Medien : Teure Rettung: Eine Doku über den Zusammenbruch der Hypo Real Estate

Hendrik FeindtD

Im Herbst 2008 meldete die Investmentbank Lehman Brothers in New York Insolvenz an. Aus der Zeit ist besonders in Erinnerung geblieben, wie an einem Wochenende in Deutschland die Kanzlerin und der Finanzminister vor die Kameras traten, um den deutschen Sparern das Wohl ihrer Einlagen zu garantieren. An einem anderen Wochenende wurde zwischen Frankfurt und Berlin gefeilscht, um die Hypo Real Estate vor dem Ruin zu retten.

Die HRE oder Hypo Real Estate Holding, als einer der größten und umsatzstärksten deutschen Börsenwerte im Dax gelistet, war damals vielen kein Begriff. Sie wurde es erst in den folgenden Wochen und Monaten, als langsam vor Augen trat, dass die HRE nicht nur ein vielfältig verzahntes Monstrum des internationalen Immobilienfinanzwesens war, sondern dass ihre staatliche Rettung den deutschen Steuerzahler etwa 100 Milliarden Euro gekostet hat.

Der Dokumentarfilmer Hubert Seipel unternahm nun eineinhalb Jahre später den Versuch, den Hintergrund dieses Rettungsgeschäftes transparenter zu machen. Seipels These ist eindeutig: Die Politik habe sich von den Banken über den Tisch ziehen lassen. Nun liefert ein 45-minütiger Dokumentarfilm keinen Ersatz für einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Den hatte es im Sommer 2009 egeben. Seipel muss sich manches Mal auf dessen Ergebnisse verlassen, wenngleich er die Ursachen für die Schonung zu benennen meint, die einigen der vor den Ausschuss Geladenen zuteil wurde: Der Ausschussvorsitzende habe demselben parteilichen Landesverband angehört wie der damalige Bundesfinanzminister. Das erkläre, warum nicht stärker nachgefragt wurde, ob Finanzminister Steinbrück rechtzeitig über die gefährliche Finanzarchitektur der Hypo Real Estate informiert gewesen war. Bei der Krisensitzung im September 2008 habe schließlich niemand aus dem Ministerium mit am Tisch gesessen. „Das Kalkül der Banken war“, sagt Jochen Sanio, Leiter der Bankenaufsichtsbehörde BaFin, „der Staat werde es schon richten.“ Hendrik Feindt

„Gier und Größenwahn“,

ARD, 23 Uhr 45

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