Medien : Rundumschlag

Sechs Uhr aufstehen, Kaffee kochen, Zeitung holen, loben, erwähnen, kritisieren: 2000-mal „Altpapier“

Marc Felix Serrao/Alice Bota

Nett, motzig, lustig, genervt, wütend – oder, wie so oft, alles zugleich? Eines steht fest: Langweilig wird die 2000. Ausgabe der „Altpapier“-Kolumne der „Netzeitung“, die heute erscheint, nicht sein. Schon weil als Gastautor der Mann des investigativen Journalismus, Hans Leyendecker, gewonnen wurde. Das „Altpapier“ ist nach über sechs Jahren die wichtigste tägliche Medien-Presseschau deutscher Zeitungen. Kaum ein Mitarbeiter der betroffenen Ressorts, der wochentäglich morgens um zehn Uhr nicht nachschauen würde, ob er gelobt, kritisiert oder mal wieder erwähnt wurde.

„Was ich mache, ist eine Service-Kolumne“, sagt Christian Bartels. Der 38-jährige freie Journalist aus Hamburg schreibt das „Altpapier“ im Wechsel mit Michael Angele, einem der früheren Macher der legendären „Berliner Seiten“ der „FAZ“. Den Anfang machte am 6. November 2000 Christoph Schultheis, heute verantwortlich für das viel gelobte „Bild-Blog“. Laut Bartels geht es dem „Altpapier“ sowohl darum, einen Kommentar als auch einen möglichst umfassenden Überblick zu den wichtigsten Medienartikeln des Tages zu bieten. Dafür liest Bartels frühmorgens die entsprechenden Seiten aller überregionalen Tageszeitungen – „auch die aus Berlin, die werden ja von manchem zu Unrecht nicht dazugezählt“.

Ob ihm die tägliche Artikelflut noch Freude bereitet? „Doch, doch“, sagt Bartels, „im Grunde haben wir eine sehr vielseitige Landschaft.“ Was ihm manchmal fehle, seien Hinweise auf die ökonomischen Zusammenhänge und Zwänge, die hinter den Mediengeschichten stecken: „Wem gehört was, wer ist wie mit wem verbandelt?“ Koautor Michael Angele findet die Medienseiten zwar „nicht mehr so langweilig wie in den Gründerjahren“. Eine gewisse Beißhemmung würde es aber wohl immer geben: „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“ Bartels nervt es am meisten, wenn eine Zeitung ihre Artikel nicht ins Netz stellt. Wie am 23. November, als die „SZ“ mehrere Artikel im Blatt hatte über die Anhörung des Bundesverfassungsgerichts zur skandalösen Hausdurchsuchung bei „Cicero“. Bartels kommentierte wohlwollend – bis zum Schluss: „All diese Artikel, die zusammen ein prima Bild der Lage ergeben, stehen nicht im freien Internet. Was jedoch mit Presse- und Medienfreiheit nichts zu tun hat.“

Wie aufmerksam das „Altpapier“ branchenintern gelesen wird, zeigt sich, wenn den Autoren mal ein Fehler unterläuft. „Einmal habe ich geschrieben, auch der ,Berliner Kurier‘ denke über eine Sonntagsausgabe nach“, sagt Bartels. Kurz nachdem seine Kolumne auf der Internetseite der „Netzeitung“ stand, hätten ihn etliche E-Mails aus der „Kurier“-Redaktion und von außerhalb erreicht: „Herr Bartels! Es gibt eine Sonntagsausgabe!“ So ein Irrtum sei natürlich ärgerlich, gibt er zu. Über die allgemeine Aufmerksamkeit der Kollegen freue er sich aber: „Das ist super.“ Danke gleichfalls.

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