Steffen Kottkamp : Kika-Chef entlassen – der wehrt sich

Der ehemalige Programmgeschäftsführer des Kinderkanals hat seine fristlose Kündigung erhalten. Doch Kottkamp will sich nicht als Bauernopfer instrumentalisieren lassen.

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Der wegen der Korruptionsaffäre beim öffentlich-rechtlichen Kinderkanal beurlaubte Programmgeschäftsführer Steffen Kottkamp, 44, hat seine fristlose Kündigung erhalten. Das teilte der verantwortliche MDR mit. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Ende 2012 gegen Kottkamp und weitere Beschuldigte. Der MDR habe sich nach Einsicht in die Akten der Staatsanwaltschaft zur Entlassung von Kottkamp entschlossen. Es gehe dabei um monatliche Bargeldflüsse in den Jahren 2009 und 2010.

Steffen Kottkamp, der den Kika seit 2008 leitet, wies eine Beteiligung daran zurück. In einem Brief an die Intendanten von MDR und ZDF schreibt Kottkamp: „Mir – der ich in diese Situation von außen hinzugekommen bin – vorzuwerfen, ich habe auf der Klaviatur der Korruption und Unterschlagung mitgespielt, ist grotesk. (...) Ich lasse mich nicht als Bauernopfer instrumentalisieren.“ Laut MDR stammte das Bargeld aus überhöhten Rechnungen, die eine externe Firma an den Kika gestellt hatte. Ende 2010 war dessen früherer Herstellungsleiter Marco Kirchhof verhaftet worden, der in acht Jahren mehr als acht Millionen Euro veruntreut hat. Er wurde zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Seit Januar ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fragwürdiger Abrechnungen auch gegen den NDR-Programmdirektor Frank Beckmann, von 2000 bis 2008 Kika-Programmchef. NDR-Sprecher Martin Gartzke sagte dem Tagesspiegel zu möglichen Konsequenzen: „Über die Fortsetzung des derzeitigen Vertrages von Herrn Beckmann – er läuft bis 31. Oktober 2013 – ist noch nicht entschieden. Beide Seiten – der NDR und Herr Beckmann – sind sich einig, dass es keinen Zeitdruck gibt. Für Herrn Beckmann gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.“ Die Vorwürfe, die beim Kika zur Trennung von Kottkamp geführt haben, stünden in keinerlei Zusammenhang mit den Fragen, denen die Staatsanwaltschaft mit Bezug auf Beckmann nachgehe.jbh

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