TV-Doku "Verliebt in einen Knacki" : Grenzen der Erziehung

Sigrid Faltins Dokumentarfilm „Ritterblut“ zeigt eine ungewöhnliche Liebe. In einer ungewöhnlichen Situation

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"Ritterblut - Verliebt in einen Knacki", am Mittwoch, den 31. August, um 22 Uhr 45 auf ARD. Foto: Promo
"Ritterblut - Verliebt in einen Knacki", am Mittwoch, den 31. August, um 22 Uhr 45 auf ARD.Foto: Promo

Rudi sitzt wegen Mordes fünfundzwanzig Jahre hinter Gitter. Aber sein Schriftvergleichsgutachten könnte kaum günstiger ausfallen: Ein treuer Mensch, der nichts als Ordnung und Sauberkeit liebt, scheint da in der JVA Bruchsal auf die Krankenschwester Marion zu warten. Die möchte ihrem Leben an der Nordsee einen neuen Drall geben und hat Rudi geschrieben.

Marion ist eine von vielen Frauen, die in einem Strafgefangenen ein Ritterherz schlagen hören. Aber bevor es zu Rudis vorzeitiger Entlassung kommt, hat Marion mit ihm ein paar Regeln besprochen. Er soll sich eine Arbeit und eine eigene Wohnung suchen, nie wieder mit dem Trinken anfangen, das Rauchen lassen.

Dass es anders kommt, überrascht weniger den Zuschauer als Marion, die am Ende noch immer „drei Tropfen Ritterblut“ in Rudis Adern kreisen fühlt – obwohl der den Lohn lieber im Spielhaus verplempert, als mit für die Miete zu zahlen.

Aber hat diese Geschichte wirklich allein „das Leben“ geschrieben oder ist die Regisseurin Sigrid Faltin („Kinder! Liebe! Hoffnung“ – ihr Film über Kinder in einer Pflegefamilie) so etwas wie die Mitautorin? Rudi sammelt vor allem als nach Freiheit dürstender Zellenbewohner Sympathiepunkte, und Marion zappelt anfangs vor Glück.

Spielt die Regisseurin mit?

Aber legen sich die beiden vielleicht auch darum so ins Zeug, weil das Regieteam sie dazu motiviert und sie die Sache vor der Kamera durchziehen wollen? Ist die Regisseurin Dauerberaterin einer auf Nordseesand gebauten Lebensgemeinschaft? Leider sehen wir Sigrid Faltin nie, wir sehen nicht einmal den Schatten des Kameramannes, der in der Gefängniszelle, in der Wohnung oder bei Deichspaziergängen sein Bestes gibt.

Wir spüren eine merkwürdige Lust, uns auf die Seite des schwäbelnden Rudi zu stellen, der so wenig aus seiner Haut kann wie Marion aus der ihren, nur dass seine die engere ist. Geschlagen von einer bösen Kindheit, zum Affekt neigend, taugt er recht wenig zum Vorzeigeobjekt eines späten Erziehungsversuchs. Stärker als jede Reue muss in einem solchen Menschen die Wut bohren, vom Schicksal betrogen worden zu sein und immer Pech gehabt zu haben. Ein anarchischer Funke hätte auch der ruhigen Bildsprache gutgetan.

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