Twitter-Kritik und Fakten-Check : So war der "Tatort" aus Stuttgart, dem "Drecksloch"

Die Twitter-Gemeinde war vom Stuttgart-21-"Tatort" mehr angetan als abgestoßen. Das schwäbische Idiom bleibt ein Streitpunkt

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Kommissar Thorsten Lannert (Richy Müller) ist in eine Demo gegen Stuttgart 21 geraten.
Kommissar Thorsten Lannert (Richy Müller) ist in eine Demo gegen Stuttgart 21 geraten.Foto: SWR

Was sagen die Zuschauer?

Das muss man zahlreichen Twitterern mal auf die Tastatur kleben. Die schauen dauernd auf den Second-Screen und wundern sich dann, dass sie nix mitbekommen. Und wer ist schuld? Der Drehbuchautor. Also: Mehr schauen und weniger schwätzen, äh twittern. Überhaupt versuchen viele, zu viele, Schwäbisch zu schreiben. Das geht meistens schrecklich schief. Der Lieblings-Tweet: "Ich verstehe nur Bahnhof". Na ja.

Von diesem und vom Schwäbischen mal abgesehen, zeigte sich das Twitter-Publikum vom "Tatort: Der Inder" angetan. Insbesondere von Thomas Thieme als gescheitertem, übervorteiltem Architekt Busso von Mayer. Große Schauspielkunst. Dass der Krimi sich auch als Kommentar zum politischen Geschehen verstand, kam gut an. Klar, dieser "Tatort" war mit seinen Zeitsprüngen eine Konzentrationsübung, der nicht alle gewachsen waren. Wie also überwindet First Screen Second Screen? Indem er einen Fall verpuzzelt!

Zu Wort gemeldet haben sich beim #tatort übrigens nur Gegner von Stuttgart 21. Fühlten sich falsch dargestellt, verunglimpft als Gewalttäter. Da schäumte das Netz kurzfristig hoch. Gegner der Schwaben-Metropole haben ordentlich gefeixt: "Stuttgart, ein Drecksloch. Ein städtebaulicher Irrtum". Das muss es den Stuttgartern unter den "Tatort"-Guckern die Sprache verschlagen haben. Haben stumm geschwiegen - haben sie sich gar geschämt? Die Stuttgarter Tourismuswerbung ist jetzt voll gefordert.

Und zum guten Schluss noch ein Tarantino-Zitat!

Wie steht es um Stuttgart 21?

Beim schwäbischen Jahrhundertprojekt geht im Kern darum, dass aus Stuttgarts oberirdischem Kopf- ein unterirdischer Durchgangsbahnhof werden soll. Nach massiven Protesten von „Wutbürgern“ kam es zu einem Volksentscheid in Baden-Württemberg, der zugunsten des gigantischen Projekts ausgefallen ist. Der Streit um das Bauvorhaben ist damit aber noch nicht ausgestanden. Nach Aussage der Bahn soll das Megaprojekt 2021 fertig sein. Die Projektbefürworter von Stuttgart 21 haben stets die umfangreichen wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Möglichkeiten der Stadtentwicklung in Stuttgart durch das neue Verkehrskonzept betont, die durchgehende Hochgeschwindigkeitsverbindung mit Halt im Stuttgarter Zentrum, den Erhalt der Verknüpfungsfunktion des Hauptbahnhofs sowie zu erwartende Fahrzeitverkürzungen und Reisendenzuwächse.

Projektgegner halten das Projekt für betriebsschädlich, nicht bahnkundenfreundlich, umweltbelastend und überteuert. Sie bemängeln Eingriffe in Umwelt, Grundwasser, Denkmäler sowie privates Eigentum und befürchten eine Beeinträchtigung der Mineralwassservorkommen. Ferner ließe sich durch den Durchgangsbahnhof keine signifikante Fahrzeitverkürzung erreichen.

 

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