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"Tatort"-Rekord mit 14,56 Millionen Zuschauern : Je traditioneller, desto erfolgreicher

Axel Prahl und Jan Josef Liefers haben beim Münster-"Tatort" ihre bisherige Rekordmarke übertroffen. Warum? Weil "Tatort"-Zuschauer Traditionalisten sind.

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Jan Josef Liefers (links) als Prof. Karl-Friedrich Boerne und Axel Prahl als Kommissar Frank Thiel
Jan Josef Liefers (links) als Prof. Karl-Friedrich Boerne und Axel Prahl als Kommissar Frank ThielFoto: dpa

Leute, wollt Ihr ewig "Tatort" sehen? Ja, wollen sie. Nein, wollen sie nicht. Wie das zusammengeht?

Der ARD-„Tatort“ aus Münster hat einen neuen Rekordwert eingefahren: 14,56 Millionen Zuschauer verfolgten am Sonntagabend um 20 Uhr 15 den Krimi „Fangschuss“ mit dem populären Ermittler-Duo Thiel (Axel Prahl) und Boerne (Jan Josef Liefers). Der Marktanteil betrug 39,6 Prozent. Damit verbesserten die beiden ihren bisherigen Bestwert vom September 2015, als 13,69 Millionen Zuschauer (35,5 Prozent) bei der Folge „Schwanensee“ gemessen wurden.

Dieses Mal mussten Thiel und Boerne den Mord an einem Journalisten aufklären - trotz vieler Ablenkungen. Thiel bekam Besuch von einer jungen Frau, die behauptete, seine Tochter zu sein. Prof. Boerne musste ständig für seinen Jagdschein pauken. Der Fall war so lala, die Inszenierung setzte keine neuen Maßstäbe, was Thiel und Boerne plus Ensemble leisteten, ging über Durchschnittlichkeit nicht hinaus. Und wissen Sie was? Das ist egal, so egal, wie die Kölner "Tatort"-Kommissare Schenk und Ballauf am Sonntag zuvor fahndeten. Auch hier, beim Fall "Nachbarn", waren keine Sensationen zu vermelden- wohl aber 11,19 Millionen Zuschauer.

Das große Publikum mag die Konvention

Das große Publikum mag weder die Erweiterung noch die Ableitung noch die Irritation beim "Tatort". Weder Massenmord beim HR-"Tatort" noch Dialekt-Laientheater wie in Ludwigshafen bei "Babbeldasch". Ein Toter zum Anfang, eine Fahndung (gerne auch mit Dick und Doof in Münster), ein Mörder zum Schluss, und schon sind die Millionen Zuschauer zufrieden bis glücklich.

Beim ARD-Krimi ist nicht das Prädikat "Künstlerisch wertvoll" aufgerufen, sondern gutes, altes Repertoire-Fernsehen. Aber einen ganz großen Vorteil hat die Abweichung von der Norm: Sie hilft der Norm zum Rekord. In den Superquoten für Köln und Münster findet sich die enorme Erleichterung darüber, dass der "Tatort" die geschätzten Erwartungen sehr gut erfüllt hat. Münster soll Münster bleiben, bis der Stillstand eintritt, egal, dieser Komödienstadl macht wie das immergleiche Bauerntheater glücklich.

Alles andere als schlimm. Weil umgekehrt nur "Tatort"-Krimis wie jene beiden des WDR es den ARD-Anstalten erlauben, aus der Konvention heraus- und Neuland zu betreten. Die Dankbarkeit des Publikums ist eine, wenn nicht die Voraussetzung für die Rekordquote.

„Fangschuss“ liegt nun auf Platz fünf der „Tatort“-Rangliste seit Beginn der gemeinsamen Quotenerfassung in Ost und West Mitte 1991. „Fangschuss“ liegt nun auf Platz fünf der ewigen „Tatort“-Rangliste seit Beginn der gemeinsamen Quotenerfassung in Ost und West Mitte 1991. Vor dem Krimi liegen nur noch vier Fälle von Schimanski (Götz George) und dem Duo Stoever/Brockmöller (Manfred Krug und Charles Brauer), die zu Beginn der neunziger Jahre alle mehr als 15 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme lockten.

Prognose: Je mehr "Babbeldasch" bei Lena Odenthal, desto mehr Publikum für Schenk und Ballauf, für Thiel und Boerne.

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