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Tour de France : "Immer ein gutes Gewissen"

16.07.2007 19:01 UhrVon Joachim Huber
LokeBild vergrößern
Nein zu Doping. Das Thema ist bei der Tour allgegenwärtig. Auch in den Sportredaktionen. - Foto: AFP

Doping-Redakteur Ulrich Loke über seine neue Arbeit bei der Tour de France.

Herr Loke, wie war die erste Tour-Woche in der neu gegründeten Doping-Redaktion des WDR? Gab es viel zu tun?

Die Verantwortlichen gehen sehr vorsichtig mit dem Thema Doping um. Wir merken, dass sich alle Beteiligten im Moment auf das Sportliche konzentrieren wollen. Um so wichtiger ist es für meine Kollegen um Florian Bauer und mich, dran zu bleiben und die Zuschauer über Facetten des Themas zu informieren, die noch nicht diskutiert wurden, zum Beispiel Sucht und Dopingprävention.

Was ist konkret Ihre Aufgabe?

Wir versuchen, die Kräfte innerhalb der ARD zu bündeln und so eine dauerhafte und umfassende Berichterstattung über das Thema Doping zu gewährleisten.

Bei aktuellen Dopingfällen sehen wir uns als eine Art Task Force, die zeitnah eine hintergründige Aufarbeitung der Ereignisse liefert. Darüber hinaus beliefern wir die Nachrichtensendungen in der ARD mit Beiträgen zum Thema Doping. Schließlich arbeiten wir an Features, die über die Tagesaktualität hinausgehen.

Die ARD will sich, was Doping im Radsport angeht, vom Saulus zum Paulus wandeln. Ist das nicht das schlechte Gewissen, das sich via Doping-Redaktion in ein gutes verwandeln soll?

Nun ist es ja nicht so, dass Doping in der ARD bis jetzt kein Thema war. Die Lawine der jüngsten Doping-Beichten wurde immerhin in der ARD-Sendung „Beckmann“ losgetreten. Die neue Qualität ist aber, dass wir eine Kontinuität in die Berichterstattung zu diesem Thema bringen und auch, so oft es geht, mit eigenen Rechercheergebnissen aufwarten wollen. Dabei haben wir immer ein gutes Gewissen gehabt.

Wer so eine Redaktion einrichtet, der geht davon aus, dass im Leistungssport massiv gedopt wird. Richtig?

Die Fakten zwingen uns zu der Annahme, das es so ist. Man kann vermuten, dass wir es hier nicht mit Einzelfällen zu tun haben, sondern dass es sich um ein flächendeckendes Phänomen mit zum Teil mafiaähnlichen Strukturen und Verhaltensweisen handelt.

Wie muss man sich Ihre Arbeit vorstellen? Ruft einer an von der „Tagesschau“ und sagt: Macht mal 90 Sekunden zum möglichen Doping bei der Tour de France…?

Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Bei der Pressekonferenz mit den Dopinggeständnissen von Rolf Aldag und Erik Zabel Ende Mai in Bonn waren wir den ganzen Tag über im Einsatz. Bei der Live-Berichterstattung der Pressekonferenz haben wir die Kollegen vom SR unterstützt, wir waren an der aktuellen Berichterstattung von der 14-Uhr-Tagesschau bis zum Nachtmagazin beteiligt. Und wir haben mit ARD aktuell einen Brennpunkt gestemmt. Grundsätzlich ist es so, dass die ARD bei uns anfragt, wenn es Bedarf an bestimmten Beiträgen zum Thema Doping gibt. Darüber hinaus bieten wir selbst unsere Mitarbeit an, dies war beispielsweise bei der Pressekonferenz von Walter Godefroot in Belgien der Fall.

Ist so eine Redaktion nicht unwillkürlich der Feind einer jeden Sportredaktion? Sie suchen Distanz, wo der Sportreporter die unbedingte Nähe zum Heros sucht.

Zunächst sollte auch der Sportreporter nicht die „unbedingte Nähe“ zu einem Sportler suchen, sondern mit der nötigen kritischen Distanz an die Sache herangehen. Bei der großflächigen Live-Berichterstattung von einem Sportereignis ist mitunter eine gewisse Einfühlung in die Sportler notwendig. Als Fachredaktion liefern wir eine hintergründige Aufarbeitung der Themen.

Was macht die Anti-Doping-Truppe während der Tour de France?

Wir unterstützen das Team um Programmchefin Gabi Bohr vor Ort inhaltlich und personell. Ingolf Geske und Hajo Seppelt begleiten die Tour, Florian Bauer ist als Reporter unterwegs. Wir liefern Stücke im Rahmen der Berichterstattung und für Nachrichtensendungen.

Was meinen Sie: Ist das breite Publikum so stark am Thema Doping interessiert, wie es jetzt die Journalisten aller Medien sind?

Ich denke, dass es beim Publikum ein großes Bedürfnis nach Aufklärung gibt, gerade, weil so lange so viel unter den Teppich gekehrt wurde. Davon abgesehen gehört eine Berichterstattung auch über die weniger schönen Seiten des Sports zu unserem journalistischen Auftrag, der weit über eine Live-Berichterstattung von Sportveranstaltungen hinausgeht.

Das Gespräch führte Joachim Huber

Ulrich Loke, gehört zu den fünf Mitarbeitern in der Doping-Fachredaktion des WDR, die bei der diesjährigen Tour de France erstmals eingesetzt wird.

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