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Sven Regeners Wutrede : "Mir steht es bis hier!"

24.03.2012 00:00 UhrVon Sven Regener
Sven Regener am Mittwoch in Köln bei der Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises.Bild vergrößern
Sven Regener am Mittwoch in Köln bei der Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises. - Foto: dapd

Wenn Künstler wie "Penner in der letzten Reihe" stehen: Der Musiker und Autor Sven Regener lässt seiner Wut über die Gratiskultur im Netz in einem Interview freien Lauf. Wir dokumentieren Auszüge.

"Wir machen keine Verträge mit Plattenfirmen, weil wir doof sind, sondern weil wir sonst unsere Musik nicht machen können. (...) Es wird so getan, als wenn wir Kunst machen würden als exzentrisches Hobby. Das Rumgetrampel darauf, dass wir irgendwie uncool seien, weil wir darauf beharren, dass wir diese Werte geschaffen haben, ist im Grunde genommen nichts anderes, als dass man uns ins Gesicht pinkelt und sagt: euer Kram ist eigentlich nichts wert. Die Gesellschaft, die so mit ihren Künstlern umgeht, ist nichts wert.

Das einzig wahre am Rock ’n’ Roll ist, dass wir jede Mark, die wir bekommen, selber verdienen. (...) Alles andere ist Subventionstheater. Alles andere ist Straßenmusik. Aber ich möchte kein Straßenmusiker sein. Das ist eine Frage des Respekts oder des Anstands. (...) Das Problem ist, dass gerade wenn man Indie-Rocker ist, so wie wir, das Letzte was man gebrauchen kann, ist, uncool dazustehen. Also halten alle schön die Schnauze und schauen zu, wie die Sache den Bach runtergeht. Aber zu glauben, irgendwann käme das Sozialamt um die Ecke und würde die Bezahlung der Künstler übernehmen und dabei würde noch gescheiter Rock ’n’ Roll herauskommen, das kann man knicken.

Und was wir im Augenblick haben, diese Sache mit Youtube, da muss man mal die Fronten klarmachen (...): Wir sehen nicht ein, dass Milliardengeschäfte gemacht werden, auch mit Werbung, und wir kriegen davon nichts ab, wir sind sozusagen die Penner in der letzten Reihe. Das ist eine Unverschämtheit. Das sollte sich jeder, auch junge Menschen, überlegen, ob er sich wirklich zum Lobbyisten eines so milliardenschweren Konzerns wie Google machen möchte. (...) Ein Geschäftsmodell, das darauf beruht, dass die, die den Inhalt liefern, nichts bekommen, das ist kein Geschäftsmodell, das ist Scheiße. Ansonsten können sich ja dann alle ihre Lieder von Kim Schmitz vorsingen lassen. (...) Mir steht’s wirklich bis hier, ich kann’s nicht mehr hören."

Sven Regener ist Autor und Frontmann der Band "Element of Crime". Sein Monolog ist Teil eines Interviews in der Sendung "Zündfunk" in dieser Woche. Hintergrund ist ein Rechtsstreit zwischen der Gema und dem Videoportal Youtube, das zu Google gehört. Es geht um die Bezahlung für Musikvideos, die dort angesehen werden können. Der jahrelange Streit hat an Schärfe gewonnen, seit zwölf Musikstücke nicht mehr auf Youtube zu sehen sind. Am 20. April wird ein Urteil des Landgerichts Hamburg erwartet. Erst kürzlich hatte die Band "Deichkind" ähnlich kräftig vom Stapel gelassen, sich aber auf die andere Seite geschlagen.

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