Trophäen im Tüv : Nach ADAC-Skandal: Mehr Kontrolle bei Leserpreisen

Nach den Manipulationen beim "Gelben Engel" und dem "Flotten-Award" kämpfen Automobilzeitschriften um den guten Ruf ihrer Auszeichnungen.

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Unter Generalverdacht stellen wollen die Automobilhersteller die Leserpreise nicht. Sie fordern aber eine bessere Überprüfung der Stimmauszählung.
Unter Generalverdacht stellen wollen die Automobilhersteller die Leserpreise nicht. Sie fordern aber eine bessere Überprüfung der...Foto: imago

Rund 40 „Gelbe Engel“ warten auf ihre weitere Verwendung. Autohersteller wie Volkswagen, Daimler und BMW wollen sich mit den Trophäen nicht mehr schmücken. Nachdem die Manipulationen an dem ADAC-Leserpreis bekannt geworden sind, haben sie die Auszeichnungen an den Verband und dessen Magazin „Motorwelt“ zurückgeschickt. Auch die „Flotten-Awards“ wollen sie zurückgeben, den Leserpreis des Magazins „Autoflotte“, bei dem die Stimmauszählung ebenfalls verfälscht worden ist. Seit über diese Unregelmäßigkeiten berichtet wurde, müssen auch andere Zeitschriften den guten Ruf ihrer Auszeichnungen verteidigen.

"Auto Motor Sport" lässt die Postkarten abwiegen

Zu den bekanntesten Preisen gehört die Wahl der „Best Cars“, zu der die „Auto Motor und Sport“ ihre Leser jährlich aufruft. Erstmals wurden 2014 die eingesendeten Postkarten von einem Notar gewogen, um zu überprüfen, ob die rund 115 000 Stimmen tatsächlich abgegeben worden sind. Auch die Serverprotokolle der Online-Abstimmung seien vorgelegt worden, erklärt Stefan Braunschweig, Sprecher des Verlags Motor Presse Stuttgart. Die Redaktion habe auf die Auszählung der Daten keinen Einfluss, sie werde vom Dienstleister DAP Systems übernommen. „Wir erhalten dann als Verlag einen Datensatz, in dem die Ergebnisse feststehen.“ Manipulationen an dem Preis schließt er aus.

Auch der Burda-Verlag, der mit seinem Magazin „Guter Rat“ per Leserabstimmung jährlich die „Autos der Vernunft“ kürt, ändert sein Verfahren. Bisher werden „die postalischen Zuschriften von Redaktionsmitarbeitern per Strichliste ausgezählt, die Online-Stimmen automatisch erfasst“, teilt eine Sprecherin des Magazins mit. Rund 12 500 Leser meldeten sich bei der jüngsten Wahl. Gerade bei der Onlineabstimmung aber sind Mehrfachnennungen unter verschiedenen Namen nur schwer zu verhindern. Zwar schließt der Verlag Manipulationen vonseiten der Redaktion aus, auch Automobilfirmen würden nicht versuchen, Einfluss auf das Ergebnis zu nehmen. Aufgrund der Manipulationen beim ADAC und der „Autoflotte“ will der Verlag aber „für die nächste Wahl einen Notar hinzuziehen“, versichert die Sprecherin.

Automobilkonzerne vertrauen weiterhin auf die Auswahlverfahren

Anfang des Jahres war der ADAC mit seinem Magazin „Motorwelt“ in die Schlagzeilen geraten, weil Chefredakteur Michael Ramstetter die Zahl der abgegebenen Stimmen für den „Gelben Engel“ gefälscht hatte. So waren zwischen 2009 und 2013 deutlich weniger Stimmen als angegeben eingegangen. Auch die Rangfolge der Gewinnerfahrzeuge wurde manipuliert. Im Zuge des Skandals wurden weitere Ungereimtheiten bei dem Automobilclub aufgedeckt, sowohl Ramstetter als auch ADAC-Präsident Peter Meyer mussten gehen.

Vor zwei Wochen wurde nun bekannt, dass auch beim Magazin „Autoflotte“ die Stimmabgabe für den „Flotten-Award“ manipuliert worden ist. Die Auszeichnung ist zwar weniger bekannt als der „Gelbe Engel“, doch bei Fuhrparkmanagern großer Unternehmen relevant. Auch diese Trophäen wollen die Automobilkonzerne nach den Unregelmäßigkeiten zurückgeben. Trotzdem: Unter Generalverdacht stellen wollen sie die Preise der Magazine nicht.

"Werden Wahlen manipuliert, sind die Preise wertlos“

„Sie spiegeln eine Wertschätzung für unsere Kunden wider“, sagt VW-Sprecher Peter Heinz Thul. Als Rückmeldung aus dem Markt seien die Auszeichnungen deshalb wertvoll – allerdings nur, wenn sie seriös, transparent und korrekt vergeben werden würden. „Dafür trägt jeder Ausrichter selbst die Verantwortung, und darauf müssen wir uns verlassen können“, betont Thul. Komme es künftig auch bei anderen Auszeichnungen zu Manipulationen, würde VW auch diese zurückgeben. Ähnlich argumentiert Daimler. „Publikumspreise haben dann eine Bedeutung, wenn ihr Ergebnis korrekt zustande gekommen ist. Werden Wahlen manipuliert, sind die Preise wertlos“, sagt Sprecherin Konstanze Fiola.

Der Verband der Automobilindustrie fordert ebenso transparente Kriterien und die Auswertung der Daten durch einen externen Dienstleister. Überprüfe ein Notar die Ergebnisse, „sichert das die Wertigkeit der Preise zusätzlich ab“, sagt Sprecher Eckehart Rotter.

Auch der Springer-Konzern erwägt eine Nachbesserung

Auch der Springer-Konzern erwägt eine Nachbesserung. Denn beim „Goldenen Lenkrad“, das von der „Auto Bild“ jährlich auf Grundlage einer Leser- und Jurywahl vergeben wird, gibt es bisher keine notarielle Beglaubigung des Ergebnisses. Die Daten werden von einem Dienstleister ausgewertet und an die Redaktion übermittelt. Vor dem Hintergrund des ADAC-Skandals und der Unregelmäßigkeiten beim „Flotten-Award“ werde darüber diskutiert, zusätzlich einen Notar hinzuzuziehen, teilt eine Sprecherin mit.

Künftig müssen damit wohl nicht nur die Autos, sondern auch die Trophäen durch den Tüv. Sonja Álvarez

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