Schweighöfer startet Streamingdienst : Pantaflix zeigt Filme für Cinéasten

Matthias Schweighöfers Filmfirma startet einen Konkurrenten zu Netflix und Amazon. Pantaflix unterscheidet sich in vielen Punkten von anderen Videostreamingdiensten.

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Seit Freitag online: der Video-Streamingdienst Pantaflix. Hier entscheiden die Filmemacher, in welchen Ländern und an welchen Stränden ihre Werke zu sehen sind.
Seit Freitag online: der Video-Streamingdienst Pantaflix. Hier entscheiden die Filmemacher, in welchen Ländern und an welchen...Screenshot: Tsp

Der Ansatz ist ähnlich, der Auftritt komplett unterschiedlich. Als der Rapper Jay-Z im März 2015 den Musikstreamingdienst Tidal startete, wurde das Ideal einer Plattform postuliert, bei der die Künstler fair an den Erlösen beteiligt werden und es darum keinen werbefinanzierten Kostenloszugang gibt. Bei der Präsentation von Tidal in New York waren Stars wie Beyoncé, Madonna, Rihanna und Kanye West dabei. An diesem Freitag ist in Deutschland der Internet-Videodienst Pantaflix gestartet. Dahinter steht die Filmproduktionsgesellschaft Pantaleon, an der mit Matthias Schweighöfer einer der prominentesten und erfolgreichsten deutschen Schauspieler, Regisseure und Produzenten beteiligt ist. Der Start von Pantaflix verläuft ganz im Stillen, was unter anderem daran liegt, dass es sich um eine Beta-Version handelt, bei der längst noch nicht alle Funktionen freigeschaltet sind und der Katalog noch große Lücken aufweist.

Das Angebot selbst stellt eher das E statt das U in den Mittelpunkt. Vor allem die Freunde klassischer Programmkinos dürften hier fündig werden. Blockbuster sind dagegen Fehlanzeige, selbst Schweighöfer-Filme wie „Keinohrhasen“ oder „Der Nanny“ werden zurzeit vergeblich gesucht. Dafür gibt es Filme wie „Polnische Ostern“ mit Henry Hübchen oder Annekatrin Hendels Doku „Fassbinder“, über die der Tagesspiegel schrieb, dass Rainer Werner Fassbinder von Hendel kleiner dargestellt werde, als er war. Beim „Vampire Diary“ handelt es sich ebenfalls um keinen Ausrutscher Richtung Netflix- oder Amazon-Mainstream, denn es geht nicht um die TV-Serie „Vampire Diaries“. Zum einen soll der Fernsehbereich mit TV-Filmen und Serien erst später in Pantaflix hinzukommen. Zum anderen ist „Vampire Diary“ ein Horror- und Fantasy-Film aus Großbritannien, in dem sich ein Filmemacher die falsche Frau sucht, eben eine Vampirin.

Aus Nutzersicht ähnelt Pantaflix trotz des Namens eher iTunes als Netflix, denn das Bezahlmodell basiert auf Miete und nicht auf Flatrate oder Kauf. Die Preise bewegen sich zwischen drei und fünf Euro, dafür kann der Film beliebig oft innerhalb von 48 Stunden angesehen werden. Die meisten Filme sind in HD, viele Titel werden aber in Standard-Definition angeboten.

Zu welchem Preis ein Film ins virtuelle Regal gestellt wird, entscheidet dabei nicht Pantaflix, sondern der Filmemacher beziehungsweise der Produzent. Das ist der erste große Unterschied zu anderen Plattformen. Der zweite besteht in der Aufteilung der Erlöse. Bei den meisten Plattformen kommt bei den Kreativen kaum etwas an. Pantaleon-Geschäftsführer Dan Maag macht die Rechnung auf: Sonst bleiben von jedem eingenommenen Euro knapp 50 Cent bei den Kinobetreibern oder den Internetplattformen. Ein gutes Viertel geht für den Vertrieb drauf und der Filmverleiher bekommt weitere fast zwanzig Prozent – bleiben für den Filmemacher zehn Cent je Umsatzeuro. Anders bei Pantaflix, hier teilen sich Filmemacher und Plattform die Erlöse im Verhältnis 75 zu 25 Prozent. Vertrieb und Verleih gibt es bei diesem Modell nicht.

Kein Geoblocking - es gilt das Motto "One World - One Screen"

Pantaflix will aber noch auf eine weitere Beschränkung verzichten: das Geoblocking. Das Streaming macht hier nicht an der Landesgrenze halt. Wiederum kann der Filmproduzent entscheiden, in welchen Ländern und Regionen seine Titel zu sehen sein sollen. Das Motto lautet „One World – One Screen“. Auch dafür hat Maag zur Begründung ein paar Zahlen parat: In den USA leben zum Beispiel eine Million Menschen, die sich für deutschsprachige Filme interessieren könnten. Das Modell funktioniert aber auch in die andere Richtung. In Deutschland leben drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln, die türkische Filme wegen des Geoblockings zumindest legal in Deutschland abrufen können.

Für die Branche ist diese Beschränkung aus vielerlei Gründen notwendig, das gibt Dan Maag zu. Dazu muss man wissen, dass Schweighöfer und Maag gerade für Amazons Videodienst die Serie „You are wanted“ produzieren. Allerdings sollte der Filmemacher oder Produzent entscheiden, was wo zu sehen ist und nicht ein Rechtehändler oder der Vertrieb, meint man bei Pantaflix.

Als Tidal und Jay-Z das einjährige Bestehen feierten, hatten rund drei Millionen Menschen den Musikstreamingdienst abonniert: Spotify kam zu diesem Zeitpunkt auf den zehnfachen Wert. Auch Pantaflix dürfte schwerlich an die Zahlen von Netflix herankommen. Das Modell und der Katalog lassen das Angebot jedoch als sinnvolle Ergänzung zu den Blockbuster-Diensten erscheinen. Zumal die Empfehlungen bei Pantaflix von Cineasten für Cineasten kommen sollen und nicht von Algorithmen.

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