Studie über Themenauswahl : Dritte Programme der ARD immer boulevardesker

In den Dritten Programmen der ARD wird Unterhaltung deutlich mehr Platz eingeräumt als Information, zeigt eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung. Die Forscher zweifeln sogar daran, ob WDR und MDR ihrem Programmauftrag ausreichend nachkommen.

Floristikmeisterin Jasmin Center gibt Zuschauern in der WDR-Sendung "daheim + unterwegs" Basteltipps.
Floristikmeisterin Jasmin Center gibt Zuschauern in der WDR-Sendung "daheim + unterwegs" Basteltipps.Foto: WDR

In den Dritten Fernsehprogrammen der ARD nimmt einer Studie zufolge Unterhaltung deutlich deutlich mehr Raum ein als Information. Die Berichterstattung über Boulevard-Themen habe inzwischen ein ähnliches Ausmaß erreicht wie bei den Privatsendern, heißt es in der am Montag veröffentlichten Studie der Otto-Brenner-Stiftung. Für die Erhebung untersuchte ein Team um den Medienforscher Joachim Trebbe die Programmstruktur und die Themenauswahl des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und des Westdeutschen Rundfunks (WDR).

Der MDR komme lediglich auf einen Informationsanteil von 37 Prozent

Der von den Sendern häufig angegebene Anteil von bis zu 70 Prozent Information lasse sich für Erstsendungen im Untersuchungszeitraum nicht nachweisen, heißt es in der Studie mit dem Titel „Information oder Unterhaltung“. „Selbst wenn man Ratgebersendungen berücksichtigt, liegt er beim WDR nur bei rund 50 Prozent, der MDR kommt lediglich auf 37 Prozent“, sagte Trebbe. Lege man einen engeren Informationsbegriff an, sinke der Anteil sogar auf rund 15 Prozent. Sogenannte Human-Touch-Themen hätten mit 14 Prozent (MDR) und zehn Prozent (WDR) einen hohen Stellenwert.

Der MDR sei von vier bisher untersuchten Sendern der mit Abstand unterhaltungsorientierteste, erklärte der Forscher. Der WDR profiliere sich vor allem mit seiner regionalen Berichterstattung, die rund 42 Prozent der untersuchten Sendezeit ausmache (MDR: zehn Prozent). Der Unterschied liege offensichtlich auch darin begründet, dass es sich beim WDR im Gegensatz zum MDR um eine Anstalt mit einer hohen Zahl an Studios in
Ballungsräumen handele. Beide Programme könnten „ihren Sendebetrieb nur durch hohe Wiederholungsraten aufrechterhalten“, heißt es im Vorwort der Studie. Deren Anteil am Gesamtprogramm liege bei rund einem Drittel. Anders als bei der privaten Konkurrenz würden vor allem Nachrichten- und Magazinsendungen sowie Reportagen wiederholt, zum Teil mehrfach innerhalb einer Woche.

Ähnliche Ergebnisse bereits 2013

Die Erhebung knüpfte an eine ähnliche Untersuchung Trebbes und der Brenner-Stiftung an, die sich vor zwei Jahren mit dem Südwestrundfunk (SWR) und dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) befasste. Die Autoren warfen den Dritten bereits damals zu geringe Informationsanteile im täglichen Programm vor, was die Sender zurückwiesen. In der aktuellen Studie heißt es nun, diese erhärte die Zweifel, dass die Dritten ihrem öffentlich-rechtlichen Programmauftrag in vollem Umfang gerecht würden. Die Autoren untersuchten eine Woche lang die Programminhalte von WDR und MDR und verglichen diese unter anderem mit Daten für SWR und NDR.

Der WDR betonte, dass unter Einbeziehung von kurzfristigen Wiederholungen und Übernahmen aus Informationsprogrammen anderer ARD-Sender der Informationsanteil im WDR Fernsehen bei mehr als 75 Prozent liege. Alle Vollprogramme seien aus wirtschaftlichen Gründen auf Wiederholungsstrecken angewiesen, teilte der Sender dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit. Von Zuschauern würden diese vielfach als Service wahrgenommen. Die Studie belege weder den genannten „Trend zu Human-Touch-Themen“ noch eine Lücke zwischen Programmauftrag und -realität.

Auch der MDR verteidigte die Praxis von Wiederholungen. Diese seien sinnvoll für einen sparsamen Umgang mit den Rundfunkbeiträgen, sagte MDR-Sprecherin Susanne Odenthal dem epd. Das MDR Fernsehen habe zudem mit rund 48 Prozent eine außerordentlich hohe Quote an Erstsendeminuten. Tsp/epd

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