TV-Serie "Silicon Valley" : „Die Realität ist schlimmer“

Das Silicon Valley ist der beste Lieferant für Komödienstoff. Sagt zumindest Mike Judge im Interview: Der Erfinder von "Beavis and Butt-Head" verfilmt den Wahnsinn der Tech-Branche in einer neuen Serie.

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"Keine Zeit für Dates": Die Protagonisten der serie "Silicon Valley", die am Mittwoch um 21 Uhr auf Sky Atlantic startet.
"Keine Zeit für Dates": Die Protagonisten der serie "Silicon Valley", die am Mittwoch um 21 Uhr auf Sky Atlantic startet.Foto: Promo

Herr Judge, Ihre neue Comedy-Serie erzählt von kalifornischen Computer-Nerds. Was ist an denen lustig?

Das Silicon Valley ist eine verrückte Welt, auf viele Arten. Einerseits wird da mit Milliardensummen jongliert, andererseits sind die Leute, die in der IT-Branche zu schnellem Reichtum gelangen, überraschend introvertiert und schüchtern. Es ist noch nicht lange her, da waren die reichsten Menschen der Welt Typen vom Schlage der Rockefellers, klassische Alpha-Männer. Heute sind es sozial unbeholfene Menschen wie die Microsoft-Gründer Bill Gates und Paul Allen, die vor 100 Jahren ganz sicher keine milliardenschweren Konzernchefs geworden wären. Da steckt jede Menge Komödienstoff drin.

Wie kommt es, dass Sie sich in diesem Milieu auskennen?

Vor langer Zeit habe ich selbst im Silicon Valley gearbeitet, damals war ich noch Software-Ingenieur. Ende der 80er Jahre fing ich bei einer kleinen Start-up-Firma für Grafikkarten an. Ich mochte das Arbeitsumfeld überhaupt nicht, nach drei Monaten habe ich gekündigt und bin Filmemacher geworden – die IT-Branche war nicht meine Welt. Aber seitdem weiß ich, wie Ingenieure ticken, ich kenne die Persönlichkeiten, ich kenne den Vibe.

Nach Ihrem Berufswechsel wurden Sie mit der MTV-Serie „Beavis and Butt-Head“ berühmt. Das Silicon Valley dürfte sich seitdem stark verändert haben.

Total. Deshalb unterhielten wir uns vorab mit Unternehmern und Ingenieuren, wir sahen uns Start-up-Firmen und Business-Inkubatoren an. Vieles in der Serie basiert auf wahren Geschichten, über die wir bei der Recherche stolperten. Als wir grünes Licht zum Drehen bekamen, überzeugten wir HBO, einen gut informierten Berater anzuheuern, damit alles, was unsere Serienhelden tun oder sagen, auch Sinn ergibt. Es war mir wichtig, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben, denn diese ganze Welt ist verrückt genug, man muss nicht viel übertreiben, um es komisch zu machen.

Welcher Recherchefund hat Sie am meisten überrascht?

Dass mit noch mehr Geld herumgeworfen wird, als ich dachte. Während wir an der Serie arbeiteten, wurde WhatsApp für 19 Milliarden Dollar an Facebook verkauft – blanker Wahnsinn. Wenn unser Serienheld für seine gerade erst gegründete Firma zehn Millionen Dollar angeboten bekommt, ist das für das Silicon Valley also ein eher konservatives Szenario.

In der ersten Staffel steuert alles auf die Start-up-Konferenz „Techcrunch Disrupt“ zu, die es im Silicon Valley wirklich gibt ...

... und das Publikum, das wir da zeigen, ist das echte Techcrunch-Publikum. Wir sind da mit einer Kamera rumgelaufen, es war ein Riesenspaß. All diese jungen Programmierer, die kurz vor ihrer ersten Präsentation stehen und aussehen, als müssten sie vor Nervosität gleich kotzen. Es geht um Milliarden von Dollar, aber es wirkt alles wie die Wissenschafts-Projekttage an einer High School.

Ein Kritiker bezeichnete Ihre Serie als „Big Bang Theory mit noch weniger Frauen“.

Es gibt natürlich auch weibliche Programmierer, aber statistisch sind es nun mal eher Männer. Keine Ahnung warum. Wird da diskriminiert? Vielleicht. Wenn Sie beim Techcrunch ins Publikum schauen, sehen Sie ein Meer aus Männern. Als ich während der Recherche Google besuchte, saß ich in einem Raum mit 50 Programmierern, unter denen es gerade mal zwei Frauen gab. Man erzählte mir von Tech-Partys, bei denen die Mädchen Däumchen drehen, während die Typen Videospiele spielen. Wir wollten in der ersten Staffel anfangs ein love interest einbauen, aber es kam uns einfach nicht glaubwürdig vor. Unsere Helden sind total im Stress, die müssen ihre Firma aufbauen, sie haben keine Zeit für Dates.

Nach der US-Premiere von „Silicon Valley“ kritisierte der Unternehmer Elon Musk, Ihre Serie werde der Wirklichkeit nicht gerecht – die sei nämlich noch viel merkwürdiger.

Elon Musk kennt diese Wirklichkeit bestimmt besser als ich. Generell waren die Reaktionen aus der Tech-Branche aber extrem positiv, alle lieben die Show. Ich bin jetzt mit mehr Milliardären befreundet, als ich zählen kann.

Inzwischen schreiben Sie die zweite Staffel. Können Sie uns darüber etwas erzählen?

Noch nicht viel, außer dass ein paar neue Charaktere dazukommen.

Doch nicht etwa Frauen?

Doch, so viel kann ich verraten.

Mike Judge hat „Beavis and Butt-Head“ erfunden. Die Idee für die neue TV-Serie „Silicon Valley“ stammt ebenfalls von ihm, zudem hat er für die HBO-Produktion Regie geführt.

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