Sommerpause im Fernsehen : „Wir legen uns nicht in die Hängematte“

Während ARD und ZDF in der langen Sommerpause von "Tatort" und Talk auf Sport setzen, will RTL sogar ein neues Format mit Günther Jauch testen.

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Sex geht immer: Das ZDF sendet im Sommer vier neue Folgen der erfolgreichen Doku „Make Love – Liebe machen kann man lernen“.
Sex geht immer: Das ZDF sendet im Sommer vier neue Folgen der erfolgreichen Doku „Make Love – Liebe machen kann man lernen“.Foto: ZDF und Julia Kampe

Es ist berühmt, berüchtigt und gefürchtet. Das Sommerloch. Bei den TV-Sendern gelten die Sommermonate traditionell als eine Zeit der „Etat-Entspannung“. Im Sommer sehen generell weniger Menschen fern, weil sie an den See fahren, beim Grillen und auf dem Balkon sitzen. Oder verreist sind. Schätzungen gehen von 80 Prozent weniger Sehdauer in den Sommermonaten als beispielsweise im Januar aus. Bei Hitze trotzdem brandneue, für teures Geld entwickelte Shows und Filme zu senden, gliche dem sprichwörtlichen Perlen-vor-die-Säue-Werfen. Dann lieber auf Sparflamme köcheln und Altbewährtes aus den Tiefen des Archivs holen.

Doch ganz so einfach ist es heutzutage nicht mehr, sagt RTL-Sprecher Christian Körner. „Unserer Meinung nach kann sich dieses Vorgehen eigentlich niemand mehr leisten. Eine Marke legt sich im Sommer ja nicht schlafen“. Stattdessen nutze RTL den Sommer dazu, neue Formate auszuprobieren und sie dem Zuschauer schmackhaft zu machen. „500 – Die Quiz-Arena“, ein fünfteiliges Ratespektakel moderiert von Günther Jauch, sei diesen Sommer ein Paradebeispiel. Das Format wurde für den US-Sender ABC entwickelt, von den Kölnern adaptiert und für den deutschen Markt ein wenig umgemodelt. „Das ist eine sehr aufwendige, teuer produzierte Sendung“, sagt Körner. Ähnliches treffe auch auf RTLs neue Serie „Ninja Warrior“ zu, die am 9. Juli startet und von der sich der Sender ebenfalls großen Erfolg verspricht. Es stimme also nicht, dass dem Zuschauer im Sommer nur Konserven vorgesetzt würden. „Klar muss man den Zuschauer im Sommer in einer anderen Verfassung abholen als zum Beispiel im Februar. Aber wir legen uns programmtechnisch nicht in die Hängematte.“

Zumindest ARD, ZDF und kurzfristig sogar RTL-Konkurrent Sat 1 sind dieses Jahr ohnehin ziemlich fein raus aus dem Sommerloch-Dilemma. Denn die zwei öffentlich-rechtlichen Anstalten teilen sich die Übertragung der EM-Spiele aus Frankreich sowie die der Olympischen Sommerspiele aus dem brasilianischen Rio de Janeiro. Auch Sat 1 hat etwas vom sportlichen Kuchen abbekommen: Insgesamt sechs EM-Spiele überträgt der Privatsender – Parallelspiele der Gruppenphase, zeitgleich zur Übertragung des zweiten Spiels in ARD oder ZDF. Immerhin. Sport scheint die eine große Ausnahme in Sachen sommerlicher Flaute zu sein: Großereignisse, besonders Fußball, laufen immer gut. Und wer nicht zu Hause schaut, geht zum Public Viewing.

„Während der EM haben wir keine übertriebene Quotenerwartung“, sagt RTL-Sprecher Körner. „Es ist uns schon bewusst, dass wir da vermutlich unterdurchschnittlich abschneiden werden.“ Logisch: RTL kann über die Spiele nur nachrichtlich berichten, die Übertragungsrechte liegen bei der Konkurrenz. In dieser Zeit gibt es auch in Köln keine Premieren. „Da starten wir keine neuen Programme. Das würde schlicht keinen Sinn machen.“ Die Konkurrenz durch Fußball & Co. ist so übermächtig, dass sich RTL-Zuschauer währenddessen mit Aufgüssen von „Die 10...“ und „I love the 90s“ zufriedengeben müssen.

Solider Mix aus alt bewährt und relativ neu

Interessant wird es in der Lücke der beiden Sport-Spektakel: Für die Zeit zwischen Europameisterschaft und Olympischen Spielen hat sich etwa das ZDF für einen soliden Mix aus „altbewährt“ und „relativ neu“ entschieden. Laut aktueller Planung werden dann einige US-Spielfilme aus 2012 und 2013 gesendet. Außerdem läuft die erfolgreiche Sex-Doku „Make Love“ wieder mit vier neu produzierten Folgen im Abendprogramm. Auch „Aktenzeichen XY“ mit Rudi Cerne macht keine Pause, Verbrechen geschehen bekanntlich auch, wenn der Asphalt glüht. Und Ableger ZDFneo traut sich am 14. Juli sogar mit der britischen Krimiserie „No Offence“ an den Start. Insgesamt acht Folgen von ihr sollen laufen.

Wer sich als Zuschauer diesen Sommer trotzdem immer noch über zu viele Wiederholungen ärgert, muss möglicherweise damit leben, dass der vermutete Aufguss gar keiner ist. Zumindest nicht in den Augen der zuständigen Programmplaner. Hatte ein Fernsehfilm bei seiner Erstausstrahlung 20 Prozent Marktanteil, ist er immerhin für 80 Prozent der Zuschauer glatte Neuware – so lautet eine beliebte Argumentation der TV-Macher. Und für andere Wiederholungen gilt das Motto: „Das ist Kult!“

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