Medien : Schreiben filmen

3sat-Dokumentation zeigt, wie ein Buch entsteht - das neue von John von Düffel

Hendrik Feindt

Da wären wir ihm also wieder ein Stück näher gekommen: dem Geheimnis des schöpferischen Aktes. Zumindest verspricht 3sat dies dem Zuschauer mit seiner Dokumentation „Houwelandt – Ein Roman entsteht“. Es geht um das jüngste Werk von John von Düffel. Der Hamburger Autor und Dramaturg beschreibt darin die Familiengeschichte der de Houwelandts, festgemacht an vier Personen aus drei Generationen – und das Fernsehen hat genau hingesehen, wie das Werk entstand.

Herausgekommen bei der filmischen Erkundung ist allerdings vor allem ein Dokument, das zeigt, wie schwer man mit den visuellen Möglichkeiten des elektronischen Mediums den Prozess des Schreibens einfangen kann. Schriftstellermanuskripte mit ihren Streichungen und Schwärzungen, mit übereinander geschriebenen Wörtern, angeklebten Fitzeln und ausgerissenen Seiten, die auf Auktionen schwindelerregende Preishöhen erlangen, gibt es so gut wie nicht mehr. Manuskript und auch Typoskript haben zunehmend ausgedient – an die Stelle von Stift, von Schreibmaschine und Papier ist die Arbeit an Tastatur und Bildschirm getreten.

Von diesen Zwängen ist auch Jörg Adolphs Dokumentation über John von Düffel und dessen Roman „Houwelandt“ nicht freigekommen. Wie Textentstehung abläuft, zeigt der Film mit einem Bruchteil seiner 100 Minuten. Wohl aber auf eineinhalb Stunden, wie ein publizitätsträchtiges Produkt gemacht wird: Wie ein Autor mit Lektoren, Agenten und Verlegern konferiert, wie ein Verlag seinen Apparat von den Umschlagdesignern über die Pressebetreuung bis zu den Buchhandelsvertretern auf Touren bringt und wie ein Literaturbetrieb Macher und Produkte zwischen Lesungen, TV-Sendungen und Rezensionen verheizt.

Dies Dilemma bezeugen alle Autorenporträts, die im Fernsehen laufen. Ob beim jüngst wiedergesendeten Besuch eines Drehteams im Hause Thomas Manns oder bei den alljährlichen Kurzporträts der Anwärter für den Bachmann-Preis: Den Einblick auf den häuslichen Arbeitsplatz mit Literat und Schreibgerät mag man nicht missen, aber schnell wechselt der Schnitt zu einem Statement des Autors oder zum Bild seiner körperlichen Ertüchtigung.

Dabei haben Filme wie dieser eine lange Tradition: „Schöpferische Hände“ lautete beispielsweise der Titel einer Reihe von Kurzfilmen aus den zwanziger Jahren, die Maler und Zeichner beim Erstellen eines Bildes präsentierten. Und später hatte der „Picasso“-Film von Clouzot mustergültig die Dauer veranschaulicht, die ein Kunstwerk zu seiner Entstehung benötigt.

Doch auf literarischem Feld tut sich das Bildmedium Film weiterhin schwer: So ist auch Adolphs Dokumentation über die Entstehung von „Houwelandt“ ein Lehrfilm über die Marktgängigkeit von Literatur geworden. Darin liegt aber auch der eigentliche Reiz dieser Dokumentation, die eindrucksvoll den Prozess von der Erschaffung eines Romans bis zur Vermarktung beschreibt. Eine Art Product Placement, wie es aus Hollywood und seinen „The making of“-Filmen bekannt ist.

„Houwelandt – Ein Roman entsteht“, 3sat, 21 Uhr 15

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