Sport-TV : Das Spielerinterview nach dem Abpfiff hat sich erledigt

Nicht erst seit dem WM-Tor von Mario Götze: Der Verband der Sportjournalisten stellt die bisherige Fußball-Berichterstattung im Fernsehen in Frage.

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Ekstase sieht anders aus. Mario Götze nach dem gewonnen WM-Finale. Screenshot: Tsp
Ekstase sieht anders aus. Mario Götze nach dem gewonnen WM-Finale. Screenshot: Tsp

Eine der interessantesten Geschichten der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien fand nach dem deutschen Titelgewinn statt. Von ARD-Reporter Jürgen Bergener zu seinem entscheidenden Tor in der Verlängerung gegen Finalgegner Argentinien befragt, gab Mario Götze ein Kurzinterview, das von beispielloser Nüchternheit war. Im Grunde nichtssagend. Wenn es nach „Sportschau“-Chef Steffen Simon geht, sollten diese Interviews kurz nach Spielende überdacht werden. Der WDR-Sportchef spreche seine Kollegen regelmäßig auf die Sinnhaftigkeit dieser Spieler-Begegnungen an, sagte Simon bei einem Expertengespräch des Verbandes der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg (VDSBB). Selbst wenn es interessante Fragen gebe – die neue Generation von Spielern wie Götze führe, von Medienberatern geschult, das Interview-Prinzip ad absurdum.

Das sei keine Typenfrage. Da wünsche man sich sogar einen Andreas Neuendorf zurück, den Ex-Hertha-Profi. „Da kriegte man wenigstens mal eine pampige Antwort“, sagte Simon. Auch in der Hinsicht hat die Fußball-WM in Brasilien ein neues Kapitel in der TV-Berichterstattung markiert. Ist diese „Leit-Medium oder Leid-Medium?“, so die Frage des VDSBB an die Experten. ARD und ZDF haben mit aufwendigen WM-Sendestrecken Rekordquoten erzielt. Auf der anderen Seite gibt es die fast rituelle Medienkritik an einfallslosen und stereotypen Kommentatoren. Fehlt den Sendern, die für Übertragungsrechte einer WM oder der Bundesliga viele Millionen Euro zahlen, eine kritische Distanz? Es sei ja noch dahingestellt, ob diese kritische Distanz im politischen Journalismus immer vorhanden ist, merkte Lorenz Caffier an, CDU-Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns. Sportsoziologe Karl-Heinrich Bette verwies in diesem Zusammenhang auf die Nabelschnur TV-Quote, an der die Sportberichterstattung auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hängt. Wie soll denn ein Produkt kritisch verkauft werden, das so teuer erworben wurde? Ein Millionenspiel. Stephan Gollnick vom Pay-TV-Sender Sky machen die vielen Fans Sorgen, die nach einem Sky-Spiel anrufen, wenn Marcel Reif ihren Verein schlechtgeredet hat. „Wer bezahlt, will eine Art Fan-TV.“

Gesucht: Die Balance zwischen Emotion und Relevanz

Eine Balance zu finden zwischen emotionaler Inszenierung und gesellschaftlichen Hintergründen bei der Fußball-TV-Berichterstattung, das bleibt also schwierig, nicht nur bei den Reporterfragen an verschwitzte Spieler. Andreas Neuendorf, ebenfalls Gast beim VDSBB-Jour-Fixe, hat kein Problem mit den Fußball-Kommentatoren. Er stellt bei Übertragungen öfters einfach mal den Ton aus. Markus Ehrenberg

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