• TV-Kritik "Günther Jauch": Empörung über die Fifa reicht nicht für einen gescheiten Talk

TV-Kritik "Günther Jauch" : Empörung über die Fifa reicht nicht für einen gescheiten Talk

Kein Plan, keine Idee und schlechte Vorbereitung: Bei "Günther Jauch" ging es um den Schmutz im Fußball. Aber dem Fifa-Vertreter war allein mit Aufregung nicht beizukommen. Und der Moderator tat mal wieder nichts, um das zu ändern.

Matthias Kalle
Moderator Günther Jauch bei seiner Talkshow zum Thema "Der Fifa-Sumpf - Wie schmutzig ist unser Fußball?"
Moderator Günther Jauch bei seiner Talkshow zum Thema "Der Fifa-Sumpf - Wie schmutzig ist unser Fußball?"Foto: dpa/Paul Zinken

Eigentlich kann nur alles, was nach einem "Tatort" aus Münster läuft, qualitativ besser sein. Für die Talkshow von Günther Jauch hieß das am Sonntag um 2 Uhr 45, wenn man die derzeitige Form bedenkt: Die Sendung hat ein Relegationsrückspiel und tritt mit einem komfortablen Vorsprung an – man kann gar nicht absteigen, schon gar nicht mit diesem Thema: „Der Fifa-Sumpf - Wie schmutzig ist unser Fußball?“

Die Aufstellung? Man ahnt, dass es doch noch schief gehen könnte: Claudia Roth, die sich sehr für Fußball interessiert; Marcel Reif, der sehr viel Ahnung vom Fußball hat; Florian Bauer, der für die ARD sehr gute Reportagen aus der Schattenwelt des Sports macht; Guido Tognoni, der ehemalige FIFA-Mediendirektor und ein gewisser Alexander Koch. Koch wird als Fifa-Sprecher vorgestellt, tatsächlich ist er aber nur wirklichen Kennern der Fifa bekannt, wie zum Beispiel dem Journalisten Jens Weinreich, der sich seit Jahren um das Thema Korruption im Sport kümmert. Laut Weinreich ist Koch übrigens ein Hinterbänkler.

In der Sendung dann aber, da hat sein Wort Gewicht – für ihn selber hat allerdings das Wort seines alten und neuen Chefs Sepp Blatter kein Gewicht, denn Koch sagte, man solle nicht überbewerten, was Blatter nach seinem Wahlerfolg gesagt habe (da hatte er denen, die gegen ihn waren, mehr oder weniger gedroht).

Jauch machte mal wieder nichts

Jedenfalls war dieser Koch, der für einen anderen Fifa-Sprecher einspringen musste, das Zentrum der Sendung – er repräsentierte das Böse, die Fifa – aber er war für die anderen trotzdem nicht zu fassen: Tognoni nahm er allein dadurch jegliche Autorität, indem er ihn einfach duzte, Roth brachte er aus dem Konzept mit dem Trick, dass er sich als Grünen-Wähler darstellte.

Und was machte Jauch? Leider nichts. Auf seinen Moderationskarten, auf denen am Ende zwar jede Menge durchgestrichen war, stand offenbar kein Konzept, was man mit dieser Sendung, mit diesem Thema, eigentlich anstellen wollte. Auch fehlten dem Moderator – wieder mal – Biss, Angriffswillen und vor allem Vorbereitung, um die Widersprüche der Fifa, vertreten durch Alexander Koch, offenzulegen.

Und da sich Jauch aus Prinzip nie empört, übernahmen das Claudia Roth und Marcel Reif. Roth übertrieb es mal wieder – Reif immerhin merkte man die Fassungslosigkeit an. Aber fassungslos ist kein guter Zustand in einer Talkshow, in der dann Florian Bauer ein wenig verlassen versuchte, mit Fakten und mit einer gewissen Nüchternheit den Dingen auf den Grund zu gehen. Dafür gibt es allerdings keinen Applaus – den gab es vor allem für Roth, die im Prinzip die ganze Zeit das sagte, was alle schon gesagt haben in den vergangenen vier Tagen.

Man wusste schon alles

Und das war diesmal das eigentliche Problem der Sendung: Es haben sich bereits schon alle aufgeregt über die Fifa und über Sepp Blatter und über die WM-Vergabe nach Russland und nach Katar und über die Verhaftungen und die Korruption. Und irgendwann sagte dann auch Tognoni, dass man doch eh alles bereits gewusst habe – aber erst die US-Justiz und das FBI kommen mussten.

Jeder Krimifan kennt die Ermittlerweisheit „Folge dem Geld!“ Bei Günther Jauch sind sie nicht dem Geld gefolgt, sondern der uralten Empörung der Fans darüber, dass so ein schöner Sport eine so hässliche Dachorganisation hat. Aber mit diesem Ansatz sollte man keine Talkshow machen. Eine Talkshow sollte keine Jammershow sein. Sie sollte – vor allem in diesem Fall – Erkenntnisse stiften und die Dinge vorantreiben. Aber dafür braucht es eine Redaktion und einen Moderator mit einem Plan, einer Idee – und mit recherchiertem Wissen, um jemandem wie Alexander Koch am Ende nicht so dastehen zu lassen.

Am Montagabend, nach dem entscheidenden Relegationsspiel Karlsruher SC gegen Hamburger SV zur Fußball-Bundesliga, redet Frank Plasberg über die Fifa und die Korruption. Zu Gast ist, laut Ankündigung vom Sonntagabend: Alexander Koch.

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