Serienale in Berlin : Serienfestival 2016: Kino statt Couch

In Berlin startet ein mehrtägiges Serienfestival, die Serienale – sogar mit einer kleinen Weltpremiere. Ein paar Neustarts mehr könnten es allerdings schon sein.

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Publikumslieblinge. Die Zombie-Serie „The Walking Dead“ auf der Serienale.
Publikumslieblinge. Die Zombie-Serie „The Walking Dead“ auf der Serienale.Foto: picture alliance / dpa

Die Tage werden kürzer, der Oktober rückt näher. Viel Zeit für Serien-Neustarts und Comebacks. Mit der Papst-Serie „The Young Pope“ (mit Jude Law), dem Remake von „Westworld – Aufruhr der Roboter“ (mit Anthony Hopkins) und der siebten Staffel von „The Walking Dead“ starten gleich drei hochkarätige Formate in den nächsten Tagen und Wochen auf den diversen Streamingkanälen wie Amazon Prime Video, Netflix oder Sky. Gerade die Zombie-Serie hat eine große Gefolgschaft – und dürfte damit der Serienale 2016 in Berlin, dem ersten Serienfestival dieser Art in der Hauptstadt, schon mal tausende Fans zuführen.

Start der Serienale ist am Donnerstag. Die beiden letzten Folgen der sechsten Staffel von „The Walking Dead“ (die bislang nur im Pay-TV lief) sind zwei der Höhepunkte auf dem Festival. Insgesamt werden bis Sonntag rund 20 Serien, darunter auch Welturaufführungen wie die deutsche Animationsserie „The Finellis“, in vier Kinos über die Stadt verteilt gezeigt. Die Tickets dazu gibt es kostenlos im Internet.

Nun ist das Programm nicht allerneueste Ware. Sky zeigt seine Serien „Gomorrha“, „Aquarius“ und „Fortitude“, RTL 2 ist mit einer Produktion vertreten, Tele 5 mit der Fußball-Sitcom „Dit is Fußball“. Was Exklusivität und Marketing betrifft, behalten sich die großen Sender (HBO, Fox) Neustarts wie eben „The Walking Dead“ oder „The Young Pope“ eher für die kostenpflichtigen Streamingportale vor.

Das weiß auch Ben Niemann, Geschäftsführer der Serienale. Das Festival fülle die Lücke in Deutschland, insbesondere in Berlin, ein Festival mit einem hundertprozentigen Fokus auf Serien zu kreieren. „Dabei soll eine internationale Plattform für Serienschaffende, Schauspieler und die Serienbranche selbst entstehen. Das Publikum bekommt kostenlose Zugänge zu spannenden Serien, ungewöhnlichen Spielorten für ihre Serienhighlights und kann mit gleichgesinnten Serienfans gemeinsam erleben, was auf der Couch zu Hause nicht möglich ist.“

2017 soll ein Serien-Wettbewerb folgen

Hat der Boom der Fernsehserie den TV-Junkie noch mehr zum Einzelgänger gemacht (oder zum Paarwesen, das sich abends auf der Couch seiner selbst, sprich seines gemeinsamen Serien-Geschmacks vergewissert), soll diesen das Festival wieder nach draußen treiben, an die Abspielorte, die Kinos. Es wird spannend sein, zu sehen, ob das aufgeht.

Die Nachfrage sei enorm, sagt Niemann. Die Serienale-Panels mit den Themen Synchron, Musik & Serien und Productplacement mussten erweitert werden. Es sei toll zu sehen, wie die Serienale schon im ersten Jahr auch als Informationsplattform und zum Austausch innerhalb der Branche genutzt wird. Was die Qualität des Programms, der Serien betrifft: Man wolle 2017 natürlich schon die eine oder andere Premiere von hochwertigen neuen Serien in die Hauptstadt lotsen.

Das Festival fällt in eine Zeit, in der episch-horizontal auserzählte TV-Serien wie „Mad Men“, „Games of Thrones“ oder „Breaking Bad“ längst für kulturtauglich gehalten werden. Die Berlinale räumt für Serien-Previews Plätze frei. In München an der HFF läuft ab dem 20. Oktober ein "Seriencamp", gesponsort von Sky. Es gibt vergleichbare Festivals in Frankreich und England. Andererseits ist es marketingtechnisch oft noch so, dass das Thema Fernsehserie scheel angeschaut wird, wenn es darum geht, öffentliche Förderungen für so ein Festival zu erhalten.

Bei der Serienale 2016 sind viele Partner mit an Bord, das Medienboard Berlin-Brandenburg ist darunter nicht zu finden. So muss der erste Festival-Anlauf erst mal übersprungen werden, mit privater Unterstützung. Für 2017 ist ein Wettbewerb geplant, so Niemann, mit Fokus auf Nachwuchsförderung und Gestaltung von Writers Rooms in Deutschland. Vielleicht reichen dann vier Kinos gar nicht mehr aus.

Das Programm im Internet: www.serienale.de

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