Sechs Stunden in der Maske : Sein härtester Dreh

Robert Gustafsson spielt den Hundertjährigen, der aus dem Fenster sprang und verschwand - nach dem gleichnamigen Bestseller von Jonas Jonasson.

Suzanne Forsström
Sprung in die Freiheit: Robert Gustafsson als Hundertjähriger. Foto: pa/dpa
Sprung in die Freiheit: Robert Gustafsson als Hundertjähriger. Foto: pa/dpaFoto: picture alliance / dpa

Als ihm die Rolle angeboten wurde, ahnte er nicht, dass es die härtesten Dreharbeiten seines Lebens werden sollten. Robert Gustafsson spielt die Hauptrolle in dem Film „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ nach dem gleichnamigen schwedischen Millionen-Bestseller von Jonas Jonasson. Der Film feierte Weihnachten Premiere in Schweden, in Deutschland ist er ab März im Kino zu sehen.

Der 47-jährige Gustafsson saß jeden Tag lange vor dem Morgengrauen knapp sechs Stunden in der Maske. Drei Maskenbildner werkelten gleichzeitig in seinem Gesicht herum, um ihn Jahrzehnte altern zu lassen. „Insgesamt waren es 204 Stunden, knapp neun Tage“, rechnet Gustafsson vor. Doch auch das altersgerechte Sprechen und Laufen verlangten dem Schauspieler viel ab. Da er die Rolle des Hauptdarstellers in einer Zeitspanne von achtzig Jahren spielt, habe er alle Altersstufen vorher einstudiert und auf Video abgespeichert, damit er sie immer wieder abrufen konnte. Insbesondere die Schlüsselszene habe er etliche Male geübt. Schließlich soll es wie ein mühseliges Manöver aussehen, wenn ein Greis nur mit Morgenmantel und Pantoffeln bekleidet aus einem Fenster des Altenheims, in dem er sich zu Tode langweilt, klettert und mit einem Sprung im Blumenbeet landet.

Nach seiner Fenster-Flucht stolpert Gustafsson als Hundertjähriger in Forrest-Gump-Manier mit neuen Freunden, zu denen auch ein Elefant gehört, mit argloser Naivität von einer Absurdität in die nächste. Gejagt wird er dabei von Dealern und der Polizei. Parallel dazu erinnert er sich in Rückblenden an viele wichtige historische Ereignisse des 20. Jahrhunderts, bei denen er seine Finger folgenreich mit im Spiel hat. Er trifft sich mit dem damaligen amerikanischen Vizepräsidenten Harry Truman zu einem bedeutsamen Mittagessen, wird vom spanischen Diktator Franco per Anhalter mitgenommen, schwingt mit dem sowjetischen Führer Stalin das Tanzbein, stiftet als Doppelagent bei Michail Gorbatschow und Ronald Reagan Verwirrung und ist Physiker Robert Oppenheimer unverhofft beim Bau der Atombombe behilflich.

Anfänglich erschien es Gustafsson unmöglich, die Geschichte zu verfilmen. Denn Autor Jonas Jonasson hat es mit seinem Debütroman Filmemachern nicht leicht gemacht. Neben dem Alterungsprozess von acht Jahrzehnten im Schnelldurchlauf und den vielen historischen Persönlichkeiten spielt sein Debütroman an sehr unterschiedlichen Schauplätzen – unter anderem in der schwedischen Kleinstadt Malmköping, in Moskau, Paris, im sowjetischen Gulag und auf Bali. Sechs Millionen Euro hat die Produktion verschlungen und ist damit einer der teuersten Filme Schwedens.

„Wir haben auch jede Menge Brücken in die Luft gesprengt“, erzählt Gustafsson. Denn der Hundertjährige ist süchtig nach Dynamit und nimmt als kleiner Junge bis hin zum Greis jede Chance wahr, Bomben zu basteln und hochgehen zu lassen. Es mangelt also nicht an Leichen. Ein Krimi ist es trotzdem nicht, sondern eine rabenschwarze Komödie mit viel Situationskomik. Der Film ist berührend, lustig und zugleich melancholisch.

Das liegt vor allem auch an Robert Gustafsson, Schwedens bekanntestem Comedian. Er ist ein schwedischer Hape Kerkeling mit fundierter Schauspielausbildung, seit 30 Jahren im Geschäft und für seinen hintergründigen Humor bekannt. Diesen verlor er auch nicht, als er als Hundertjähriger auf seinem Weggefährten, dem Elefanten, reiten sollte. Dieser Ritt stand nicht im Drehbuch, die Idee entstand erst vor Ort. „Es war nicht einfach, dabei lustvoll auszusehen, der Elefant hatte nämlich seinen eigenen Kopf.“ Er verschwand samt Hauptdarsteller aus dem Sichtfeld der Kamera in den Dschungel. „Mehrere hundert Kilo lassen sich nicht leicht steuern“, erinnert sich Gustafsson an den turbulenten Drehtag.

Autor Jonasson war schockiert, als er den Film zum ersten Mal sah. Er habe sein Buch nicht wiedererkannt. Erst nach dem dritten Mal fand er die Verfilmung gelungen. „Es ist schwierig, sich von seinem ersten Baby zu verabschieden und selbstständig werden zu lassen.“ Gustafsson hat sich das Motto des Hundertjährigen zu Eigen gemacht. „Das Leben ist wie es ist, und es kommt wie es kommt.“ Der Film ist in 47 Länder verkauft worden. Bei der diesjährigen Berlinale ist er in der Reihe „Specials“ vertreten. Kinostart ist am 20. März. Suzanne Forrström

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