Streit : Die Spätzünder

Am Sonntag bricht die Reichweite des Bundesliga-Fernsehens bedenklich ein. Fans und Sponsoren beklagen, wie ihre Sportart von der ARD versteckt wird.

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N’Abend allerseits. Alexander Bommes präsentiert am Sonntag den 15-minütigen „Sportclub“ im NDR, heute auch mit Ausschnitten der zweiten Partie HSV gegen VfB Stuttgart. So viele Zuschauer bekommen das ab 21 Uhr 45 im Dritten gar nicht mehr mit. Foto: NDR
N’Abend allerseits. Alexander Bommes präsentiert am Sonntag den 15-minütigen „Sportclub“ im NDR, heute auch mit Ausschnitten der...Foto: NDR/Dirk Uhlenbrock

Millionengeschäft Fußball-Bundesliga. Jedes Wochenende mediale Wucht, Hunderttausende in den Stadien. Millionen Fans vor den Fernsehgeräten, die im Free TV sehen wollen, wie es ihrem Verein ergangen ist. Und das möglichst ausführlich und rechtzeitig, am besten in der Samstags-„Sportschau“ ab halb sieben. Auch Burkhard Woelki ist froh, wenn er seinen Verein Schalke 04 dort schon sehen kann und nicht erst am späten Sonntagabend nach einem Sonntagsspiel, versteckt in den Dritten Programmen, parallel zum Talk von Günther Jauch im Ersten. Woelki ist Sprecher von Gazprom Germania, dem Hauptsponsor von Schalke 04. Er sagt: „Wir beobachten mit großer Aufmerksamkeit, wie die Sonntagsspiele gegenüber den Samstagspartien im Fernsehen bei der Reichweite erheblich abweichen.“

Da bahnt sich Ärger an zwischen der Deutschen Fußball Liga (DFL), der Vertretung der Profi-Vereine, den Sponsoren und den Sendern, auch wenn das offiziell niemand bestätigt. Stichwort: Reichweite. Die Zahlen sprechen für sich. Die Samstags-„Sportschau“ ab 18 Uhr 30, mit Berichten von fünf bis sechs Spielen, hat im Schnitt über fünf Millionen Zuschauer. Die erste Zusammenfassung der Spiele vom Sonntagnachmittag läuft drei Stunden nach Abpfiff, frühestens ab 21 Uhr 45 (WDR). Kumulierte Reichweite der insgesamt sechs halb- bis einstündigen Sportsendungen im Dritten: um die drei Millionen Zuschauer. Das sind fast 50 Prozent weniger als am Hauptspieltag. Und das in einer Saison, in der gerade der Sonntag mehrfach mit drei statt zwei Spielen aufgewertet wurde, weil Bundesligisten wie Hannover 96 oder Borussia Mönchengladbach am Donnerstag öfter in der Euro League ranmüssen.

Der Bundesliga-Sonntag ist unter Gebühr verkauft, nicht nur für die Fans. Den RBB-„Sportplatz“ beispielsweise schalteten in den letzten vier Wochen zwischen 50 000 und 130  000 Zuschauer ein. Das sind weniger als bei Sendungen à la „Hits der 70er“ direkt davor. Das liegt sicher nicht nur daran, dass Hertha BSC in der Zweiten Liga spielt. Sondern auch an der Fan-Frage: Bundesliga-TV am Sonntag, war da was?

Die Rechnung ist einfach. Nicht nur das Fernsehen ermöglicht die Bundesliga, 628 Millionen Euro pro Jahr erlöst die DFL durch mediale Verwertungsrechte. Hinzu kommen die Sponsoren. Gazprom, Telekom & Co. zahlen Jahr für Jahr eine Menge Geld für die Vereine, damit die sich Zuschauermagneten wie Raul, van der Vaart oder Ribéry leisten können. Es wird den Unternehmen nicht gleichgültig sein, ob Star-Trikots und Bandenwerbung vor zwei oder vor sechs Millionen Zuschauern am Fernsehbildschirm gezeigt werden. „Sie legen die Finger auf die richtige Wunde“, sagt der Gazprom-Sprecher.

Hört man sich in der Branche um, wird klar: Was die Interessen der Werber und das Interesse der Fußballfans betrifft, ist die Präsentation der Sonntagsspiele ausbaufähig. Die DFL hält sich mit einer Kommentierung zurück. Die ARD sei Vertragspartner, es laufe wie abgesprochen. Und überhaupt: Früher beim Deutschen Sportfernsehen (heute Sport1) sei die Quote der Ligasendungen am Sonntag niedriger gewesen. Ähnlich sieht das die ARD. „Wir sind mit dem Erfolg unserer Bundesliga-Nachverwertung insgesamt nach wie vor zufrieden“, sagt ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Wie die einzelnen Sender die Rechte nutzen, sei ihre alleinige Entscheidung. Nichtsdestotrotz befasse sich die ARD auch intern mit der Frage, wie zukünftig eine stärkere Vereinheitlichung der Nachverwertung in allen ARD-Programmen aussehen könnte.

Nach einer schnellen Lösung der Bundesliga-Sonntags-Lethargie im Free TV hört sich das nicht an. „Insgesamt sollten die Sponsoren mehr in die Diskussion der Medien-Rechtevergabe zwischen DFL und Fernsehsendern einbezogen werden“, klagt Woelki. Die ARD hat sich jüngst die Highlight-Erstverwertungsrechte auch für die Spielzeiten 2013 bis 2017 gesichert. Dem Magazin „Sponsors“ zufolge soll die Bundesliga im Free-TV an Sonntagen dann bereits um 21 Uhr 15 beginnen können. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass Günther Jauch seinen Platz am Sonntag um 21 Uhr 45 für eine einheitliche „Sportschau“ räumt oder gar der „Tatort“ vorher weicht. Da können die „Sportschau“-Rechte die ARD noch so viel Gebührengeld gekostet haben. Der Ball bleibt im Dritten. Immerhin, der Bayerische Rundfunk will seine Sendung „Blickpunkt Sport“ vom Montag auf den Sonntag vorverlegen. Start: 21 Uhr 45.

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