TV-Kritik zu Maybrit Illner im ZDF : Hunde, Flöhe und Europa-Spalter

Griechenland, Putin oder die Nato. Bei Maybrit Illner wird nach Schuldigen für eine Spaltung Europas gesucht - was in einer vorhersehbaren und diffusen Diskussion endet. Immerhin sorgen Buhrufe aus dem Publikum für Stimmung.

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War nicht gut genug auf das Thema Flüchtlinge vorbereitet: Maybrit Illner.
War nicht gut genug auf das Thema Flüchtlinge vorbereitet: Maybrit Illner.Foto: dpa

Alexis Tsipras besucht Moskau zwei Tage lang. Europa kocht.  EU-Parlamentspräsident Martin Schulz fordert von Griechenland Solidarität und das gemeinsame Maßnahmen nicht aufgekündigt werden. Gunther Krichbaum, Europaausschuss-Vorsitzender wird biologisch: „Wer mit einem Hund ins Bett geht, der darf sich nicht wundern, wenn er mit Flöhen wieder aufwacht.“ Gereizte Stimmung. Sprech-Attacken. Da mag auch Maybrit Illner nicht stillhalten.

Thema bei "Maybrit Illner": „Putin, NATO, Griechenland. Wer spaltet Europa?“ Blöd das Norbert Röttgen gleich zu Beginn erst mal verbal abrüstet. Die „Liebesgrüße aus Moskau“ sollten nicht überdramatisiert werden. Europa könne gelassen sein. Der griechische Ministerpräsident wäre aber kein guter Europäer. Die Wirtschaftssanktionen seien gemeinsam beschlossen worden. Da war Tsipras noch nicht im Amt. Trotzdem müsse er die EU-Linie mitvertreten. Alexis Passadakis ist Mitglied bei Attac. Und der personifizierte Beweis, dass ein Politikstudium nicht zwangsläufig zu großem politischen Überblick führen muss. Er macht das, was er als Talkshow-Gast gerne macht, er schwafelt und lamentiert. Die griechische Regierung würde nicht richtig anerkannt werden. Sie sei demokratisch gewählt worden. Der Antisparkurs von Tsipras sei ein Dorn in der unmenschlichen Katastrophen-Politik der EU. Griechenland erfahre keine Solidarität. Griechenland werde stranguliert und wirtschaftlich kaputt gemacht. Griechenland wäre ein besetztes Land. Von undemokratischen Mächten besetzt. Da könne mit Wladimir Putin schon mal eine ganz andere Option ins Spiel gebracht werden.

Kann die Nato Europa entzweien?

Die russische Journalistin  Anna Rose kann das alles gar nicht verstehen. Tsipras habe das Recht, Russland zu besuchen. Außerdem wäre es für Putin keine übermäßig große Ehre, den griechischen Regierungschef zu empfangen. Leider ist die Regie nicht so fix, das Gesicht von Alexis Passadakis bei diesem Tiefschlag einzufangen. Der aktuelle Teil der Talkrunde ist eigentlich beendet. Aber die Spaltpilze „Putin“ und „NATO“ müssen noch behandelt werden.

Ob die Nato Europa wirklich entzweien kann, darüber herrscht Uneinigkeit. Die Nato will eine neue Eingreiftruppe. Die USA will Waffen in die Ukraine schicken. Aber Merkel will keine militärische Lösung des Ukraine-Konflikts. Ganz konkret: „Das Problem ist, dass ich mir keine Situation vorstellen kann, in der eine verbesserte Ausrüstung der ukrainischen Armee dazu führt, dass Präsident Putin so beeindruckt ist, dass er glaubt, militärisch zu verlieren.“

Ausrutscher von Journalistin Anna Rose

Der Oberbefehlshaber des amerikanischen Heeres in Europa, Ben Hodges sieht vor möglichen Waffenlieferungen erst mal die Notwendigkeit einer Strategie. Je später die Sendung, um so langweiliger und vorhersehbarer wird es. Maybrit Illner muss immer wieder feststellen, dass über verschiedene Aspekte schon in früheren Sendungen gesprochen wurde. Immerhin erlaubt sich Anna Rose zwei ziemliche Ausrutscher. Illner fragt, warum Putin im russischen Fernsehen die Annektion der Krim eingestanden habe? Für Rose ist das aber nur eine schlechte Übersetzung. Und die Angst Osteuropas vor Russland ist für Rose nur Blödsinn. Russland wäre der Sündenbock für zahlreiche Fehler der EU. Außerdem müsse Osteuropa, wenn es um historische Schuld ging, auch vor Deutschland Angst haben. Laute Buhrufe im Studio. Fazit: eine ziemlich diffuse Diskussion. Zu viele Themen. Zu kurz angerissen. Die Runde hastet von einem Knackpunkt zum nächsten. Zum Schuss keine Einigkeit darüber, ob Europas Einigkeit wirklich in Gefahr ist.

 

 

 

 

 

 

 

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