Talk bei „Hart aber fair" : Von der iPhone-Rassel zur Predator-Drohne 

Machen Smartphones und Internet uns dümmer? Frank Plasberg geht bei "Hart aber fair" dieser Frage nur bedingt nach. Stattdessen entdecken die Talkgäste ganz neue Gefahren des Internets.

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Frank Plasberg hält in seiner Sendung "Hart aber fair" eine iPhone-Rassel für Babys in die Kamera.
Frank Plasberg hält in seiner Sendung "Hart aber fair" eine iPhone-Rassel für Babys in die Kamera.Foto: WDR/Screenshot Tagesspiegel

Wäre das Leben ein bisschen mehr wie bei „Hart aber fair“, stünde es wahrlich schlecht um unsere Welt. „Handy an. Hirn aus - wie doof machen uns Apple und Co?“ hieß  die Sendung, in der Frank Plasberg und seine Gäste am Dienstagabend über Medienkompetenz bei Kindern und die Herausforderung des digitalen Zeitalters hätten diskutieren können. Stattdessen moderierte Plasberg die Truppe gekonnt von der iPhone-Rassel für Babys über Ballerspiel-Fan Prinz Harry hin zum Kauf von Predator-Drohnen durch die Bundeswehr. Und damit an der Lebenswirklichkeit vorbei.

Nun gehört es zum Konzept von „Hart aber fair“ zu polarisieren. Gleich zu Beginn der Sendung hält Plasberg ein Spielzeug in die Kamera. Eine Rassel, die - an ein iPhone angeschlossen - für Kinder ab sechs Monaten geeignet sein soll. Plasberg vermag das Gerät nicht auszuschalten. Ob das nun daran lag, dass er zu viele oder zu wenige Apple-Produkte verwendet, blieb bis zum Ende der Talkrunde offen. Doch der Punkt war gemacht: Kinder werden viel zu früh mit Elektronik überschwemmt, die Kindheit durchdigitalisiert.

Dazu ließe sich viel Erhellendes sagen. Etwa, dass man sich ja nicht alles aufschwatzen lassen müsse, was die Industrie einem hinwirft, wie der Wissenschaftsjournalist Rangar Yogeshwar versuchte anzubringen. Dass ja gerade die Phase anbreche, in der versucht werden müsse, zu definieren, wie und in welcher Form das Internet und die dazugehörigen Endgeräte sinnvoll auch von Kindern und Jugendlichen benutzt werden könnten. Selbst Christopher Lauer, der Berliner Fraktionschef der Piraten, der offenbar eingeladen war, um die Hardcore-Generation der Digital Natives zu verteidigen, versuchte entgegen seiner ihm zugeschriebenen Rolle für eine differenzierte Debatte zu werben. Und für eine verantwortungsvolle Trennung zwischen analogem Leben und den Möglichkeiten des Internets.

Die seltsamsten Smartphone-Gadgets
Früh übt sich: Das Kind von morgen lernt seine ersten Wörter nicht mit Mama und Papa, sondern mit der Smartphone-Rassel, wie sie auch im Tech-Talk von Frank Plasberg vorgestellt wurde.Alle Bilder anzeigen
1 von 9Foto: Promo
05.02.2013 09:59Früh übt sich: Das Kind von morgen lernt seine ersten Wörter nicht mit Mama und Papa, sondern mit der Smartphone-Rassel, wie sie...

Doch die Debatte gehörte auch dank Moderator Frank Plasberg, der nicht nur einmal augenzwinkernd Yogeshwars Einlassungen als Schlaumeierei abtat, den Angstmachern:

„Der Endorphinschub, den man bekommt, wenn man die Sandburg fertig gebaut hat. Das ist das Leben.“, konstatiert der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus. Computerspiele dagegen, das wird schnell klar, fördern die Bereitschaft zum Amoklauf - aber nur, wenn die Kinder durch das viele Daddeln dafür nicht schon viel zu fett geworden sind. Christopher Lauer schließt resigniert die Augen. Doch das Angstszenario ist noch nicht voll ausgemalt: Denn schnell kommt die Diskussion auf Prinz Harry, der seinen Einsatz in Afghanistan kürzlich mit einem Computerspiel verglich. So wird aus dem Spiel Krieg und wohin das führe, sehe man ja an den Plänen der Bundeswehr, Predator-Drohen anzuschaffen, mittels derer Menschen am Computer getötet werden können. Ob die Soldaten dann wohl auch eine iPhone-Rassel in ihrer Wiege hatten?

Nicht, wenn es  nach Paula Bleckmann geht, Medienpädagogin am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen. Sie fordert, Kinder bis zum 15. Lebensjahr von Smartphones und Laptops zu verschonen. Das sei früh genug. Andernfalls entwickle sich keine Medienmündigkeit, sondern eine Abhängigkeit. Eigentlich ein interessanter Punkt. Doch wie sich das im Alltag bewerkstelligen ließe und wie man seine Kinder vor dieser Abhängigkeit schützen kann, verriet die Pädagogin mit Verweis auf „die Privatsphäre meiner Kinder“ nicht. So wird das wohl nur Christopher Lauer erfahren. Denn den, antwortete sie auf Plasbergs Abschlussfrage, würde sie mit auf eine Insel ohne Smartphones und Internet nehmen und ihm einmal erklären wie das so läuft mit der Kindererziehung und den neuen Medien und so. Ein Dialog sieht anders aus. Einen solchen - wenigstens das hat die Sendung wohl eher unfreiwillig bewiesen - braucht es aber mehr denn je.

Die ganze Sendung können Sie in der Mediathek der ARD sehen.

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