TV-Duell : Große Erwartungen an Stefan Raab

ProSieben-Entertainer Stefan Raab soll das enge Frage-und-Antworten-Korsett des TV-Duells am Sonntagabend aufmischen. Vielleicht geht ihm sogar das Pferd durch.

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Entertainer Stefan Raab.
Entertainer Stefan Raab.Foto: Pro7

Für einen Moment verstummte die Halle. Stefan Raab hat gesprochen. Und wie. Der Mann, dem zugetraut wird, die festgefahrenen Rituale des großen TV-Duells zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück am Sonntagabend aufzubrechen, hat Peter Kloeppel ans Bein gepinkelt, dem RTL-Chefredakteur, einer von drei ausgewiesen Polit-Journalisten an Raabs Seite am Sonntagabend. Man höre und staune: Ob Raab als TV-Duell-Novize das Frage-Antwort-Regel-Korsett so einer Veranstaltung nicht zu eng wäre, wurde er von einem der rund 100 Journalisten gefragt. „Zu eng? Mir persönlich gefällt das sogar sehr gut. Prägnante Fragen, kurze, prägnante Antworten, so dass das befürchtete Larifari von Herrn Kloeppel außen vor bleibt.“

Larifari? Peter Kloeppel? Ja heißa, das kann ja lustig werden. Schnell korrigierte sich Raab. Er meinte natürlich nicht, das Larifari des Peter Kloeppel, sondern das von Kloeppel in einem Interview vorab befürchtete Larifari, das aus so einem TV-Duell werden könnte. Eine kleine Anekdote nur am Rande im Studio Adlershof zwei Tage vor dem TV-Duell bei der Präsentation der vier Moderatoren, die wahrscheinlich fast genauso wichtig sind wie Kanzlerin und Kandidat selber. Doch sie zeigt, mit welcher Erwartungshaltung in dieser Vierer-Moderatoren-Runde an Stefan Raab herangegangen wird.

Stefan Raab hat die schwerste Aufgabe

Stefan Raab. Der Neue. Im Fernsehduell zwischen Merkel und Steinbrück hat der 46-Jährige neben Anne Will, Maybrit Illner und Kloeppel die schwerste Aufgabe. Der Musikproduzent und Entertainer soll alles anders und besser machen. Auf Vorschlag Edmund Stoibers rutschte Raab, dem im deutschen, privaten Unterhaltungsfernsehen in den vergangenen Jahren fast alles gelang, auf die Besetzungscoach von ProSiebenSat1 für dieses prestigeträchtige Fernsehereignis.

„TV Total“, „Wok WM“, „Schlag den Raab“, warum soll ein Unterhalter nicht die wichtigste politische Sendung des Jahres moderieren und damit politisch eher Desinteressierte, junge Leute vor den Bildschirm (und an die Wahlurne) holen. Fragen über Fragen, die der Entertainer in aller Seelenruhe über sich ergehen ließ. Nein, er sei Steinbrück sogar dankbar dafür, dass der anfangs gegen Raab als Fragensteller war. „Deswegen bin ich jetzt ja hier.“ Sicher, es gebe in den 90 Minuten mit Merkel und Steinbrück nicht allzu viele Spielräume. Ein zweieinhalbseitiges Regelwerk sieht vor, wer bei diesen Vier-plus-zwei-Verhandlungen, übertragen auf vier Kanälen, was wann wie zu sagen hat. Hin und wieder werde Raab sicher nachfragen. Er trete als Teamplayer auf. „Kann allerdings sein, dass mir die Pferde durchgehen.“

Schön wär’s, möchte man als Beobachter meinen. Eines hat Raab ja mit Will, Illner und Kloeppel gemeinsam. Allesamt wollen sie vor allem Angela Merkel aus der Reserve locken. Die Kanzlerin hat bislang noch nicht mal den Namen des Herausforderers in den Mund genommen. Mal sehen, ob sie vis-à-vis vor Stefan Raab, den sie wahrscheinlich nicht ein einziges Mal samstagabends im Fernsehen mit dem Wok die Bahn hat runterfahren sehen, auch standhält. Vielleicht bringt Raab ja doch die „Eine-Million-Dollar-Frage“ (Illner), die das TV-Duell sehenswerter macht. Vielleicht bringt er sie auch erst in „Absolute Mehrheit“, dem jungen Polit-Talk auf ProSieben, den Raab nach dem TV-Duell auch noch wegmoderiert.

Stefan Raab hat in den vergangenen Jahren von Pro7 aus das Fernsehen revolutioniert. Viele erwarten, dass davon auch was beim TV-Duell zu spüren ist. Druck? Nach außen gibt sich Raab locker. Lässig die Hand in der Hosentasche oder die Arme vor der Brust verschränkt, manchmal mit Anne Will feixend, ebenfalls Duell-Neuling, steht er im Studio Adlershof. Vielleicht bindet Raab am Sonntagabend eine Krawatte um. „Um zu ärgern.“ Peter Kloeppel guckte grimmig in die Runde.

„Das TV-Duell“, Sonntag, 20 Uhr 30, ARD, ZDF, RTL, Pro7; ab 22 Uhr „Absolute Mehrheit“, Pro7.

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