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Sexismus-Talk bei Jauch : „Es geht um Verteilungskämpfe“

29.01.2013 07:20 Uhrvon
Die Kommunikationswissenschaftlerin Anne Wizorek war am Sonntag zu Gast bei "Günter Jauch". Sie hatte mit dem Twitter-Hashtag #Aufschrei, die Debatte gestartet.Bild vergrößern
Die Kommunikationswissenschaftlerin Anne Wizorek war am Sonntag zu Gast bei "Günter Jauch". Sie hatte mit dem Twitter-Hashtag #Aufschrei, die Debatte gestartet. - Foto: dpa

Günther Jauch und seine Gäste befinden zur Sexismus-Debatte: Der „Herrenwitz“ ist weniger harmlos, als es scheint. Für alle, die nun unsicher sind, welche Witze sie noch machen dürfen, gibt es aber auch eine Hilfestellung.

Angekündigt war ein vermeintlich weiches Thema, pikant bis brisant vielleicht. Alles andere als Kriegseinsätze, Energiepreise, Arbeitslose. Die  Ausgangsfrage der Talkshow von Günther Jauch am Sonntagabend (ARD) lautete: „Ein Herrenwitz mit Folgen – hat Deutschland ein Sexismus-Problem?“ Verschoben hatte die Redaktion dafür die Sendung „In Gottes Namen - wie gnadenlos ist der Konzern?“ Journalistisch bewiesen Jauch und Co Gespür – seit Tagen tobt im Internet die Diskussion um die Grenzen zwischen Flirt und Übergriff, Anzüglichkeit und Kompliment in der Kommunikation zwischen Mann und Frau in unserer spätindustriellen Gesellschaft.

Zehntausende bloggen und twittern zum Thema, in vielen privaten Runden tauschen Frauen einschlägige, teils haarsträubende Geschichten aus. Ganz so weich ist das Thema eben doch nicht.

Eingeladen zur Jauch-Runde war der Chefredakteur des „stern“, Thomas Osterkorn, denn sein Blatt hatte „die Lawine“, wie es hier oft hieß, ausgelöst. Eine stern-Reporterin hatte in einem Portrait des FDP-Politikers Brüderle von dessen anzüglichen Avancen zu später Stunde an einer Bar berichtet. „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen“ soll der angeheiterte Politiker gestaunt haben. Osterkorn wehrte sich gegen die Unterstellung, die schlüpfrigen Szenen seien erst dann interessant für das Blatt geworden, als Brüderle zum Spitzenkandidaten seiner Partei erkoren wurde. Es sei an der Zeit, fand der Chefredakteur, dass Männer ihr Alltagsverhalten gegenüber Frauen besser reflektierten. Die Autorin selber hatte nicht bei Jauch erscheinen wollen, merkte dieser an.

Längst ist die Aufregung um Brüderle in den Hintergrund getreten, die Debatte hat sich vom Auslöser gelöst. Beweis dafür ist der Hashtag #Aufschrei auf Twitter der Kommunikationswissenschaftlerin Anne Wizorek, auf der bereits 60.000 Frauen von sexualisierten, paternalistischen oder frauenfeindlichen Belästigungen und Zumutungen am Arbeitsplatz, auf der Straße und an Schulen und Hochschulen Zeugnis abgelegt haben. Wizorek, die Jüngste im Sessel-Halbrund der Talkshow, war von der Explosion an Reaktionen so überrascht wie Osterkorn vom Echo des Artikels. Viele Männer, erklärte sie, „kennen einfach die Realität von Frauen nicht“. Es müsse sich radikal etwas ändern an der sexistischen Gesellschaft.

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