Skandal beim Kinderkanal : 9,966 Millionen Euro Gebührengelder veruntreut

Der MDR hat den größten Betrugsskandal in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aufgearbeitet: Knapp zehn Millionen Euro Schaden, Ermittlungsverfahren gegen 20 Personen

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MDR-Chefin Karola Wille sieht sich als Aufklärerin Foto: MDR
MDR-Chefin Karola Wille sieht sich als AufklärerinFoto: MDR

Es war der bislang größte Finanzskandal in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Beim Kinderkanal in Erfurt wurden über mehrere Jahre hinweg knapp zehn Millionen Euro veruntreut. Der federführende Mitteldeutsche Rundfunk und sein damaliger Intendant Udo Reiter gerieten in die Kritik und in die Krise. Am Montag erklärte der Sender die Affäre für aufgearbeitet. Vier Jahre lang hat dieser Prozess gedauert. MDR-Chefin Karola Wille legte dem Rundfunkrat des Senders in Leipzig einen Abschlussbericht vor.

Den Gesamtschaden bezifferte die Intendantin gemäß einem Bericht der Revisionen von ZDF und MDR vom August 2013 auf insgesamt
9,966 Millionen Euro, heißt es in einer Pressemitteilung. Gegen 20 Personen innerhalb und außerhalb des Senders seien Ermittlungsverfahren geführt worden. Einige Beteiligte wurden inzwischen rechtskräftig
verurteilt. Zur Beruhigung der gleichsam mitbetrogenen Beitragszahler, die sich über das damalige Laissez-faire des MDR nur wundern durfte, wurde auch mitgeteilt: "Bis heute hat der MDR über eine Vielzahl von
vollstreckbaren Titeln einen Schadenersatz in Höhe von 2,3 Millionen Euro zurückholen können. In der Sitzung des Rundfunkrats am Montag äußerte die Intendantin ihre Erwartung, die Schadenersatzsumme noch steigern zu können." Dabei stehe der Sender mit den Ermittlungsbehörden in engem Kontakt.

Unter anderem war auch gegen die ehemaligen Programmgeschäftsführer des Kinderkanals, Frank Beckmann und Steffen Kottkamp, ermittelt worden. Die Ermittlungen gegen Beckmann, der von 2000 bis 2008 Geschäftsführer des KikA war, wurden 2013 gegen Zahlung einer Auflage von 30 000 Euro eingestellt. Beckmann ist heute Programmdirektor des
NDR. Die Ermittlungen gegen seinen Nachfolger Kottkamp, von 2008 bis 2013 Programmgeschäftsführer, wurden 2014 gegen eine Zahlung von 10 000 Euro ebenfalls eingestellt. Der MDR hatte sich im März 2013 mit sofortiger Wirkung von dem Manager getrennt.

Rundfunksratschefin: Nur mit Aufarbeitung gibt es neues Vertrauen

Die Vorsitzende des MDR-Rundfunkrates, Gabriele Schade, nannte die lückenlose Aufarbeitung der Ende 2010 bekannt gewordenen Vorfälle eine notwendige Voraussetzung dafür, "verloren vergangenes Vertrauen
wieder herzustellen". Kriminelle Scheingeschäfte zwischen Mitarbeitern des von MDR und ZDF getragenen Kinderkanals und externen Firmen hätten das Ansehen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks schwer
beschädigt. Intendantin Karola Wille habe bei ihrem Amtsantritt Ende 2011 die Aufklärung der Veruntreuungen und Beseitigung der Schwachstellen in den Kontrollsystemen als erste wichtige Maßnahme ihrer Amtszeit
genannt, sagte die Rundfunkratsvorsitzende. Mit der jetzt abgeschlossenen Aufarbeitung, den arbeits- und strafrechtlichen Konsequenzen und der grundlegenden Neuausrichtung der Organisation und der internen Arbeitsabläufe könne sich der Kinderkanal wieder mit voller Kraft dem Programm widmen. Schade sagte aber auch: "Vorgänge wie damals beim Kinderkanal dürfen sich nicht wiederholen."


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