Spot und Spott : Dürfen Irokesen werben?

Blogger kritisieren Sascha "Lobofone". Die heftigen Reaktionen auf sein Vodafone-Engagement haben Sascha Lobo nicht überrascht.

Kurt Sagatz
Lobo
Sascha Lobo -Foto: dpa

Wenn Aufmerksamkeit die wichtigste Währung des Internets ist, dann macht der Chef von Vodafone Deutschland, Friedrich Joussen, bei der von ihm so genannten „Generation upload“ alles richtig. Seit das Telekommunikationsunternehmen vor einigen Tagen die neue Werbekampagne „Es ist Deine Zeit“ vorgestellt hat, kennt die deutschsprachige Blogosphäre kaum noch andere Themen. Dafür verantwortlich: Sascha Lobo, Mitglied im Online-Beirat der SPD und Deutschlands vermutlich bekanntester Blogger, der mit seiner roten Irokesenfrisur nun im TV-Clip und auf Plakatflächen mal telefoniert und mal mit freudigem Schmunzeln das Handy-Touchscreen bearbeitet. Schließlich eröffneten Handys und Notebook jedem die Chance, „seine Töne, Texte und Bilder zu verbreiten“, wie Joussen bei der Vorstellung der Kampagne sagte.

Viele Internetnutzer können Sascha Lobos Vodafone-Engagement erheblich weniger abgewinnen: „Fehlt nur noch ein T-Shirt mit der Piratenflagge“, macht sich ein Blogger-Kollege über „Lobofone“ lustig. Zum Thema lassen sich über die Google-Blogsuche einige tausend Kommentare finden, nicht nur zu Lobo, sondern auch zu anderen Webgrößen wie Robert Basic, der ebenfalls für Vodafone die Werbetrommel rührt. Die Frage, die hinter vielen Äußerungen steht, lautet: Darf sich die Internet-Avantgarde, die sonst freie Downloads für freie Internetbürger fordert, von einer Werbekampagne mit einem Volumen im hohen zweistelligen Millionenbereich vereinnahmen lassen?

Die heftigen Reaktionen haben Sascha Lobo nicht überrascht. „Ob ich mich zur Piratenpartei äußere, ob ich eine Blogvermarktungsfirma mitgründe, ob ich ein Buch schreibe oder irgendwo im klassischen Fernsehprogramm auftauche – es gibt immer starke Reaktionen in alle Richtungen“, sagte Lobo dem Tagesspiegel.

Für Bloggerkollegen Mario Sixtus, der im Netz eine Dauerkontroverse mit Lobo unterhält, ist der Werbeauftritt nichts Verwerfliches. „Warum nicht?“, fragt Sixtus. „Sascha Lobo kommt aus der Werbung, nun hält er sein Gesicht in einen Werbespot, die Kritik daran hat viel mit Missgunst zu tun“, sagte Sixtus. Dem pflichtet Lobo gerne bei: „Ich bin schon immer Werber gewesen, einen Biografie-Bruch kann ich nicht erkennen.“

Im Hintergrund des Spots läuft übrigens der David-Bowie-Song „Heroes“, auch bekannt als „Helden für einen Tag“. Die Aufmerksamkeit für Lobos Auftritt dauert indes schon länger. Kurt Sagatz

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