Sex : Schema F

Sex – darüber schreiben alle Frauenmagazine. In jeder Ausgabe. Macht rund 1200 Artikel im Jahr. Unsere Autorin hat sich durchgewühlt. Ein Report aus dem Reich der Begattungskäfer und Klitorisversetzung.

Sex, Sex, Sex - das allgegenwärtige Thema in Frauenzeitschriften.
Sex, Sex, Sex - das allgegenwärtige Thema in Frauenzeitschriften.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Ich war im vergangenen Jahr häufig krank. Offensichtlich hatte ich zu wenig Sex. Ich meine: guten Sex! Denn der, so schrieb die „Petra“ schon Anfang 2012, senkt das Krebs- und Depressionsrisiko, hilft gegen zu hohen Blutdruck, stärkt das Immunsystem, bringt tiefen Schlaf. Der Weg zu gutem Sex ist natürlich nicht leicht. Besonders, wie die „Laviva“ schreibt, wenn man lange keinen hatte. Doch wozu gibt es Frauenzeitschriften?
Rund 50 erscheinen alle 14 Tage, und in beinahe jeder finde ich neben Modetrends und den richtigen Cremes gegen Cellulite auch einen Artikel, der mir erklärt, wie es „zum guten Sex“ geht. Ich habe also etwa 1200 Artikel, mit denen ich gesünder und glücklicher werden kann. Ein Jahr lang habe ich gesammelt. Jetzt schaue ich, was ich hätte tun müssen.

Januar 2012. Jeden Tag, sagt mir die „Petra“, soll ich eine fünfminütige „Sexpause“ einlegen. Dabei soll ich mir ausmalen, wie es wäre, mit den Männern an den Nebentischen der Kantine zu schlafen, um diese „sexuelle Energie“ am Abend daheim zu „entladen“. Meine erogene Zone, lerne ich, liegt zwischen meinen Ohren, mein Gehirn ist ein „sexy Ding“. Ich denke eigentlich viel nach.

Selbst leidenschaftlich sein, selbst aktiv werden, rät mir die „Brigitte Balance“ im Januar. Ich soll mich zum Sex verabreden, damit er stattfindet und nicht im Alltagstrubel vergessen wird.

Ich muss mir einen Terminkalender kaufen. Doch vorher mache ich in der „Shape“ noch den Test, welcher Liebestyp ich bin. Das muss ich wissen, damit ich meine Stärken und Schwächen kenne. Das Ergebnis: „die Experimentierfreudige.“ Hat unter anderem damit zu tun, dass ich im nicht sexuellen Leben auf dem Bauch schlafe. Wenn mein Partner ein anderer Liebestyp ist, wenn er zum Beispiel auf dem Rücken schläft, sollten wir reden.
Bislang sind das Aufgaben, die ich erfüllen kann. Sprechen, planen, nachdenken – das haben mir meine Eltern beigebracht.

Dann aber kommt der Frühling. Die Zeitschriften wollen, dass ich loslege. Am besten „Hier! Jetzt und sofort!“, die „Cosmopolitan“ entdeckt den Quickie neu. Der wirkt gegen alles: gegen Wut nach dem Streit, Sprachlosigkeit beim Kennenlernen, die Angst des Mannes, die Frau nicht zu befriedigen. Ich male mir aus, wie ich morgens vor dem Kleiderschrank stehe und nach Klamotten suche, die mir schnell jemand vom Leib reißen kann. Übrigens gern ein Mann, mit dem ich nicht zusammen bin. Untreue, lese ich überall, sei gar nicht so schlimm. Richard David Precht weiß in der „Für Sie“, dass Monogamie unnatürlich ist.

Sollte ich das mit dem schnellen Sex aber gar nicht hinbekommen, kann ich ähnlich positive Wirkungen laut „Brigitte“ auch dadurch erzielen, wenn ich mich regelmäßig massieren lasse, Tango tanze und Männer zum Reden treffe.

Fasten hätte ich 2012 auf keinen Fall gedurft. Diät ist ein absoluter Lustkiller, sagt mir die „Brigitte“ im April. Die Muskeln ermüden, Hungern erzeugt Stress, Stress ist schlecht für den Orgasmus. Wer guten Sex haben will, muss essen.

Überhaupt geht es ziemlich viel ums Essen. Wie man damit umgeht, wenn der eine mehr Lust als der andere, fragt sich die „Brigitte Balance“ im April. Das sei, erklärt eine Psychologin, nicht anders, als wenn der eine mehr und häufiger essen wolle als der andere. Ich bin eine wirklich gute Esserin, ich bin zuversichtlich.

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