Social Bots im US-Wahlkampf : Der Roboter als Wahlkampfhelfer

Social Bots verbreiten täuschend echte Botschaften in sozialen Medien. Die Computer machen im US-Wahlkampf offenbar ordentlich Stimmung.

David Fischer
Keine Wahl ohne Social Media. Jeder vierte Unterstützer-Tweet zu Hillary Clinton ist gefaked, bei Trump ist es jeder dritte.
Keine Wahl ohne Social Media. Jeder vierte Unterstützer-Tweet zu Hillary Clinton ist gefaked, bei Trump ist es jeder dritte.Foto: dpa

Früher erkauften sich Unternehmen Likes und Follower – jetzt werden Fake-Profile im Wahlkampf eingesetzt: Wie US-Forscher kürzlich herausfanden, erhielten Donald Trump und Hillary Clinton auf Facebook und Twitter zuletzt große Unterstützung durch versteckte Programme, die versuchten, in sozialen Netzwerken auf die öffentliche Meinung massiv Einfluss zu nehmen.

Social Bots heißen die Werkzeuge, mit denen man täuschend echte Botschaften massenhaft in sozialen Medien verbreiten kann. Weniger als ein Jahr vor dem Bundestagswahlkampf werden die Meinungsroboter auch in Deutschland zum Thema – im politischen Berlin wie bei den Medientagen, die in dieser Woche in München stattgefunden haben. „Bots werden hauptsächlich benutzt, um Trends zu verstärken“, sagt der Politik- und Computerwissenschaftler Simon Hegelich von der Hochschule für Politik München (HfP). Ziel sei es, Tweets oder Facebookseiten von Kandidaten noch populärer zu machen. Man müsse aber vorsichtig sein, dies als Manipulation zu bezeichnen.

Täuschung der Öffentlichkeit

Eine Täuschung der Öffentlichkeit sei es aber allemal, meint der Kommunikationswissenschaftler André Haller von der Universität Bamberg. Besonders problematisch seien Bot-Armeen, wenn sie durch sehr viele automatisierte Nachrichten zu einem Thema einen falschen Trend vorgeben. „Der Nutzer kann dann den Eindruck erhalten, dass ein bestimmtes Thema von herausragender Bedeutung ist und politisch wichtiger als andere Themen oder Aspekte eines Themas.“

Bots können Emotionen anheizen

Strategisch nützlich seien Bots bei moralisch oder emotional aufgeladenen Ereignissen. Zum Beispiel bei der ersten TV-Debatte im US-Wahlkampf. Einer Studie der Oxford University zufolge hatten Bots hier einen beträchtlichen Teil der Nachrichten zur Unterstützung der Kandidaten auf Twitter abgesetzt. Bei Trump war jeder dritte Unterstützer-Tweet vorgetäuscht, jeder vierte bei Clinton. Hinzu komme, dass ein Drittel der Follower beider Kandidaten keine echten Menschen, sondern Roboter seien, sagt Haller.

Ist das überhaupt erlaubt?

Dürfen diese Statement-Schleudern in sozialen Netzwerken zur Stimmungsmache überhaupt eingesetzt werden? Strafrechtlich gibt es gegen sie kein Mittel, in den Geschäftsbedingungen verstoßen sie nicht gegen das Kleingedruckte. Ihre Verwendung ist vielmehr eine ethische Frage. In Deutschland seien Parteien sehr vorsichtig, nicht den Eindruck der Manipulation zu erwecken, sagt Hegelich. Sowieso sei Social Media als Wahlkampfinstrument in der deutschen Politik noch Lichtjahre von den USA entfernt.

Haller sieht dies in der politischen Tradition begründet. Deutschland zeichnet sich zum einen im Vergleich zu anderen politischen Systemen durch einen eher moderaten Diskursstil aus. Selten sind sich CDU, SPD, Grüne, FDP und Linkspartei deshalb so einig gewesen: Computer-Bots als digitale Wahlhelfer sind tabu. Zumindest gibt kaum jemand öffentlich sein Interesse für die neuen Möglichkeiten zu. Nur eine Partei fällt aus dem Rahmen, die AfD. Nach einem „Spiegel“-Bericht erwägt die Partei, die Roboter in ihr Wahlkampf-Arsenal aufzunehmen. Wenig später geht die Partei auf ihrer Webseite auf Abstand: „Entgegen anderslautenden Berichten plant die AfD keinen Einsatz sogenannter Social Bots im Wahlkampf“, heißt es da. „Wir überlegen selbstverständlich, welche Tools im Social-Media-Bereich für unsere Öffentlichkeitsarbeit sinnvoll sind“, wird Bundesvorstandsmitglied Alice Weidel zitiert. „Jedoch werden wir natürlich keine Social Bots einsetzen, die aufseiten Dritter im Namen der AfD automatisiert posten oder Ähnliches.“ (mit dpa)

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