Testament in Lachsrosa : Die letzte Ausgabe der „FTD“

An diesem Freitag ist es soweit: Die "Financial Times Deutschland" erscheint zum letzten Mal. Zum Abschied hat die Redaktion eine besondere Ausgabe produziert - und verkündet ihren letzten Willen.

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Mit Hut und Schaukelpferd. Bei der Produktion der letzten "Financial Times Deutschland" ging es am Donnerstag in Hamburg locker zu.
Mit Hut und Schaukelpferd. Bei der Produktion der letzten "Financial Times Deutschland" ging es am Donnerstag in Hamburg locker...Foto: dpa

Zum Abschied hinterlässt die „Financial Times Deutschland“ (FTD) ein Testament. In ihrem letzten Leitartikel schreibt die Redaktion nieder, was aus ihrer Sicht in den nächsten Jahren politisch angepackt werden muss – ob dieser letzter Wille dann tatsächlich geschieht, darüber wird die „FTD“ nicht mehr berichten können. Sie wird mit dem heutigen Freitag eingestellt, zum Abschluss erscheint eine große Abschiedsausgabe: 44 Seiten über zwölf Jahre „FTD“.

Seit der Hamburger Verlag Gruner + Jahr vor zwei Wochen die Einstellung der Zeitung aus wirtschaftlichen Gründen verkündet hat, wurde an der Ausgabe gearbeitet. Zur finalen Produktion rückten am Donnerstag alle Mitarbeiter im großen Newsroom in Hamburg zusammen, um noch einmal an Texten und Überschriften zu feilen. Netanjahu, NPD und die neuesten Nachrichten aus Ägypten sollten kein Thema sein. Stattdessen ist ein Rückblick mit Anekdoten aus den vergangenen Jahren geplant, zu lesen gibt es beispielsweise ein Protokoll aus der Redaktionskonferenz, ein Stück über einen Interview-Versuch mit Victoria Beckham oder die Erinnerung eines Korrespondenten an seine schräge Reise in den Irak. Dazu schreiben die Redakteure in einem Ausblick, welche Geschichte sie gerne noch recherchiert hätten.

Für die 350 Mitarbeiter der Gruner + Jahr-Wirtschaftsmedien, zu denen neben der „FTD“ auch die Magazine „Börse Online“, „Impulse“ und „Capital“ gehören, gibt es dann am heutigen Freitag in Hamburg ein großes Abschiedsfest. Der Betriebsrat der G + J-Wirtschaftsmedien hat dazu aufgerufen, vor der Party gegen die Entlassungen zu demonstrieren.

Insgesamt müssen 364 Mitarbeiter gehen. Denn neben der Einstellung der „FTD“ sollen die Magazine „Börse Online“ und „Impulse“ verkauft werden, nur „Capital“ will der Verlag weiterführen und künftig in Berlin produzieren. Diese Woche haben die Verhandlungen über den Sozialplan begonnen, 40 Millionen Euro soll der Verlag dafür eingeplant haben.

Neben dem Testament verabschiedet sich die „FTD“ auch mit einem persönlichen Gruß: Auf einem „Wimmelbild“ sollen noch einmal fast alle Mitarbeiter zu sehen sein. Sonja Pohlmann

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