Schon 2015 gestorben : Sein Kressin war laut, sein Tod war leise: Sieghardt Rupp

Fast ein Jahr blieb der Tod von Sieghardt Rupp geheim. Als "Zollfahnder Kressin" mischte er den drögen "Tatort" auf

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Der österreichische Schauspieler Sieghardt Rupp steht am 14.11.1995 für eine Szene aus dem Theaterstück "Komtesse Mizzi" auf der Bühne. Der ehemalige «Tatort»-Ermittler ist schon seit fast einem Jahr tot.
Der österreichische Schauspieler Sieghardt Rupp steht am 14.11.1995 für eine Szene aus dem Theaterstück "Komtesse Mizzi" auf der...Foto: dpa

Das hat schon etwas Kurioses. Der ehemalige „Tatort“-Ermittler Sieghardt Rupp ist schon seit fast einem Jahr tot. Auf eigenen Wunsch war der Tod des Bregenzers, geboren am 14. Juni 1931, bereits im vergangenen Sommer nicht bekanntgegeben worden. "Rupp, der zuletzt bewusst zurückgezogen lebte, starb am 20.7.2015 von der Öffentlichkeit unbemerkt in Wien“, teilte das Filmarchiv Austria auf seiner Homepage mit. Erst bei Vorbereitungen für eine Retrospektive hat das Filmarchiv das Ableben des Schauspielers mit 84 Jahren festgestellt. Ab Mittwoch ist nun die Retrospektive zu Rupps Ehren in Wien zu sehen.

Viele Rollen und dann Kressin



Nach einer Ausbildung am renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien folgten erste Engagements am Theater. 1959 ergatterte er seine erste Filmrolle. In Klischees ließ sich Rupp dabei nicht pressen. In Heimatfilmen war er ebenso zu sehen wie als Bösewicht im bekannten Western „Für eine Handvoll Dollar“. Das Schurkische stand ihm gut. Zum Star im deutschsprachigen Raum wurde der Schauspieler mit dem markanten Gesicht mit seiner ruppigen „Tatort“-Darstellung als „Zollfahnder Kressin“ in den 70er Jahren; erfunden hatte die Figur Wolfgang Menge. Drei Jahre lang trat Rupp als rauchender und prügelnder Ermittler mit flotten Sportwagen und vielen Liebschaften auf. Der Zollfahnder war die strikte Antithese zu einem geerdeten Kommissar Haferkamp (Hansjörg Felmy) oder zu einem mürrischen Kommissar Finke (Klaus Schwarzkopf). Kressin darf als Vorläufer und Wegbereiter eines Horst Schimanskis gelten, der in den 1980er-Jahren ohne Tagesrhythmus, mit Alkohol, Currywurst agierte und ermittelte und das Fäkalwort "Scheiße" ins deutsche Fiktionsfernsehen einführte.

Zehn Folgen spielte Sieghardt Rupp den Zollfahnder ohne Vornamen und mit Nachnamen Kressin. Ein großer Junge, ein wahrer Chauvi, der mit dem Spruch "Jede Frau will erobert sein" die flotten Weiber mit den flotten Sportwagen abschleppte. Das war auf gekonnte Weise Charge, aber eben Charge. Zur durchkonstruierten Kressin-Figur gab es nur zwei Meinungen: Großes Ja - starkes Nein. Erfinder Menge wollte eigentlich Heinz Bennent in der Rolle sehen. Mit Rupp konnte er sich nicht anfreunden: "Rupp als Kressin - das ist, als ob man die Rolle für Kirk Douglas schreibt, und hinterher spielte sie Peter Alexander." Der große Wolfgang Menge konnte gemein und sehr ungerecht sein, wenn ihm etwas gegen den Strich ging.

Vom Fernsehen zurück zum Theater

Sieghardt Rupp betrachtete seinen Zollfahnder Kressin als willkommene Aufgabe, nicht aber als Daseinszweck seiner Schauspielerei. Nach drei Jahren ARD-Action wechselte er nicht ungerne wieder zum Theater und unterrichtete am Reinhardt-Seminar selbst. Für seine Darstellung des Dirigenten Wilhelm Furtwängler im Theater in der Josefstadt wurde er mit der Kainz-Medaille ausgezeichnet. Auch durfte er sich "Kammerschauspieler" nennen, ein Adelstitel unter Österreichs Theaterschauspielern. Anders als Kressin nahm Sieghardt Rupp das Leben nicht so leicht. Geschieden, das einzige Kind, eine Tochter, vor dem eigenen Tod zu Grabe getragen, lebte er zuletzt in Wien. Seine letzte Ansprechperson war eine Caritas-Mitarbeiterin, die Rupp versprochen hatte, seinen Tod nicht öffentlich zu machen. Die Caritas wurde von Rupp als Haupterbin eingesetzt.

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