Studiopublikum bei "Günther Jauch" : Claqueure haben’s schwer

"Pegida"-Frau Kathrin Oertel war bei "Günther Jauch". Und schon taucht die Frage auf: Kann jeder Gast seine Fans mitbringen?

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Keine Claqueure: Die Studiogäste der Pegida-Diskussion bei Jauchs ARD-Talk.
Keine Claqueure: Die Studiogäste der Pegida-Diskussion bei Jauchs ARD-Talk.Screenshot: TSP

Die „Pegida“-Vertreterin Kathrin Oertel bekam bei ihrem Auftritt in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“ am Sonntag wiederholt Applaus vom Studiopublikum. Bestellt, gestellt, weil die Produktionsfirma I + U entsprechende Reaktionen gecastet hatte, sprich „Pegida“-Sympathisanten in den Berliner Gasometer eingeladen hatte? Derartige Vermutungen wurden nach der Sendung im Internet geäußert.

Simone Bartsch, Sprecherin von I +U, sagte dem Tagesspiegel: „Zuschauer können die Eintrittskarten zu unserer Sendung über das Internet bestellen und tun das in der Regel Wochen im Voraus, ohne das Thema zu kennen. Auch bei der Sendung am Sonntag waren die Tickets zum Zeitpunkt der Themenbekanntgabe bereits ausverkauft.“ Ein Blick auf die Homepage der Sendung zeigt, dass die Talkshow bereits bis zum 8. Februar ausgebucht ist. Wer sich ein Ticket für zwölf Euro gesichert hat, der weiß nicht, welches Thema mit welcher Gästerunde auf ihn zukommt. Die Agentur TV Ticket ist nach Aussage von Bartsch auch zu keinem Zeitpunkt damit beauftragt (gewesen), Studiovolk je nach Thema zu casten.

Was passiert: Das Publikum im Berliner Gasometer, der 273 Zuschauern Platz bietet, durchläuft eine Art „Sicherheitscheck“. Bei der Ticketbestellung müssen Vor- und Zuname, Geburtsname, Geburtsdatum und -ort, Meldeadresse und Telefonnummer angegeben werden. Die Sicherheitsvorkehrungen von dem Start von „Günther Jauch“ würden den üblichen Standards für die Sicherheit von Studiopublikum, Talkgästen und Redaktion bei Live-Sendungen im Fernsehen entsprechen, so Bartsch.

Zuschauer werden nicht nach Fangruppen sortiert und platziert

Nach Einlass in den Gasometer werden die Ticketbesitzer weder nach (Fan-)Gruppen sortiert noch gesetzt. „Redaktionsleitung und Regie nehmen keinen Einfluss auf die Platzierung der Zuschauer“, betonte Bartsch. Die Talkgäste kommen nach den Erfahrungen der Jauch-Redaktion in der Regel in Begleitung von ein bis drei Personen, die meistens auch im Publikum sitzen; sie sind es zumeist, die die Äußerungen „ihres“ Gastes mit lautem Zuspruch begleiten. Auch für die Security sind Plätze reserviert.

Nun wäre es für bestimmte Interessengruppen – Parteien, Peta, Pegida etc. – ein gangbarer Weg, sich für anstehende Ausgaben vorweg Tickets zu besorgen und dann, wenn das aufgerufene Thema zur Fangruppe passt, in der Sendung als Claqueure aufzutreten. Möglich schon, aber wohl keine realistische Option: „Nein“, sagte Simone Bartsch von der Produktionsfirma I + U, „damit haben wir keine Erfahrungen gemacht“.

Nach Lage der Dingen agiert und reagiert das Studiopublikum nicht anders als die Zuschauer vor den Bildschirmen: spontan. Nur dass die Gasometer-Gemeinde offensichtlich mehr klatscht als schreit, zu Hause dagegen mehr geschrien als geklatscht wird. Joachim Huber

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