Medien : Tatort: „Rosenholz“

Tom Peuckert

So oft schon hat die Stasi den Filmemachern als Quelle dramatischer Stories gedient. Und noch immer gibt es spektakuläre Enthüllungen. Nehmen wir nur die gerade aufgetauchte Rosenholz-Kartei. Die geheimste Kartei, hieß es am Sonntag abend im „Tatort“-Krimi von Pim Richter (Buch) und Peter Ristau (Regie), die je vom ostdeutschen Geheimdienst angelegt wurde. Eine Liste von einstigen Zuarbeitern der Stasi im Westen. Das Material ist so brisant, dass sich sogar die wirkliche Aktenchefin Marianne Birthler zu einer Gastrolle als fiktionale Aktenchefin Marianne Birthler überrreden ließ. Im Film steht sie kurz in der Tür ihres Büros und wimmelt eine allzu neugierige Besucherin ab. Wie sie es im richtigen Leben bestimmt auch schon gemacht hat.

Womit das Problem, was an der Stasi denn nun Fernsehen ist und was echte Geschichte, nicht gerade durchsichtiger wird. Die Berliner „Tatort“-Kommissare Ritter und Stark haben den Mord an einem alten Stasi-Offizier zu klären. Als Täter kommen eine Journalistin und ein Lokalpolitiker in Frage.

Alles hat mit der Rosenholz-Kartei zu tun, alles ist sehr dunkel, verworren, komplex. Einer dieser Whodunit-Krimis, wo man hinterher noch lange grübelt, um sich letzte Zusammenhänge klar zu machen. Die CIA war mit im Spiel, aber in Leipzig gab es vor 30 Jahren einen Verrat unter Freunden. Der Lokalpolitiker hat gespitzelt, aber die Journalistin ihre Eltern durch eine Intrige verloren.

Spannend ist dieser „Tatort“ auch wegen Kommissar Stark alias Boris Aljinovic. Ein kleiner Mann mit großen naiven Augen. Ein Schauspieler, der aus der Vermeidung aller überflüssigen Gesten seine Wirkung bezieht. Kollege Ritter alias Dominic Raacke hat noch ein bisschen viel mit den Running gags zu tun. Er sollte sich einfach aufs Ermitteln konzentrieren. Schließlich zahlen wir unsere Steuergelder nicht für lustige Machoallüren im Dienst. Oder zahlen wir gar keine Steuern für die Fernsehpolizei? Aber wer sonst würde uns die Stasi vom Leibe halten?

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