TV-Interview mit Ahmadinedschad : „Ich wollte keine Holocaust-Debatte“

Claus Kleber hat fürs ZDF den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad interviewt. Obwohl der „Heute journal“-Moderator am Anfang unsicher wirkte, hält er das Gespräch mit dem Regierungschef für gelungen.

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Foto: ZDF
In Teheran hat ZDF-Moderator Claus Kleber (l.) den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad interviewt.

Herr Kleber, ist während des Gesprächs mit Irans Präsidenten Ahmadinedschad, das Sie in Teheran geführt haben und das am Montagabend im ZDF-„heute journal“ gezeigt wurde, ein Maschinengewehr auf Sie gerichtet worden?

Nein, es ging sogar erstaunlich unmilitärisch zu.

Ich frage deshalb, weil Sie während des Interviews unsicher wirkten. Nicht Sie stellten die Fragen, sondern Ahmadinedschad schien Sie zu interviewen.

Diesen Eindruck hatte ich nicht. Zwar hat Ahmadinedschad versucht, die Kontrolle über das Gespräch zu gewinnen, aber das ist ihm nicht gelungen. Womöglich aber wirkte ich zu Anfang deshalb unsicher, weil ich wegen eines technischen Fehlers den Übersetzer kaum verstehen konnte.

Als Ahmadinedschad Sie fragte, ob jedes Land, das wie Israel nicht Mitglied des Atomwaffensperrvertrags sei, frei zu tun ist, was es will, antworteten Sie: „So ist das wohl.“ Damit gaben Sie genau die Antwort, die der Präsident hören wollte.

Darauf immer wieder hinzuweisen, ist sein alter Trick. Aber es ist auch ein nicht unberechtigtes Anliegen. Meine Antwort war die kürzestmögliche, um nicht weiter in die Debatte einzusteigen.

Ahmadinedschad hat in dem Gespräch erneut den Holocaust als „Lüge“ bezeichnet. Warum haben Sie nicht widersprochen?

Weil ich mir von vornherein vorgenommen hatte, nicht in diese Falle zu tappen. Eine Debatte über den Holocaust hätte ihm die Gelegenheit gegeben, seinen Mist voll auszubreiten.

Macht es überhaupt Sinn, einen Mann wie Ahmadinedschad zu interviewen?

Ein Interview ist für mich kein Tennisspiel, in dem es darum geht, mehr Punkte zu machen als der Gegner. Wenn es also darum gehen soll, Ahmadinedschad davon zu überzeugen, dass seine Ansichten falsch sind und unsere richtig, dann ist es sinnlos. Wenn es aber darum geht, eine Schlüsselfigur wie Ahmadinedschad kennenzulernen und zu zeigen, wie er denkt und auf Einwände reagiert, dann ist ein solches Interview sinnvoll.

Und ist es Ihnen gelungen, das zu zeigen?

Ja, von diesem Mann geht eine böse Faszination aus, und das hat man so deutlich bisher im deutschen Fernsehen wohl noch nicht gesehen.

Warum ist Ahmadinedschad überhaupt auf das Interview eingegangen?

Das weiß ich bis heute nicht. 2008 hatte ich ihn das erste Mal angefragt, ohne Erfolg. Wir haben aber anschließend nicht aufgegeben. Am vergangenen Montag kam dann plötzlich die Zusage. Offenbar wollte er nach innen, wo er umstritten ist, internationales Gewicht zeigen.

Wird das Interview eine Auswirkung auf den aktuellen Konflikt mit Israel haben?

Ja, diejenigen, die auf eine Verhandlungslösung hoffen, und dazu gehört ja auch US-Präsident Obama, dürften enttäuscht sein, dass Ahmadinedschad hinsichtlich der Überprüfung des Atomprogramms keine Zugeständnisse gemacht hat.

Würden Sie Ahmadinedschad noch einmal interviewen?

Nein, ich glaube, ich habe jetzt alles gehört, was er zu sagen hat.

Das Gespräch führte Sonja Pohlmann.

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