Serien in der Endlosschleife : Weiter gedreht wird immer

Noch einmal "The Walking Dead", noch einmal „24“, jetzt als Spin-off. Manchmal machen Serien-Ableger Sinn, manchmal ist es aber auch gut, wenn nach der fünften Staffel Schluss ist..

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Atemlos. Eric Carter (Corey Hawkins) hat mit seinem Team den Terrorpaten Bin-Kahlid ausgeschaltet. Die Männer der Elite-Truppe wiegen sich in Sicherheit.
Atemlos. Eric Carter (Corey Hawkins) hat mit seinem Team den Terrorpaten Bin-Kahlid ausgeschaltet. Die Männer der Elite-Truppe...Screenshot: Tsp

Die Uhr tickt wieder. Wieder der Kampf gegen Terror, wieder ein US-Agent, der fast alles kann, wieder islamistische Terroristen, die Anschläge planen, und wieder Agenten, die dies verhindern wollen. Moment mal, das kennen wir doch, das ist die Serie „24“. Nein, es handelt sich um „24 Legacy“, ein sogenannter Spin-off, der am Montag bei Sky gestartet ist.

Jack Bauer alias Kiefer Sutherland, der bekannte Held aus „24“, heißt nun Eric Carter und wird gespielt von Corey Hawkins. Nach einer Mission, bei der der Soldat mit seinem Team den Terrorpaten Bin-Kahlid ausgeschaltet hat, kehrt er in die USA zurück. Die Männer der Elite-Truppe erhalten neue Namen und können so in vermeintlicher Sicherheit als normale Bürger leben. Dann schlagen Bin-Kahlids Anhänger zurück, sie haben alle Mitglieder der US-Einheit ausfindig gemacht und wollen brutal Rache nehmen, auch an Hawkins’ Frau. Die Uhr tickt tatsächlich wieder.

Schon wieder, werden „24“-Fans sagen, die Kiefer Sutherland vermisst haben. Endlich, sagen diejenigen, denen eine Fortsetzung der Actionserie um jeden Preis am Herzen liegt, wobei die Voraussetzungen für solide Mainstream-Unterhaltung à la „24“ mit dem Spin-off durchaus gegeben sind: wenig Dialoge, viel Tempo und Ballerei, ständige Lebensgefahr, kaum Zeit zum Verschnaufen.

Ein Spin-off ist schon eine Art und Weise, eine erfolgreiche Serie nicht enden zu lassen. Man kann weiter und weiter drehen, bis an den Rand der Nachvollziehbarkeit. Zeitgleich zu „24 Legacy“ startete am Montag bei Sky „The Walking Dead“, Staffel sieben, Teil zwei. Die Zombie-Saga, Start 2010, basierend auf den Comics von Robert Kirkman, ist eine der erfolgreichsten TV-Serien aller Zeiten. Langsam geht es jedoch an die 100. TV-Folge, und das merkt man.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

Selbst hartgesottene Fans fragen sich in Foren, wie weit man der Gruppe um Anführer Rick und ihren Kampf ums Überleben gegen die Untoten in einer dezivilisierten Welt noch folgen soll. Offenbar hat auch diese Serie ein natürliches Haltbarkeitsdatum, offenbar gehen Autoren die Ideen aus. Die spannende Frage, woher die Zombie-Seuche eigentlich kommt, scheint sowieso nie beantwortet zu werden. Immer hanebüchenere Wendungen, immer mehr verlorene 45 Minuten. Trotzdem bleiben die Zuschauer dran. Man ist schließlich auch als Seriengucker ein Gewohnheitstier.

Im Bemühen, einen neuen Widersacher aus dem Hut zu ziehen, ist den Machern mit der brutalen Figur Negan in Staffel sechs sogar ein Coup gelungen, ein starker Charakter. Am Montag zum Re-Start ist es für Sky mit 360 000 Zuschauern auch noch mal recht gut gelaufen. Ende 2016 stellte die Serie mit 450 000 Zuschauern einen neuen Rekord auf. Nie zuvor erreichte eine einzelne Folge einer Serie im deutschen Bezahlfernsehen mehr Zuschauer. In den USA allerdings befanden sich die Quoten der siebten Staffel im freien Fall. Trotzdem wurde eine achte Staffel bestellt.

Horizontal erzählte Geschichten sind irgendwann ausgereizt, anders als TV-Shows wie „DSDS“ oder „Germany’s Next Topmodel“, die von wechselnden, immer neuen Akteuren leben. Für Fernsehserien sollte gelten: Macht Schluss, wenn es am schönsten ist. Etwaige Tiefen der Protagonisten scheinen nach fünf, sechs Staffeln ausgelotet.

Bei aller Liebe zu „Game of Thrones“ – muss da jetzt noch eine siebte und gar achte Staffel drangehangen werden? Sicher, die Geschichte um die Drachenkönigin sollte zuende erzählt werden, mittendrin war aber auch viel Leerlauf.

„Breaking Bad“ beispielsweise, die Erfolgsserie um den bürgerlichen Drogendealer Walter White, hat keine einzige Folge mehr, als das Ende der fünften Staffel verträgt. Mehr als 16 Emmys und zwei Golden Globes lassen sich nicht gewinnen. Die Wandlung eines an Lungenkrebs erkrankten biederen Chemielehrers zum rücksichtslosen Kriminellen – es war nach 62 Episoden auserzählt, Held tot. Punkt.

Ähnlich übrigens auch wie bei einer der besten horizontal erzählten Serien aller Zeiten: „Six Feet Under – Gestorben wird immer“. Als Serien-Schöpfer Alan Ball Mitte der 2000er merkte, dass den herrlich skurrilen Geschichten um die Familie des Bestattungsinstitutes Fisher & Sons nichts mehr hinzuzufügen war, ließ er alle Protagonisten in einer legendären Schlussfolge nach 63 Episoden der Reihe nach sterben. Fortsetzung sinnlos. Es sein denn, man macht es wie bei „24“. „24 Legacy“ versucht aber erst gar nicht, sich vom Original abzuheben.

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