Medien : TV-Tipp: Notare küsst man nicht

Simone Leinkauf

Gedreht wurde "Vino Santo" schon vor zwei Jahren - ins Fernsehprogramm kommt der Film erst jetzt: In der Regel ist das ein Zeichen dafür, dass der Sender mit einer Produktion nicht so ganz einverstanden ist, dass man sich mit Regisseur oder den Schauspielern vertan hat. Bei "Vino Santo" ist das nicht der Fall - um so mehr erstaunt es, dass die leichte Sommerkomödie so lange in den Archiven lagerte, bevor sie endlich auf den Bildschirm kommt: Da ist sie heute Abend um 20 Uhr 15 auf eine Weise präsent, die dem Filmemacherpaar Ulli (Drehbuch) und Xaver Schwarzenberger (Regie und Kamera) voll und ganz entspricht.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Der Anwalt Georg Altenburger (Friedrich von Thun) sucht für seine Tochter Gioia (Helen Zellweger), eine Jura-Studentin, einen Bräutigam aus. Und dabei geht es ihm nicht so sehr um das Wohl der Tochter als um sein eigenes. Er möchte Gioia bei sich behalten und holt deswegen den strebsamen und langweiligen Kollegensohn Harry (Nikolaus Ofzcarek) als zukünftigen Schwiegersohn und Juniorpartner in die Kanzlei. Gioia nickt das alles ab, hat sie doch ihr Leben lang das getan, was ihre Umgebung von ihr erwartete. Träumen tut sie allerdings von einem anderen, dem jungen unkonventionellen Weinkenner Max (Simon Verhoeven), mit dem sie einige romantische Stunden verbrachte, bevor dieser beruflich nach Italien musste. Auf dem Weingut der Mutter, die zehn Jahre zuvor nach Italien zurückkehrte, trifft Gioia Max wieder - und muss sich zwischen einem Leben in Wien als Steuerberaterin an der Seite des ungeliebten Harry oder einem Leben in Italien an der Seite des geliebten Max entscheiden. Was äußerlich als Emanzipationsgeschichte daher kommt, ist eigentlich nur eine romantische Liebesgeschichte, die mit Emanzipation nichts zu tun hat. Denn wieder einmal tut Gioia das, was die Familie von ihr erwartet - auch wenn sie diesmal nicht dem väterlichen Willen, sondern dem großväterlichen Willen (Raf Vallone) folgt. Dass ihr Herz der gleichen Meinung ist, trifft sich gut.

"Vino Santo" ist eine unterhaltsame Komödie, die in vielen Szenen mitten aus dem Leben gegriffen scheint. Mit augenzwinkerndem Humor setzt Schwarzenberger Alltagsszenen ins Bild, die die meisten wohl in der einen oder anderen Weise schon einmal erlebt haben. Eine exzellente Schauspielergarde tut ihr übriges, auch wenn Anna Galiena als Gioias Mutter Serafina manchmal etwas steif wirkt. Auffallend bleibt, dass in dem Film trotz des Titels "Vino Santo" jener bernsteinfarbene italienische Dessertwein, der gerne mit Cantuccini (Mandelplätzchen) serviert wird, nicht ein einziges Mal auf den Tisch kommt.

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