Streit um den Sendetermin : Wie die ARD den 75. Geburtstag von Götz George feiert

Erst „Schimi“, dann Heinrich George: ARD-Programmdirektor Volker Herres im Interview.

Joachim Huber
Volker Herres ist Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens. Foto: ARD
Volker Herres ist Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens. Foto: ARDFoto: ARD/WDR/Herby Sachs

Herr Herres, die ARD feiert den 75. Geburtstag von Götz George mit einem „Double Feature“ am Mittwoch. Erst wird der Schimanski-Film „Schuld und Sühne“ wiederholt, dann läuft das Doku-Drama „George“. Was sind die Motive für diese Programmplanung?

Wir wollen dem großen, deutschen Charakterdarsteller und Publikumsliebling mit diesem besonderen Filmabend zu seinem 75. Geburtstag eine besondere Ehre erweisen. Am 24. Juli um 20 Uhr 15 zeigen wir daher Götz George in seiner Kultfigur ‚Schimanski' und unmittelbar anschließend in dem 115-minütigen Dokudrama ‚George'. Mit solchen Doppelprogrammierungen haben wir beste Erfahrungen gemacht und sind sicher: Das wird ein großer Abend für Götz George. An einem Sommerabend ist der Filmbeginn um 21 Uhr 45 eine ideale Sendezeit.

Götz George ist unzufrieden. Er kritisiert, dass „George“ im Sommerloch ausgestrahlt werde. Viel besser wäre der Termin 9. Oktober, dem Geburtstag seines Vaters Heinrich George. Hat George nur Unrecht?

Ich teile diese Ansicht nicht. Das Dokudrama als „Event“ an den 120. Geburtstag von Heinrich George zu koppeln, verschafft dem Film sicher nicht dieselbe Aufmerksamkeit wie die Programmierung zum 75. Geburtstag von Götz George. Dem heutigen Publikum ist Götz George näher als sein Vater Heinrich George, der ohne Zweifel ein Jahrhundertschauspieler war, aber eben in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Haltung Heinrich Georges gegenüber dem Nationalsozialismus bleibt überdies auch nach dem Dokudrama umstritten, zumindest ambivalent. Von einer Sonderprogrammierung zum 120. Geburtstag Heinrich Georges wollten wir deshalb absehen. Für uns war die Auseinandersetzung von Götz George mit seinem Vater zentral, und deswegen steht er für uns – wie sicherlich auch für das Publikum – im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Götz George behauptet, dieser Oktober-Termin sei ihm versprochen worden. Stimmt das?

Von mir, dem Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen, ist Götz George dieser Termin nicht versprochen worden.

Mal anders betrachtet: Würde Das Erste einem zweiten Schauspieler so viel Ehre zuteil werden lassen wie Götz George an diesem Mittwoch?

Es gibt sicherlich wenige Schauspieler in Deutschland, denen das Erste zum Geburtstag einen ganzen Abend widmet und dabei auch noch eine Nachrichten-Regelsendung wie die „Tagesthemen“ weit nach hinten verschiebt, um einen echten Programmhöhepunkt zu gestalten. Für mich war es immer selbstverständlich, dass Götz George zu diesen Ausnahmeerscheinungen gehört und deshalb auch einen solchen Ehrenplatz verdient.

Schon droht weiterer Ärger. „Spiegel“-Autor Matthias Matussek verlangt, dass sein Auftritt in der Kurt-Krömer-Show für die Ausstrahlung am 10. August im Ersten herausgeschnitten wird. Krömer habe ihn gröblichst beleidigt. Kennen Sie den RBB-Beitrag? Wie wird das Erste reagieren?

Generell gilt bei Satiresendungen die künstlerische Freiheit. Das trifft natürlich auch auf die Kurt-Krömer-Show und den Besuch von Herrn Matussek in der Show zu. Der RBB ist bemüht, die Differenzen mit Herrn Matussek persönlich auszuräumen.

Das Interview führte Joachim Huber

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