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Terror in Paris : Presserat: 60 Beschwerden gegen "Bild"-Bericht

Die "Bild" zeigte am Montag ein Bild von den toten Menschen im Pariser Musikclub "Bataclan". Beim Deutschen Presserat sind wegen der Veröffentlichung zahlreiche Beschwerden eingegangen.

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Die "Bild"-Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe am Montag über die Anschläge in Paris und zeigte die Toten im "Bataclan".
Die "Bild"-Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe am Montag über die Anschläge in Paris und zeigte die Toten im "Bataclan".Screenshot: Tsp

Wer das Bild gesehen hat, bekommt es nur schwer wieder aus dem Kopf, es zeigt den Musikclub "Bataclan" nach den Anschlägen am Freitag in Paris: Leichen liegen auf dem Boden, Blutlachen finden sich neben ihnen und auf dem ganzen Boden. Alle großen deutschen Medien haben sich gegen eine so explizite Darstellung entschieden, die "Bild"-Zeitung aber hat das Foto am Montag auf ihrer zweiten Seite gedruckt. Offensichtlich zum Entsetzen vieler Leser.

Wie groß ist das "Informationsinteresse der Öffentlichkeit"?

Bereits 60 Beschwerden sind beim Deutschen Presserat gegen die "Bild" eingereicht worden. Sie richten sich sowohl gegen die Veröffentlichung des Fotos in der gedruckten Ausgabe als auch online. Die "Bild"-Zeitung habe damit gegen Ziffer 1 und gegen Ziffer 11 des Pressekodex verstoßen, lautet der Vorwurf. "Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse, heißt es in Ziffer 1 des Kodex. Ziffer 11 bezieht sich auf Sensationsberichterstattung. Demnach verzichtet die Presse "auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid". Bei der Berichterstattung über Gewalttaten, "wägt die Presse das Informationsinteresse der Öffentlichkeit gegen die Interessen der Opfer und Betroffenen sorgsam ab".

Für die Redaktion der "Bild"-Zeitung überwiegt das Informationsinteresse der Öffentlichkeit. "Wir halten es bei solch dramatischen Ereignissen für unabdingbar, die Opfer und ihre Geschichten abzubilden", sagte ein Sprecher des Springer-Verlags, "nur so wird die Tragik deutlich und fassbar". Bei dem Terror-Angriff handele es sich um ein furchtbares zeitgeschichtliches Ereignis. "Solche Fotos zu veröffentlichen, die die menschliche Dimension einer politischen Entwicklung dokumentieren, ist eine der Kernaufgaben von Journalismus."

In Deutschland veröffentlichte nur die "Bild" das Foto

Nach Angaben der Agentur Mirrorpix, die das Foto verkauft, hat neben der "Bild" keine andere deutsche Zeitung das Foto gedruckt, dafür aber andere Zeitungen in Australien und den USA. Konkrete Angaben dazu machte die Agentur ebenso wenig wie zum Namen des Fotografen, der die Aufnahme im "Bataclan" gemacht hat.

Am Sonntag hatte die französische Polizei auf Twitter dazu aufgerufen, "aus Respekt vor den Opfern und ihren Familien" keine Fotos von den Tatorten zu verbreiten.

Diese Bitte richtete sich jedoch nicht explizit an die Presse, sondern an die Allgemeinheit. In den sozialen Medien waren nach den Anschlägen zahlreiche Aufnahmen von den Anschlägen veröffentlicht worden.

In seiner nächsten Sitzung wird der Deutsche Presserat nun entscheiden, ob die "Bild"-Zeitung mit der Veröffentlichung des Fotos aus dem "Bataclan" den Pressekodex verletzt hat. Oder in diesem Fall das öffentliche Interesse überwiegt.

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