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"Tatort: Er wird töten" : Mord im Präsidium

Der Abend der langen Messe: Im Bremer „Tatort“ wird der Freund und Kollege von Kommissarin Inga Lürsen erstochen. Die Aufklärung des Falls gerät zum Psychodrama. Wegen eines Hochwasser-"Brennpunkts" startet der "Tatort" erst um 20 Uhr 30.

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Kommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) sucht den Mörder ihres Kollegen Leo Uljanoff.
Kommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) sucht den Mörder ihres Kollegen Leo Uljanoff.Foto: RB

Inga Lürsens Kollege Leo Uljanoff hat nichts vom harten Ermittlertyp an sich. Der rundliche Bauch passt hervorragend zum Bowling-Hobby, auch der von Sabine Postel dargestellten Kommissarin aus Bremen hat er mit dem Kegel-Virus infiziert. Die Jacke mit dem Aufdruck „Alle Neune Mord“ wird sie beinahe den ganzen „Tatort“ mit dem Titel „Er wird töten“ tragen. Getötet wird Uljanoff (Antoine Monot jr.), der nicht nur Lürsens Kollege war, sondern auch ihr Liebhaber. Die Beziehung stand noch ganz am Anfang, vieles war noch unausgesprochen, als Uljanoff ein langes Messer tief in den breiten Rücken gestoßen wird.

„Ich will den Fall, unbedingt. Das muss möglich sein“, fordert Lürsen. Trotz der großen Nähe zum Opfer wird sie an den Ermittlungen beteiligt, wenngleich die Leitung des Falls ein anderer übernimmt. Doch schafft sie es wirklich, sich von den Gefühlen freizumachen, um objektiv zu ermitteln? Diese Frage zieht sich durch den ganzen „Tatort“, und das nicht nur bei ihr. „Er wird töten“, dieser Kriminalfall ist vor allem ein Psychodrama. Zu den handelnden Personen gehören ferner Inga Lürsens alter Kollege Stedefreund (Oliver Mommsen), der von einem Afghanistan-Einsatz zurückgekehrt ist. Er hat bei der dortigen Polizei Aufbauhilfe geleistet und dabei Schreckliches erlebt. Immer wieder sieht er ein blutüberströmtes Gesicht vor sich. Es soll ihn nicht daran hindern, Lürsen bei der Aufklärung des Kollegenmordes im Bremer Polizeipräsidium zu helfen. In dringende psychologische Behandlung scheint indes auch Marie Schemmer (Annika Kuhl) zu gehören. Die Ärztin kam völlig aufgelöst zur Polizei, sitzt nur zitternd auf dem Stuhl und stammelt: „Er wird töten. Er wird mich töten“. Mit er ist ihr Ex-Mann Joseph Vegener (Peter Schneider) gemeint. Vor sieben Jahren ging er ins Gefängnis, weil er ihre gemeinsame Tochter umgebracht haben soll. Wegen guter Führung wurde er vorzeitig entlassen. Seine Bewährungsauflagen schreiben vor, dass er sich regelmäßig bei der Polizei melden muss – was er genau in der Zeit getan hat, als Uljanoff das Messer in den Rücken gestoßen bekam.

Dieser Bremer "Tatort" ist ein klassischer Krimi mit heutzutage ungewöhnlicher Dramaturgie.

Dieser „Tatort“ aus Bremen (Buch: Christian Jeltsch, Regie: Florian Baxmeyer) ist ein klassischer Krimi. Wer lügt? Wer sagt die Wahrheit? Und vor allem: Wer ist der Mörder? Genau um diese Fragen geht es. Ungewöhnlich hingegen ist die Dramaturgie: Die Ermittlungsergebnisse fallen nicht wie oft in TV-Krimis einfach vom Himmel. Bis sich der erste Verdächtige herausstellt, vergeht geraume Zeit. Inga Lürsen folgt keinen Eingebungen, sie und ihre Kollegen arbeiten hoch professionell. Das kann durchaus Pannen einschließen, aber das gilt bekanntlich auch für das wahre Leben.
Ein Ausrufezeichen verdient die Kamera von Marcus Kanter. Er lässt die Hundestaffel in Slow Motion bellen, und wie er den Aufbau des Einsatzraums im Präsidium zelebriert, ist einfach ein Hochgenuss. Kurt Sagatz
„Tatort: Er wird töten“, Sonntag um 20 Uhr 30, ARD

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