TV-Krimi : Joachim Król hört als „Tatort“-Kommissar auf

Nina Kunzendorf fehle ihm, sagte der Schauspieler in einer kurzen Mitteilung. Kunzendorf hatte vor kurzem ihre Rolle als Kommissarin im Frankfurter "Tatort" abgelegt.

Markus Ehrenberg
Joachim Król und Nina Kunzendorf im Frankfurter "Tatort". Foto: dpa
Joachim Król und Nina Kunzendorf im Frankfurter "Tatort".Foto: dpa

Nett, leise, introvertiert: wer Joachim Król persönlich getroffen hat, wundert sich über die vornehme Zurückgenommenheit dieses Schauspielers. In einer Branche, bei der laute Töne gefragt sind. Still und heimlich fast, so kam am Dienstag auch die Meldung über den Ticker, dass der Schauspieler Joachim Król seine Rolle als Frankfurter „Tatort“-Kommissar Frank Steier aufgeben will. Das teilte seine Agentur in Köln mit. Der 54-Jährige werde im November seinen letzten, insgesamt siebten Fall drehen, hieß es.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Nina Kunzendorf, 41, an Króls Seite als burschikose Ermittlerin Conny Mey aufgehört. Die Entscheidung, die Zusammenarbeit mit Steiers siebtem Fall zu beenden, habe Król mit dem Hessischen Rundfunk (HR) abgestimmt: „Nina fehlt mir“, sagte er in der Mitteilung. „Die Redaktion wird sicher wieder etwas tolles Neues auf die Beine stellen. Ich will da niemandem im Weg stehen. Ein klarer Schnitt scheint mir sinnvoll.“

Voraussichtlich im Herbst wird Króls vorletzter Fall, „Eskimo“, in der ARD zu sehen sein. Wann der letzte Film mit Król als alleine agierender Kommissar, der im November gedreht wird, ausgestrahlt wird, ist noch offen. Der Hessische Rundfunk hatte nach dem Kunzendorf-Abschied als neue Kommissarin bereits die Schauspielerin Margarita Broich, 53, verpflichtet. Sie wird jedoch nicht mit Król zusammen drehen. Drehstart für den ersten Krimi mit „einem noch zu findenden Partner“ soll laut HR im Frühjahr 2014 sein. Król probt derzeit unter der Regie von Jan Bosse die Adaption von Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“ für das Staatstheater Stuttgart und war gestern für eine weitere Stellungnahme nicht zu erreichen.


Es bleiben Mutmaßungen. Warum gibt dieser Schauspieler eine der im deutschen Fernsehen renommiertesten Serien-Rollen, die eines „Tatort“-Kommissars, nach nur so kurzer Zeit auf? Der „Tatort“, das sei eine große Entscheidung, sagte Król vor zwei Jahren im Interview mit dem Tagesspiegel. Für das Engagement beim „Tatort“ hatte Król vor drei Jahren sogar seine geliebte Ermittlerrolle im ZDF-Krimi „Lutter“ beendet. Entsprachen die Bücher nicht mehr seinen Erwartungen? Immerhin hatten Król und Kunzendorf die neuen Frankfurter Ermittlerfiguren unter der Ägide von Autor Lars Kraume gemeinsam entwickelt.

Vor ein paar Wochen lief der letzte „Tatort“ mit Krol/Kunzendorf in der ARD, „Wer das Schweigen bricht“. Es war zu spüren, dass der ohnehin labile, alkoholkranke Kommissar Steier nach dem Abschied von Kollegin Mey einen schweren Stand haben dürfte. Król und Kunzendorf, die sich vor dem ersten "Tatort"-Dreh nicht näher kannten, haben sich, wie man hört, im Laufe der gemeinsamen Arbeit sehr schätzen gelernt. Kunzendorfs Abschied dürfte Król schwer getroffen haben. Das kommt auch selten vor in der Branche. Was bleibt, ist ein beachtliches, kurzes Kapitel „Tatort“-Geschichte. Fünf neue Frankfurter „Tatort“-Krimis, mehr waren es nicht nach dem Abgang von Jörg Schüttauf und Andrea Sawatzki. Ganz in der Tradition einer gewissen, manchmal schwer ertragbaren Düsternis, die den „Tatort“ in Mainhattan von anderen Ausgaben unterscheidet. Margarita Broich als Nachfolge-Kommissarin wird es nicht einfach haben. Eine schwere Aufgabe auch für die HR-Fernsehspielchefin Liane Jessen, die aus dem Wechseln nicht rauskommt. Der Sender bedauerte Króls Entscheidung, zeigte aber auch Verständnis. Sie könne verstehen, „dass Joachim nach fünf Filmen mit Nina Kunzendorf seiner Partnerin künstlerisch nachtrauert und das Projekt Tatort beenden will“, sagte Jessen.


In ihrem ersten Fall 2011, „Eine bessere Welt“, herrschte Król alias Steier seine Kollegin Conny Mey an: ‚Sie gehen mir dermaßen auf den Senkel. Wenn Sie den Menschen wirklich helfen wollen, dann machen Sie doch ein Nagelstudio auf.“ Intellekt und Intuition – das schien der Beginn einer großen Freundschaft.


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