werden ARD und ZDF ein Rekord-Programm senden, doch es könnten die letzten Olympischen Spiele für sehr lange Zeit sein. Noch immer besitzen die beiden öffentlich-rechtlichen TV-Sender keinerlei Rechte für die Spiele von 2018 bis 2024. Die seit Monaten laufenden Verhandlungen mit dem US-Unternehmen Discovery haben bisher zu keiner Lösung geführt. „Im Augenblick sind wir noch sehr weit voneinander entfernt“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky am Dienstag in Hamburg, wo das Erste und das Zweite ihre Rio-Berichterstattung zwischen 4. und 21. August präsentierten.
Aus Brasilien senden ARD und ZDF so umfangreich wie noch nie. Rund 280 Stunden live übertragen die beiden TV-Sender. Vor vier Jahren umfasste die klassische Fernsehberichterstattung aus London etwa 260 Stunden. Mit sechs parallelen Livestreams bieten die Sender auch ein umfangreiches Programm im Internet. Dieses Angebot summiert sich auf deutlich mehr als 1000 Stunden für den Empfang über Computer, Smartphones oder Smart-TV mit Internetverbindung.

ARD und ZDF wechseln sich täglich in der Berichterstattung ab


Die Sender berichten im täglichen Wechsel an den 19 Übertragungs-Tagen. Die Olympia-Sendungen beginnen bereits zwei Tage vor der Eröffnung am 5. August mit den Übertragungen vom Frauenfußball-Turnier.
„Es ist das letzte Mal, dass wir die Rechte in diesem Umfang haben“, sagte ZDF-Chefredakteur Peter Frey. Ein so umfangreiches Programm werden die beiden Sender auch dann nicht zeigen, wenn es überhaupt zu einer Einigung mit Discovery kommen sollte. Um nach Rio zumindest in kleinerem Umfang berichten zu können, müssen die öffentlich-rechtlichen Sender bei dem US-Unternehmen sogenannte Sub-Lizenzen kaufen. Denn das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte die europäischen TV-Rechte für die Spiele von 2018 bis 2024 im Juni vergangenen Jahres überraschend an Discovery vergeben. Dieser vier Spiele umfassende Kontrakt gilt auch für den deutschen Markt, wo bisher immer ARD und ZDF übertragen haben. Discovery hat für das exklusive Rechtepaket 1,3 Milliarden Euro an das IOC bezahlt. Die Verhandlungen scheinen schwierig. „Wir hoffen, irgendwann zu einer Lösung zu kommen, die für beide Seiten erträglich ist“, sagte ARD-Mann Balkausky über die Gespräche: „Geld spielt sicher auch eine Rolle.“

Der Zeitdruck für die TV-Rechte 2018 ist da


Für die Olympia-Dauersender wird es eng. „Allzu viel Zeit haben wir nicht mehr, weil die Vorbereitungen für Olympische Spiele sehr umfangreich sind“, erklärte Balkausky mit Blick auf die Winterspiele 2018: „Es sind nur noch anderthalb Jahre, und es gibt schon die ersten Meetings für Fernsehsender, wo zum Beispiel Produktionsplätze vergeben werden. Insofern gibt es schon einen Zeitdruck, der da drauf liegt." (dpa)

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