Spingers Engagement in Israel : „Bild dir dein Volk!“

Das Jüdische Museum in Frankfurt widmet sich in einer Ausstellung dem Engagement des Verlegers Axel Springer für Israel - und zeigt darin auch Widersprüchlichkeiten seines Einsatzes auf.

100 Jahre alt wäre Axel Springer in diesem Jahr geworden. Doch nicht nur Zeitungen waren eines der Lebensthemen des 1985 verstorbenen Verlegers, sondern auch die Aussöhnung mit den Juden und Israel. Dieses Engagement beleuchtet ab dem heutigen Donnerstag eine Ausstellung im Jüdischen Museum in Frankfurt unter dem Titel „Bild dir dein Volk! Axel Springer und die Juden“ – und zeigt dabei Widersprüchlichkeiten in Springers Engagement auf.

Noch heute verpflichte der Verlag, in dem Zeitungen wie „Welt“ und „Bild“ erscheinen, seine Redakteure zum „Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen; hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes“. Gleichzeitig hätten ehemalige Nazis zu Springers engsten Beratern beim Aufbau seines Hauses nach dem Krieg gehört, sagte Raphael Gross, Direktor des Museums und des Fritz- Bauer-Instituts, am Mittwoch.

Die Ausstellung, die bis zum 29. Juli zu sehen ist, dokumentiert mit Originaldokumenten, Zeitungsseiten aus verschiedenen Springer-Blättern sowie Interviews mit Zeitzeugen und prominenten Springer-Akteuren den Einsatz des Verlegers. Offenbleibt, ob die Scheidung von Springers Frau ein mögliches Motiv für sein späteres Engagement war. 1933 hatte er Martha Else Meyer geheiratet, die von den Nürnberger Gesetzen als Halbjüdin eingestuft wurde. Die Ehe wurde 1938 geschieden – offizieller Grund war Springers Untreue. Aber damals sei es unmöglich gewesen, mit einer Ehefrau jüdischer Herkunft Karriere zu machen, sagte Ausstellungskurator Dmitrij Belkin. Springer sei Martha aber bis zu seinem Tod freundschaftlich verbunden gewesen. Für die Ausstellung habe der Springer-Verlag sein Archiv zur Verfügung gestellt und das Museum unterstützt, allerdings nicht finanziell, sagte Gross. Das private Archiv des Verlegers sei den Ausstellungsmachern dagegen verschlossen geblieben. sop/dpa/epd

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