Späte Enthüllung : Horst Tappert war in der Waffen-SS

In seiner Rolle als "Derrick" war er einer der beliebtesten Fernsehermittler des Landes. Knapp fünf Jahre nach dessen Tod kommt nun heraus: Horst Tappert war in der Waffen-SS.

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Der Solinger Soziologe Jörg Becker ist auf die bislang unbekannte Vergangenheit von Horst Tappert gestoßen.
Der Solinger Soziologe Jörg Becker ist auf die bislang unbekannte Vergangenheit von Horst Tappert gestoßen.Foto: dpa

Der TV-Krimi „Derrick“ ist der größte Exportschlager des deutschen Fernsehens. Die von 1974 bis 1998 produzierten 281 Folgen wurden in 102 Ländern ausgestrahlt. Als Oberinspektor Stephan Derrick verkörperte Schauspieler Horst Tappert den korrekten Deutschen im maßgeschneiderten Dreiteiler, dafür erhielt er 1988 sogar das Bundesverdienstkreuz. Was bislang nicht bekannt war: Der Derrick-Darsteller gehörte der Waffen-SS an, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Doch anders als Derrick-Erfinder Herbert Reinecker, der nie einen Hehl aus seiner Mitgliedschaft bei der Waffen-SS gemacht hatte, sparte Tappert diesen Teil seiner Biografie offenbar aus.

Seit 1939 sammelt die Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der deutschen Wehrmacht (WASt) Unterlagen über die Truppenzugehörigkeit deutscher Soldaten während des Zweiten Weltkrieges. Im Rahmen seiner Recherchen für das Buch „Elisabeth Noelle-Neumann – Demoskopie zwischen NS-Ideologie und Konservatismus“, das in zwei Wochen in den Handel kommt, war der Solinger Soziologe Jörg Becker auf die bislang unbekannte Vergangenheit von Horst Tappert gestoßen. Seine Nachfrage bei der WASt ergab, dass Tappert zunächst Mitglied einer SS-Flak-Ersatzabteilung in Arolsen gewesen ist – bei der auch Reinecker („Der Kommissar“, „Traumschiff“) tätig war.

Wann Tappert zur SS-Flakeinheit kam, ist nicht bekannt. Vom 22. März 1943 an war er einem Karteiauszug zufolge, der Spiegel Online vorliegt, beim SS-Panzergrenadierregiment 1 „Totenkopf“ als Grenadier gemeldet. Allerdings ist nicht bekannt, unter welchen Umständen er in die Waffen-SS eintrat. In Interviews des 2008 gestorbenen Schauspielers nahm der Zweite Weltkrieg keinen größeren Platz ein. Als Stationen vor 1945 berichtete Tappert über seine Kindheit als Beamtensohn in Wuppertal, die Lehre als Im- und Export-Kaufmann, und kurz über Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft.

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