Tatort : Das Leben ist doch hart genug

Wenn sie von der Nachtschicht kommen, haben ihre Augen dunkle Ränder: Der neue BR-„Tatort“ zeigt desillusionierende Polizistenarbeit, einen guten alten Bekannten - und die rote Linie, die Recht von Unrecht trennt.

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Foto: Michael Fitz als Carlo
Foto: Michael Fitz als CarloFoto: dpa

Sie riskieren ihr Leben, um unseres zu retten. Sie helfen, wo andere nicht mehr können, und schützen, was unser Leben lebenswert macht: die Polizisten. Oder wie die Band Extrabreit einst sang: „Polizisten haben viele Pflichten, eine Frau und zwei Kinder, wenn sie von der Nachtschicht kommen, haben ihre Augen dunkle Ränder, sie rauchen ,Milde Sorte‘, weil, das Leben ist schon hart genug.“ Wenn es darum geht, zu zeigen, was hinter gängigen Polizeiklischees steckt, haben sich hierzulande neben Extrabreit die Krimis von Dominik Graf ( „Im Angesicht des Verbrechens“, „Das unsichtbare Mädchen“) – sehr verdient gemacht. Zeit, dass sich mal wieder ein „Tatort“ dieses Themas annimmt. „Das ist ein Scheißberuf!“, schreit der für einen Kurzaufenthalt von Thailand nach München zurückgekehrte Carlo Menzinger seine Ex-Kollegen Batic und Leitmayr an und stimmt damit an auf eine rüde, griffige Geschichte zur Verteidigung des Berufsstandes „Polizist“.

Hintergrund ist ein Mordfall an einem jungen Bandenmitglied, bei dem auch Carlos Freund und Mentor Freund Matteo Lechner (grandios: Emilio De Marchi) verdächtig erscheint. Der Leiter der Polizeiwache kämpft auf allzu verbissene Weise gegen zunehmende Gewalt auf den Straßen. Die rote Linie, die Recht von Unrecht trennt, haben er und seine Kollegen von der Wache längst überschritten. Wer ist gut, wer böse? So viel Blues war selten im deutschen Krimi. In einer Polizistentanzszene in der Kneipe läuft Extrabreit im Hintergrund. Carlo (Michael Fitz) wollte sich in München eigentlich nur Papiere zum Heiraten holen und fühlt sich im Laufe dieses Krimis (Buch: Dinah Marte Golch, Regie: Thomas Stiller) zunehmend bestätigt – bloß weg nach Thailand.

Die Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) bleiben , Gott sei Dank, in München. Ein klasse Cop-Krimi; auch wenn die beiden Ermittler in die Jahre gekommen sind, die „Tatort“-Ausgaben des Bayrischen Rundfunks sind derzeit die besten weit und breit.

„Tatort“, ARD, Montag, 20 Uhr 15

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