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Sophia Thomalla empört über WDR-Löschaktion : "Wer entscheidet denn, was unseriös ist?"

Die Schauspielerin Sophia Thomalla ärgert sich über die WDR-Entscheidung, den Plasberg-Talk zum Gender-Thema aus der Mediathek zu löschen. Thomalla hatte in der Sendung mitdiskutiert.

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Foto: picture-alliance

Ruth Hieronymi, Vorsitzende des WDR-Rundfunkrates, hatte dem Tagesspiegel gesagt: "Der Fall ist damit für den Rundfunkrat abgeschlossen". Der Fall ,das ist die "Hart aber fair"-Ausgabe vom 2. März dieses Jahres. Die Diskussion hatte das Thema "Nieder mit den Ampelmännchen - Deutschland im Gleichheitswahn". Es gab Programmbeschwerden und Proteste, dann beugten sich Sender und Rundfunkrat über den Talk. Der WDR löschte die "HAF"-Ausgabe auf Empfehlung des Rundfunkrates. Hieronymi: "Die Auswahl der Gäste und die Gesprächsleitung waren für die Ernsthaftigkeit des Themas nicht ausreichend." Das empört nun einen Gast der damaligen Sendung, die Schauspielerin Sophia Thomalla. In einem Beitrag für "stern.de" schreibt sie: "Wer sagt denn das? Wir leben in einer Demokratie. Schon vergessen? Hier darf und soll jeder zu diesem Thema seine Meinung äußern! Wer entscheidet denn, wann was unseriös ist?"

Befremdlich und insbesondere alarmierend findet sie, "dass sich eine gewisse Klientel - ach, nennen wir das Kind doch beim Namen: Frauenverbände, die leider immer noch stark durchsetzt sind mit feministischen Extremistinnen - eine starke Lobby aufgebaut hat, die es doch ernsthaft geschafft hat, den Rundfunkrat zu so einer Entscheidung zu bewegen." Thomalla plädiert dafür, das Gremium sollte selbst gedrehte Beitrag dazu nutzen, "hohlköpfige Idioten zu identifizieren, die den Arm zu einem verbotenen Gruß heben - damit so etwas nicht ungestraft bleibt". Statt den Plasberg-Talk aus der Mediathek zu entfernen.

Die höchste Sanktionsstufe hatte Frank Plasberg und seine ARD-Talksendung "Hart aber fair" nicht erreicht. Das wäre eine offizielle Rüge des WDR-Rundfunkrates gewesen. Stattdessen hatte das Aufsichtsgremium empfohlen, den Talk vom 2. März dieses Jahres aus der Mediathek zu löschen. Das hat der öffentlich-rechtliche Sender jetzt getan, die Talkshow ist aus dem ARD-Portal entfernt worden. Um die Sendung hatte es gleich nach der Ausstrahlung Ärger gegeben. Zum Thema "Nieder mit den Ampelmännchen - Deutschland im Gleichheitswahn?" hatten die Bloggerin Anne Wizorek, die Schauspielerin Sophia Thomalla, die Autorin Birgit Kelle, der FDP-Vizenvorsitzende Wolfgang Kubicki und Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag, laut und durchaus unsachlich diskutiert. Kubicki beispielsweise hatte über Hofreiter gesagt: "Sie sehen ja schon gendermäßig aus." Wizorek und Kelle - "Gender gaga" - versicherten sich mehrfach ihrer Abneigung. Moderator Frank Plasberg hatte die Runde schon zu Beginn ordentlich aufgeheizt, als er mokant feststellte, es gebe in Deutschland 190 Professoren für Geschlechterforschung - 180 davon seien weiblich.

Kritik an der Gästeauswahl und an der Gesprächsführung

Eine WDR-Sprecherin sagte dem Tagesspiegel am Samstag, die Sendung sei entgegen der Absicht der Redaktion von Frauenverbänden und Gleichstellungsbeauftragten als unseriös empfunden worden und hätte zu Programmbeschwerden und zahlreichen Protestbriefen geführt. ""Die starke Kritik hatte eine gründliche interne Analyse zur Folge", so die Sprecherin weiter. Zwar habe die Sendung nicht gegen die Programmrichtlinien verstoßen, "aber die Redaktion musste zur Kenntnis nehmen, dass sie offenbar viele Frauen anders empfunden haben, als sie gemeint war." Vor diesem Hintergrund habe der WDR entschieden, diese "Hart aber fair"-Ausgabe nach einem halben Jahr aus der Mediathek zu nehmen.

Hart, aber unfair? Moderator Frank Plasberg steht in der Kritik.
Hart, aber unfair? Moderator Frank Plasberg steht in der Kritik.Foto: WDR

Der WDR-Rundfunkrat wies die Beschwerde mit dem nämlichen Argument ab, es liege kein Verstoß gegen die Programmrichtlinien vor. Folgt man dem Newsletter des WDR-Rundfunkrates, habe der Programmaussschuss des Gremiums aber empfohlen, der harten Kritik wegen "die Folge nicht zu wiederholen und sie aus der Mediathek zu nehmen". Es sei "mit einem gesellschaftlichen Thema in einer unseriösen Weise umgegangen worden - nicht zuletzt durch den Moderator". Ruth Hieronymi, die Vorsitzende des WDR-Rundfunkrates, sagte dem Tagesspiegel: "Die Auswahl der Gäste und die Gesprächsleitung waren für die Ernsthaftigkeit des Themas nicht ausreichend." Mit der Löschung der Sendung ist "der Fall damit für den Rundfunkrat abgeschlossen".

Und Wolfgang Kubikci wäre nicht er selbst, wenn er sogleich die Forderung heraustrompetet hätte: "Die Sendung muss wieder aus dem Giftschrank, rein in die Mediatheken." In welchem Land würden wir leben, wenn feministische Extremisten in der Lage seien, mit einem organisierten Shitstorm die Meinungsfreiheit einschzuschränken? Frank Plasberg wollte sich zum Vorgang nicht äußern. Auf Youtube steht die komplette "Hart aber fair"-Sendung zur Sichtung bereit.

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