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Skandal beim Olympia-Fernsehen : Zuschauer beschweren sich über ARD-Reporter Carsten Sostmeier

Proteste und Entschuldigungen: ARD-Reporter Carsten Sostmeier lässt keinen kalt. Beim Geländeritt hatte er sich vergessen

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Wo Pferde sind, ist auch ARD-Reporter Carsten Sostmeier.
Wo Pferde sind, ist auch ARD-Reporter Carsten Sostmeier.Foto: imago

Das Olympia-Fernsehen hat seinen ersten, ganz großen Skandal. Der Skandal lässt sich adressieren: Carsten Sostmeier, ARD-Reporter fürs Reiten. Sostmeier also sagte bei der Übertragung vom Geländeritt/Vielseitigkeit Sätze wie "Jetzt wollen wir mal gucken, was die Blondine zu sagen hat". Oder er nannte Olympia-Neuling Julia Krajweski einen "Angsthasen" und bemerkte einen "braunen Streifen, den die jetzt schon in der Hose hat". Solche Sachen also sprach der ARD-Mann ins Mikrofon, offenbar völlig schmerzfrei, was er dem ARD-Publikum da zumutete. Carsten Sostmeier ist das erste "male chauvinist pig" dieser Fernsehspiele. Die Reaktionen bei Twitter und Facebook waren eindeutig: "widerlich", "verfloskelt/sexistisch/ekelig", "überheblich und arrogant", "ein Arsch". Aber auch das gab es: "Der Kommentator beim Reitsport ist grandios. Danke dafür, so macht es Spaß."

Trotzdem, die allermeisten Reaktionen zum ARD-Kommentator waren negativ. Wie NDR-Sprecher Martin Gartzke dem epd am Mittwoch bestätigte, gingen neben Telefonanrufen empörter Fernsehzuschauer auch viele Mails mit Beschwerden ein.

Reiter-Vereinigung schwer empört

Die deutschen Olympia-Reiter haben ARD-Reporter Carsten Sostmeier mittlerweile scharf kritisiert. Dennis Peiler, Chef de Mission der deutschen Reiter in Rio de Janeiro, wertete die Äußerungen als unsportlich und beleidigend für die Reiterin. „Bei aller Fachkenntnis von Herrn Sostmeier und seiner Nähe zum Reitsport - in seinem Kommentar hat er sich klar vergaloppiert“, sagte Peiler am Dienstag in einer Erklärung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). „Mit einigen seiner Kommentare ist er ganz klar über das Ziel hinausgeschossen. Das war unsportlich“, fügte er hinzu. Krajewski war beim Geländeritt mit ihrem Pferd Samourai nach drei Verweigerungen ausgeschieden. Peiler nahm die junge Reiterin nach ihrem missglückten Auftritt in Schutz: „Dass eine junge Sportlerin auf diesem Terrain auch Fehler machen kann, ist mehr als menschlich. Mit einer fairen und sachlichen Berichterstattung hatte diese verbale Entgleisung nichts zu tun.“ Krajewski selber sagte zu Sostmeiers Kommentar: „Das war nicht besonders nett.“ Sie habe es nicht selber gehört, aber viele Reaktionen erhalten. „Ich frage mich, ob Herr Sostmeier selber eine Tochter hat und was er dazu sagen würde, wenn man so über sie redet.“

ARD-Teamchef bedauert



ARD-Teamchef Gert Gottlob entschuldigte sich. „Die Wortwahl war völlig unangemessen“, sagte er der dpa. „Ich kann mich dafür im Namen der ARD nur entschuldigen“, meinte er. „Ich verspreche, dass das nicht wieder passieren wird.“ Zu möglichen Konsequenzen für Sostmeier wollte Gottlob sich nicht äußern. Der Reporter selber sagte der „Bild“-Zeitung: „Es war nie meine Intention, jemanden beleidigen zu wollen. Sollte ich das getan haben, so tut es mir leid und ich entschuldige mich dafür.“


Reporter und Asi-Sprüche?

Carsten Sostmeier, ARD-interner Spitzname übrigens "Sosti on fire", saß beileibe nicht das erste Mal hinterm Mikrofon. Er redet viel, er fabuliert gerne, seine Sätze gehen über Subjekt-Prädikat-Objekt weit hinaus. Für sein gesprochenes Wort bekam er 2004 den Deutschen Fernsehpreis und 2005 eine Nominierung für den Grimme-Preis. Er redet jeden Wettbewerb zum Event hoch, er bringt wie 2012 ein paraphrasiertes Hitler-Zitat in Stellung: "Seit 2008 wird zurückgeritten." Der Verbal-Hippologe lässt sich sich von seiner sprachlichen Eitelkeit hinreißen, und wenn Vorsicht der bessere Teil beim Reportieren ist, dann ist Sostmeier nicht vorsichtig. Und clever ist er auch nicht, weil er ein Grundgesetz übersieht: Kommentatoren und Reporter dürfen live nicht aussprechen, wovor sich die Zuschauer vor dem Fernseher überhaupt nicht scheuen: Asi-Sprüche und Schlimmeres. Gerade beim Sport, beim Wettkampf tut jeder in kleiner Runde hässliche Wahrheiten kund, mit denen er in der Öffentlichkeit nicht zitiert werden will.

PC ist Pflicht

Lügen also die Sportreporter, wenn sie brav mit dem Sieger jubeln, mit dem Verlierer leiden, und das mit einer Sprache, die mehr als PC ist? Nein. Der Kommentator erinnert uns nur daran, wie wir Sport erleben sollten. Eben als fairen Wettbewerb, wo Mensch und Tier das Beste geben, was sie geben können. Das ist natürlich die sehr rationale Betrachtung eines hochemotionalen Vorgangs. Carsten Sostmeier, handelte und sprach wie ein Zuschauer. Das war sein Fehler: Er hat die Rollen verwechselt. Und wurde zum Kraftmeier.

Athletinnen "Pummelchen" genannt - Chefredakteur muss gehen

Unterdessen wird der nächste Skandal aus Italien bekannt. „Trio der Pummelchen“ hat die Zeitung „Quotidiano Sportivo“ die italienischen Bogenschützinnen genannt, nun muss der Chefredakteur gehen. Die drei Frauen hatten bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro Bronze nur knapp verpasst. Verleger Andrea Riffeser Monti entschuldigte sich am Dienstag im Internet bei den Athletinnen und bei den Lesern. Der Chefredakteur von „QS“, Giuseppe Tassi, sei mit sofortiger Wirkung seines Amtes enthoben worden. Die drei „Dickerchen“ hätten das olympische Wunder verpasst, hatte die Zeitung getitelt, nachdem Guendalina Sartori, Lucilla Boari und Claudia Mandia auf dem vierten Platz gelandet waren.

Es folgten heftige Proteste in sozialen Netzwerken, und auch der Präsident der italienischen Vereinigung der Bogenschützen, Mario Scarzella, meldete sich zu Wort. „Nach den Tränen, die diese Mädchen die ganze Nacht vergossen haben, mussten sie, anstatt von der italienischen Presse Unterstützung für ihr knappes Scheitern zu bekommen, auch noch diese Demütigung ertragen“, schrieb Scarzella. Die Sportlerinnen hatten sich ebenfalls beschwert, „Es reicht jetzt, uns Pummelchen zu nennen. Die Spiele zeigen, dass man nicht durchtrainiert aussehen muss, um zu konkurrieren“, zitiert die Ansa. (mit dpa)

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