Super Bowl : Rassismus-Debatte in der Halbzeitpause

Super Bowl, das ist mehr als Sport, das ist auch Halbzeitshow und riesiger Werbeetat. Bereits im Vorfeld wurde die diesjährige Werbung zum Super Bowl kontrovers diskutiert. "Rassistisch" wurde beispielsweise der Werbespot von Coca Cola genannt.

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Der in diesem Jahr führt der Coca Cola Werbespot zum Super Bowl zu kontroversen Diskussionen.
Der in diesem Jahr führt der Coca Cola Werbespot zum Super Bowl zu kontroversen Diskussionen.Screenshot: TSP

Beim Super Bowl steht nicht nur der Sport im Vordergrund. Mit Einschaltquoten von mehr als 100 Millionen und Preisen von vier Millionen US-Dollar für einen 30-sekündigen Werbeplatz ist das Football-Finale auch für die Werbeindustrie ein wichtiger Tag im Kalender.

Im Spot wird das Lied "America the Beautiful" von verschiedensten Menschen auf unterschiedliche Art und Weise gesungen – auch auf anderen Sprachen. Offensichtliches Ziel des Werbespots, neben dem Verkauf von Cola, war es, die Vielfältigkeit der Kultur in Amerika darzustellen. Stattdessen war auch am Sonntagabend die Empörung der Amerikaner bei Twitter groß.

Unter den Schlagworten #Speakenglish (zu dtsch.: "Sprich Englisch!") und #Fuckcoke sammelten sich Kommentare, die Coca Cola für die Abwandlung des amerikanischen Klassikers heftig kritisierten. "America the Beautiful" ist ein patriotisches Volkslied, das in den USA oft bei Sportveranstaltungen zusätzlich zur obligatorischen Nationalhymne gesungen wird. Auch beim Super Bowl im Metlife Stadion von New Jersey erklang das Lied vor Spielbeginn, gesungen von der Rapperin und Schauspielerin Queen Latifah.

#Fuckcoke wird im Rahmen des Super Bowls Trending Topic

Wie der Konzern es wagen könne, den Song in verschiedenen Sprachen zu singen, fragte beispielsweise Nutzer @Stoyer_11. Dies sei sehr respektlos. @SkinnyBW twitterte: "Wir leben in Amerika, wir sprechen Englisch." Auch @tokevinaydc warnte den Getränkehersteller, er solle, wenn er schon auf Patriotismus abziele,  nicht "einen Haufen Ausländer mein Lied singen lassen". Andere User riefen zum Boykott und zum Wechsel zu Pepsi auf, dem Hauptkonkurrenten von Coca Cola. Fast 3000 #Fuckcoke-Tweets sind bereits veröffentlicht worden - im Vergleich zu über 1,3 Millionen Super Bowl Tweets eine verschwindend geringe Anzahl. Trotzdem wurde das Schlagwort im amerikanischen Raum zwischenzeitlich zum Trending Topic und damit einem der meist besprochenen Themen des Abends.

Die Fremdenfeindlichkeit, die aus vielen der Anfangskommentare spricht, wurde noch im Laufe des Abends erwidert. Twitterer @E_BrianDiaz stellte zum Beispiel fest, dass #fuckcoke offenbar zum Trending Topic auf dem Kurznachrichtendienst geworden sei, nur weil manch Amerikaner vergessen hat, "wo wir alle herkommen". Das sei ganz schön erbärmlich. @MKChiWriting kündigte an, sich jetzt eine Cola zu kaufen, nur um "all die Idioten zu ärgern". Die Twitter-Nutzer regulierten sich in der Debatte selbst.

Noch mehr Ärger beim Super Bowl

Neben Coca-Cola war auch der Spot der Müsli-Marke Cheerios Auslöser für Ärger im Netz. Der Grund hier: In dem Werbespot wurde eine ethnisch gemischte Familie dargestellt, ein Schwarzer Vater mit seiner Tochter am Frühstückstisch, im Hintergrund die weiße Mutter. Ein häufig zitierter Tweet des Nutzers @TTwalcavi stellte fest, dass der Super Bowl anscheinend kein Problem mit ethnisch gemischten Ehen habe. Der Post, dessen Stoßrichtung durch das angefügte Hashtag #Fuckcheerios sichtbar wurde, bekam zahlreiche empörte Antworten.

In beiden Fällen zeigt sich also nicht nur, wie dünnhäutig und latent fremdenfeindlich einige Amerikaner bei Themen wie Patriotismus und ethnischer Herkunft sind. Die Masse der kritischen Erwiderungen zeigt aber, dass das Internet nicht nur als Katalysator für Ressentiments, sondern auch als Korrektiv funktioniert. Der Account @TTwalcavi beispielsweise ist mittlerweile deaktiviert worden, zu finden sind nur noch die vielen empörten Antworten.

Bereits im vergangenen Jahr erhitzte ein Spot von Coca Cola die Gemüter. Auf der Videoplattform YouTube war die Werbeanzeige des Getränkeherstellers bereits vor dem Finale zu sehen. Der Werbespot war bereits vorab, unter anderem vom amerikanisch-arabischen Anti-Diskriminierungskomitee, als rassistisch bezeichnet worden. Coca Cola hatte im Vorfeld auf die Proteste reagiert und mitgeteilt, dass das Video Teil einer größeren Kampagne sei, die am Sonntag während des Finales ihren Höhepunkt finden würde.

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