Medien : Stasi: ARD und Birthler-Behörde greifen ZDF an

Robert Ide

In der Debatte um Stasi-Verstrickungen im Fernsehen gerät das ZDF immer stärker in die Kritik. Anlass ist der Fall des Israel-Korrespondenten des Senders, Dietmar Schumann, von dem eine Karteikarte mit dem Stasi-Decknamen „Basket“ vorliegt. Die Bundesbehörde für Stasi-Akten von Marianne Birthler ordnete die Daten über Schumann am Mittwoch erstmals als Akten eines Inoffiziellen Mitarbeiters (IM) ein. Aus Sicht des ZDF ist dies nicht der Fall.

„Bei Berücksichtung aller zur Verfügung stehenden Daten muss man sagen, dass hier eine IM-Aktenlage vorliegt“, sagte Birthlers Sprecher Christian Booß dem Tagesspiegel. Zu den Daten gehört eine Karteikarte über Schumann, der zu DDR-Zeiten als Redakteur und Korrespondent des DDR-Fernsehens gearbeitet hat. Laut Karteikarte war Schumanns IM-Deckname „Basket“. Zwischen 1982 und 1989 lieferte „Basket“ demnach mehr als 30 Berichte an die Stasi. Die Berichte selbst sind – wie fast alle Akten der Westspionage – vernichtet. ZDF-Sprecher Alexander Stock sagte dazu: „Das alles ist kein Beweis dafür, dass Herr Schumann als IM aktiv tätig gewesen ist.“

Über die Darstellung des Falls Schumann in einer Fernseh-Dokumentation gibt es zudem offenbar Ärger zwischen ARD und ZDF. Aus ARD-Kreisen heißt es, das ZDF habe Einfluss nehmen wollen auf den Film „Operation Fernsehen“, dessen zweiter Teil heute um 23 Uhr in der ARD ausgestrahlt wird. Demnach soll ein ZDF-Justiziar im heutigen Film eine längere Stellungnahme des Senders zu Schumann abgeben. In der ARD- Spitze gab es Bestrebungen, die Stellungnahme zu kürzen oder aus der Doku zu entfernen. Den Film verantwortet der Norddeutsche Rundfunk, dessen Chef Jobst Plog derzeit Vorsitzender der ARD ist.

Zuvor hatten führende Persönlichkeiten der ARD kritisiert, dass sich das ZDF nicht an einer wissenschaftlichen Studie zum Einfluss der Stasi auf die Westmedien beteiligt habe. „Die Mainzer wollten wohl, schlau wie sie sind, kein Risiko eingehen“, hatte WDR-Intendant Fritz Pleitgen im Tagesspiegel beklagt. Das ZDF will nun im Herbst eine Dokumentation zum Thema senden. Eine eigene Studie soll es aber nicht geben.

„Operation Fernsehen – Verrat im Westen“, ARD, 23 Uhr.

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