TV-Doku : Das Duell hinter dem Duell

Der Film von Stefan Lamby beschreibt präzise, was die Konfrontation zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück wirklich auszeichnet.

von

Der Film hat es zu einigem Vorab-Ruhm gebracht, was im Grunde schade ist. Peer Steinbrück hat eine Szene aus Stefan Lambys Dokumentation „Das Duell. Merkel gegen Steinbrück“ schon im realen, dem Fernsehduell verraten, in der „Tagesschau“ war sie als knapper Ausschnitt zu sehen: der Moment, in dem Angela Merkel die Sozialdemokraten in der Europapolitik als „total unzuverlässig“ abkanzelt und der Kanzlerkandidat sich empört.

Schade ist die Durchstecherei vor allem deshalb, weil die spektakuläre Szene zum Missverständnis verführen könnte, das Doppelporträt, das die ARD am Montag um 22 Uhr 45 mehr versteckt als ausstrahlt, sei eine Enthüllungsgeschichte. Das ist es nicht, obwohl es viel enthüllt. Aber Stefan Lamby gelingt es dabei, seine Objekte ebenso ernst zu nehmen wie seine Zuschauer. Er drängt niemandem ein Urteil auf. Deshalb kann man sein Stück vielfältig lesen.

Die Spanne reicht von „Geschichte einer irrtümlichen Kandidatur“ bis „Der Aufrechte und das Biest“, erschöpft sich aber eben nicht in der einen oder anderen Sichtweise. Gezeigt werden zwei Politiker, die auf sehr verschiedenen Lebenswegen an die Spitze kommen, die als Charakter denkbar unterschiedlich und doch inhaltlich nicht so weit auseinander sind. Lamby holt wunderbare Szenen aus dem Archiv: Steinbrück, wie er nach der SPD-Niederlage 2009 am Zaun des Kanzleramts versichert, er werde da niemals dran rütteln; Merkel, wie sie, noch ganz das unauffällige „Mädchen“ mit Pottfrisur und im Schlabberkleid, hinter Helmut Kohl und neben Wolfgang Schäuble nach der Macht greift. Natürlich auch der legendäre Moment, in dem die Kanzlerin und ihr Finanzminister auf dem Höhepunkt der Finanzkrise die Spareinlagen der Deutschen garantieren.

Vor allem aber zeigt der Film das, was er im Titel verspricht – das Duell. Und er liefert in Bildern eine derart präzise Beschreibung, dass Worte fast überflüssig werden: einerseits Merkel, für die Kamera geschminkt und mit ebensolchen Sätzen, und andererseits Steinbrück, wie er knurrend am Frühstückstisch die miesen Schlagzeilen über sich selbst liest und seine Frau dazu völlig ungeschützt sagt, ja, sie bewundere Frau Merkel für ihr Geschick und ihre Art – nur mit den Ergebnissen sei sie halt nicht einverstanden.

Aufgeregtere Menschen könnten aus solchen Sätzen Schlagzeilen hämmern. Lamby geht es nicht um Schläge, sondern um Verständnis. Robert Birnbaum

„Das Duell“, ARD, Montag, um

22 Uhr 45

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben