Social Seelsorge : Die Kirchen entdecken das Web 2.0

Glaubensgemeinschaften in Online-Plattformen, göttlicher Beistand via Facebook, Beerdigungen per Webcam: Im Web 2.0 vernetzen sich Gläubige global. Wie viel Seelsorge kann das Netz leisten?

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Die Facebook-Seite "Jesus Daily" hat über zehn Millionen Fans.
Die Facebook-Seite "Jesus Daily" hat über zehn Millionen Fans.Foto: Screenshot

Auf Facebook hat Jesus über zehn Millionen Fans. „Jesus Daily“ heißt eine seiner Seiten. Betrieben wird sie von Aron Tabor, einem Arzt aus dem amerikanischen North-Carolina, dessen Vater ein Prediger war. Seit 2009 verbreitet Aron Tabor auf Facebook Botschaften, die die aktive Netzgemeinde kommentiert. Neben der englischen gründete er weitere Seiten, auf Spanisch, Deutsch und auf Arabisch, unter anderem für die koptische Gemeinde in Ägypten. Die deutsche Seite „Jesus täglich“ hat knapp 5000 Fans.

Glaubensgemeinschaften in Online-Plattformen, göttlicher Beistand via Facebook, Beerdigungen per Webcam: Im Web 2.0 vernetzen sich Gläubige global. Die Möglichkeiten, sich auf Webseiten, Blogs und in virtuellen Gemeinschaften mit religiösen Inhalten einzubringen, rücken deshalb zunehmend in den Fokus von Kirchen und anderen religiösen Institutionen. Sie unterstützen dort Debatten, um die Bindung zu ihren Mitgliedern zu stärken. Höchstpersönlich twitterte der Papst zum ersten Mal im Juni über sein iPad. Sein Netzauftritt „Pope2You“ richtet sich in fünf Sprachen, darunter auch Deutsch, speziell an junge Katholiken. Verlinkt wird dort auch auf den Youtube-Kanal des Papstes sowie auf eine eigene Facebook- und Smartphone-Anwendung.

Auch im deutschsprachigen Raum wird fleißig an der Zukunft der Kirche im Web 2.0 gearbeitet. Nicht ohne Grund: Die jüngste Kirchenaustrittswelle hat besonders für die katholische Kirche die Frage aufgeworfen, wie sie ihre Mitglieder in Zukunft erreichen kann. Im Netz kann die Kirche bequeme Anlaufstelle für viele Themen sein, die Empfehlungsmechanismen vieler Seiten können dafür sorgen, dass neue Menschen mit ihr in Kontakt treten – auch solche, die bisher nicht gläubig waren. Sie setzt dabei auf dieselben Mechanismen, die auch für Wirtschaftsunternehmen funktionieren. „Nutzer sozialer Netzwerke lassen sich von ihren Freunden beraten und verlassen sich auf die Relevanz der empfohlenen Inhalte mehr als auf die anderer Medien“, sagt Nico Lumma, Blogger und Social-Media-Direktor der Werbeagentur Scholz & Friends in Hamburg. Das kann sich auch auf religiöse Inhalte beziehen, auf die Freunde einander aufmerksam machen.

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