Thema Flüchtlingspolitik einmal anders: Welcome United : Abdis Traum

Sicher ist es nicht, dass der Mitspieler in der Rückrunde noch dabei ist. Eine Flüchtlings-Fußballmannschaft aus Potsdam mischt die Liga auf: die Doku „Welcome United“ im RBB.

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Kein Team wie jedes andere: Welcome United
Kein Team wie jedes andere: Welcome UnitedFoto: rbb/Thoralf Höntze

3:2. Das Siegtor. In der letzten Minute. Torschütze Abdi. Ein Flüchtling aus Somalia, der über 5000 Kilometer zurückgelegt hat, um sein Leben zu retten. Abdis Vater wurde von einer Terrormiliz umgebracht, in Potsdam hofft er nun auf ein besseres, auf ein sicheres Leben. Genauso wie seine Mannschaftskollegen von „Welcome United“, Flüchtlinge aus zehn verschiedenen Ländern, die die dritte Männermannschaft vom SV Babelsberg 03 bilden und an diesem Wochenende ihr erstes Punktspiel in der zweiten Kreisklasse, Staffel C, gegen Lok Potsdam gewonnen haben, dank Abdis direkt verwandeltem Freistoß.

Es ist ein einzigartiges Fußballprojekt, das der Rundfunk Berlin-Brandenburg begleitet hat: „Welcome United: Kein Team wie jedes andere“. Die Reportage von Dieter Brennecke verfolgt die Entwicklung der einzigen Flüchtlings-Fußballmannschaft in Deutschland, die am Spielbetrieb des DFB teilnimmt, über Monate. Ein Vorzeigeprojekt, sagt DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Archibald Horlitz, Präsident von Babelsberg 03, erzählt stolz von der antirassistischen Grundhaltung des Vereins. Die Bilder dazu: jubelnde Fans auf der Tribüne, ein Multikultifest im Karl-Liebknecht-Stadion.

Der Potsdamer Verein betreut die Flüchtlingsmannschaft, stellt Trainingsplatz, Kabinen, Trikots zur Verfügung. Auch privat gibt es Unterstützung, Jobs werden mit gesucht. Nicht alles läuft rund, es dauert Wochen, bis die Sache mit den Spielerpässen geklärt ist. Manche Spieler verschwinden von heute auf morgen, weil sie abgeschoben wurden, ihr Asylantrag abgelehnt wurde, erzählt Manja Thieme, die das Team ehrenamtlich betreut und hofft, dass sich auch andere Vereine eines solchen Projektes annehmen. Auch Abdi weiß nicht, ob er in ein paar Monaten noch dabei ist. Es sind Projekte und Filme wie diese, die die Diskussion zum Thema Flüchtlingspolitik braucht.
„Welcome United“, Mittwoch, RBB, 23 Uhr

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