Trump-Fans importieren Schimpfwort : "Lugenpresse" auf der anderen Seite des Teichs

Immer wieder schaffen es Wörter, sich über ihre originären Sprachräume hinaus zu verbreiten. Bei einigen deutschen Wörtern würden man gern darauf verzichten.

Joachim Huber
"Lugenpresse": Trump-Fans lernen Denglisch
"Lugenpresse": Trump-Fans lernen DenglischScreenshot: Tsp

Unterhalten sich zwei Trump-Anhänger. „That’s what you are“, sagt der eine, der das Schild „Make America great again“ hält. „What?“, fragt der andere. „Lugenpresse“, sagt der erste. Schreit der zweite: „Lugenpresse“.

Eine Szene aus einem Twitter-Video und der Beweis dafür, dass die Amis lernfähig sind, vielleicht nicht alle, aber die Anhänger des republikanischen Präsidentschaftkandidaten Donald Trump auf jeden Fall. Das Video zeigt eine Szene nach einer Parteiveranstaltung, das Duo spricht in eine Fernsehkamera, ob sie zu einem deutschen TV-Team sprechen, das wird nicht klar.

„Kindergarten“, „Rucksack“, „Bratwurst“, „Angst“, „Blitzkrieg“ das sind deutsche Wörter, die es über den Teich in den US-Wortschatz geschafft haben. Okay, „Nazi“ ist auch darunter, trotzdem waren es in der überragenden Mehrheit positive Made-in-Germany-Begriffe.

Jetzt also „Lugenpresse“, ein Begriff, der als „Lügenpresse“ durch Pegida neue Konjunktur gewonnen hatte. Und die Trump-Anhänger meinen genau das: Die Medien seien im Bett mit Clinton, sie seien gekauft. „Lugenpresse“, das schreien sie mit Inbrunst. Als hätten sie darauf gewartet, dass ihnen das Schimpfwort endlich zufliegt.

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